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Robert Galbraith – Die Ernte des Bösen

erschienen bei Random House Audio
ungekürzte Lesung von Dietmar Wunder
woher: Büchereien Wien

Gerade, als es im Detektivbüro von Cormoran Strike gut zu laufen scheint, bekommt seine Assistentin Robin Ellacott ein Paket zugesendet, das ein abgetrenntes Frauenbein enthält. Cormoran wird schnell klar, dass der Täter jemand aus seiner Vergangenheit sein muss und kann den Kreis der Verdächtigen auf drei Personen einkreisen. Als in London weitere Morde passieren, beginnt für Robin und Cormoran ein Wettlauf gegen die Zeit.
„Die Ernte des Bösen“ ist der dritte Fall von Cormoran und Robin. Handelte es sich bei den ersten beiden um klassische Krimis, so geht dieser teilweise eher in Richtung Thriller: Einige Kapitel sind aus der Sicht des Mörders geschrieben (ohne, dass dessen Identität dabei klar werden würde) und es geht um einen persönlichen Rachefeldzug gegen Strike. 
Ich bin kein großer Fan von Fällen, in die der Detektiv persönlich verstrickt ist und leider bildet dieser Krimi keine Ausnahme. Noch dazu waren mir die psychischen Abgründe der Verdächtigen zu extrem, zu übertrieben.
Ich fand auch die Ermittlungsarbeit diesmal nicht besonders gut dargestellt. Sowohl die Polizei als auch das Ermittlerduo tappen zu lange ziellos im Dunkeln und scheinen kaum einmal über das Täterprofil nachzudenken. Für mich persönlich hat sich schnell klar ein Verdächtiger herausgeschält, da ich einen gewissen Modus Operandi zu erkennen glaubte, aber Cormoran und Robin kommen kaum jemals auf die Idee, die Art und Vorgehensweise des Täters mit den vergangenen Verbrechen der drei Verdächtigen zu vergleichen.
Obwohl mich der Kriminalfall also nicht überzeugen konnte, habe ich aber gern der Lesung gelauscht. Das lag vor allem an den sehr gut ausgestalteten Hauptfiguren, die hier sehr viel Raum bekommen, um sich zu entfalten und weiter zu entwickeln. Manchmal empfinde ich es als störend, wenn es in einem Krimi zu viel um das persönliche Leben der Ermittler geht, aber bei so überzeugend gezeichneten und sympathischen Figuren wie Cormoran und Robin hat es mir Freude gemacht, sie noch besser kennenzulernen als in den ersten beiden Bänden.
Einziger Wermutstropfen bei den Figuren: Es fällt mir einerseits sehr schwer nachzuvollziehen, was Robin noch bei Matthew hält, mich nervt aber andererseits auch das Hin und Her zwischen Cormoran und Robin. Mir ist es egal, ob sie nun einfach Freunde bleiben oder ein Liebespaar werden (für mich fühlt sich beides richtig an) – ich hätte nur gern eine klare Richtung. Irgendwann ist die Frage „kriegen sie sich oder nicht“ einfach ausgereizt und ich finde es auch ein wenig billig, auf diese Art von Spannung zu setzen.
Alles in allem war „Die Ernte des Bösen“ für mich eher mittelmäßig. Die Kriminalfälle haben mir in den ersten beiden Bänden deutlich besser gefallen, aber die Konzentration auf die Figuren und ihr Leben abseits des Detektivbüros fand ich durchaus interessant. Trotz einiger Schwächen freue ich mich daher auf den nächsten Band.
Am Rande noch kurz ein paar Worte zur Verfilmung der Bücher in Form der BBC-Serie „Strike“: Ich finde die TV-Adaption sehr gut gelungen und auf jeden Fall empfehlenswert. Tom Burke als Cormoran Strike mag ein wenig zu gutaussehend sein, aber er fängt den Charakter des Detektivs exzellent ein und Holliday Grainger ist eine ganz wunderbare Robin.

3 thoughts on “Robert Galbraith – Die Ernte des Bösen

  1. Salut, Neyasha.
    Doch anmerkenswert, dass der Krimi in etwa ähnliche Popularitätswerte aufweist, wie jetzt Liebesgeschichten. Thematisch extreme Gegensätze, die allerdings Gemeinsamkeiten nicht scheuen.

    Möglicherweise folgt die andauernde Beziehung zwischen Robin & Matthew der Gewißheiten einer eingefahrenen Beziehung – alles hat einen Lauf gefunden.
    Das Hinauszögern einer Beziehungsentscheidung (in solchen Reihen/Serien) ist der Usus, um das Publikum (vermeintlich) bei der Stange zu halten. Je mehr man/frau allerdings in der Story Wirbel darum macht, umso entlusteter reagieren die Fans, nachdem sie sich gekriegt haben. Was vielleicht an unserer Happy End-Fixierung liegen mag (danach kommt selbst im Märchen nur noch der Alltag).

    Die letzte Krimi-Serie, die mich überzeugt hat: "Miss Fisher’s Murder Mysteries". Einfach bereits wegen der Klasse der wiederkehrenden Charaktere & der unangestrengt aufgenommenen Themen (wie die leidenschaftliche Fliegerin, die sich als Mann ausgibt, um in einer RAAF-Staffel als Pilot zu landen).

    bonté

    1. Ich mag ja gerade den Alltag, der nach dem Happy End kommt. Leider bekommt man den nur so selten zu sehen, da die Tendenz besteht, dann alle möglichen Dramen aufzufahren, um das Publikum wieder bei der Stange zur halten. Einziges lobenswertes Beispiel im Serienbereich ist da für mich "Call the Midwife".

      Hast du "Miss Fisher's Murder Mysteries" gelesen oder gesehen? Ich kenne nur die TV-Serie und mochte die ganz gern, war aber auch darin irgendwann ziemlich von dem Hin und Her zwischen Phryne und Jack genervt (das es so angeblich in den Büchern gar nicht gibt).

    2. …die Bezieherei(*) mit Jack sollte wohl Phrynes Abenteuertum mit anderen Männern ein wenig "erden", um romantischen Vorstellungen des Publikums zu entsprechen, denke ich. Anmerkenswerter war mir da das durchgezogene scheitern der Liebe zwischen Dot & Hugh.

      bonté

      (*)in den Büchern sind sie Freunde

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