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	<title>Klassiker &#8211; Neyashas Allerlei</title>
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	<description>Vom Lesen, Schreiben und von kreativen Dingen</description>
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		<title>John Steinbeck &#8211; Früchte des Zorns</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Neyasha]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Jan 2026 10:01:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[erschienen bei Hörbuch Hamburgungekürzt; gelesen von Erich Räuker &#8222;Früchte des Zorns&#8220; erschien 1939 und spielt zur Zeit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren in den USA. Durch Dürren, daraus resultierenden Schulden und Zwangsräumen verloren viele Farmer damals ihre Existenz und zogen in Scharen nach Kalifornien in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Joads aus Oklahoma&#8230;]]></description>
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<figure class="alignleft size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="700" height="700" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2026/01/fruechtedeszorns-700x700.jpg" alt="" class="wp-image-13298" style="width:310px;height:auto" srcset="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2026/01/fruechtedeszorns-700x700.jpg 700w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2026/01/fruechtedeszorns-300x300.jpg 300w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2026/01/fruechtedeszorns-150x150.jpg 150w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2026/01/fruechtedeszorns-768x768.jpg 768w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2026/01/fruechtedeszorns-1536x1536.jpg 1536w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2026/01/fruechtedeszorns-800x800.jpg 800w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2026/01/fruechtedeszorns-70x70.jpg 70w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2026/01/fruechtedeszorns.jpg 1600w" sizes="(max-width: 700px) 100vw, 700px" /></figure></div>


<p><em>erschienen bei <a href="https://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuch/fruechte-des-zorns-9783844926897/">Hörbuch Hamburg</a><br>ungekürzt; gelesen von Erich Räuker</em></p>



<p>&#8222;Früchte des Zorns&#8220; erschien 1939 und spielt zur Zeit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren in den USA. Durch Dürren, daraus resultierenden Schulden und Zwangsräumen verloren viele Farmer damals ihre Existenz und zogen in Scharen nach Kalifornien in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Joads aus Oklahoma sind eine solche Farmerfamilie, die gen Westen aufbrechen, da es heißt, dass in Kalifornien dringend Arbeiter für Obstplantagen benötigt werden und man damit seinen Reichtum machen kann. Aber bald müssten sie feststellen, dass nur Ausbeutung und Armut auf sie warten.</p>



<p>Inzwischen ist es fast ein Jahr her, seit ich dieses Hörbuch gehört habe, aber ich möchte trotzdem noch eine Rezension dazu schreiben &#8211; und hoffe, dass ich die Details noch in meinem Kopf sortieren kann.</p>



<p>Der Roman beginnt damit, dass Tom Joad, der Sohn, vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird, aber gleich gegen seine Bewährungsauflagen verstößt, als er mit seiner Familie Oklahoma verlässt. Das schwebt nun als ständige latente Bedrohung über der Familie, hindert Tom aber nicht daran, sich für die Rechte der Arbeiter einzusetzen. Er ist die zentrale Figur des Romans, aber auch einige andere Familienmitglieder und Menschen, die ihnen unterwegs begegnen, spielen eine wichtige Rolle. Hier sind besonders Ma Joad zu nennen, die die gesamte Familie zusammenhält, und der ehemalige Prediger Jim Casy, der sich für Solidarität und soziale Gerechtigkeit einsetzt. </p>



<p>Mir sind alle Figuren mir ihren Stärken und Schwächen sehr ans Herz gewachsen, aber ich finde, dass &#8222;Früchte des Zorns&#8220; weniger charakterzentriert ist als andere Romane von John Steinbeck. Im Zentrum steht stattdessen die strukturelle Ausbeutung der Menschen als Folge eines entmenschlichten Wirtschaftssystems. Ein wesentliches Instrument dabei ist das bewusste Erzeugen von Arbeitsüberangebot. Verzweifelte Farmer aus dem mittleren Westen werden mit falschen Informationen nach Kalifornien gelockt, wo sie sich in einem harten Konkurrenzkampf wiederfinden. Dort werden die Löhne immer mehr gesenkt und den verzweifelten Menschen bleibt keine andere Möglichkeit als das hinzunehmen. Denn es finden sich immer genug Leute, die bereit sind für noch niedrigere Löhne zu arbeiten, da sie sonst schlicht verhungern würden. Jegliches Aufbegehren wird im Keim erstickt: Die Polizei schützt vor allem die Interessen der Großgrundbesitzer und schlägt Streiks brutal nieder.</p>



<p>John Steinbeck schildert diese Ereignisse einerseits konkret anhand der Joads, andererseits aber auch über Zwischenkapitel, die das Schicksal der Migranten allgemein schildern und zeigen, wie sehr das System auch anderen, wie etwa kleinen lokalen Händlern schadet.</p>



<p>&#8222;Früchte des Zorns&#8220; ist ein unglaublich aufwühlendes Buch. Ich konnte beim Lesen diese völlige Ohnmacht gegenüber dem System spüren und die Wut und Hilflosigkeit sehr gut nachempfinden. Es gibt einzelne Lichtblicke &#8211; das ist einerseits die Menschlichkeit, die sich die Joads trotz allem bewahren, und die Solidarität, die doch immer wieder gegen alle Widerstände entsteht. Besonders hervorzuheben ist ein von der staatlichen Farm Security Administration betriebenes Camp, das der Familie zwischendurch eine Verschnaufpause verschafft. John Steinbeck schildert sehr eindrucksvoll, dass nur kollektives Handeln dazu führen kann das System zu durchbrechen &#8211; und wie deshalb von den Großgrundbesitzern eine gezielte Spaltung betrieben wird. </p>



<p>Letztendlich führt jeder Hoffnungsschimmer nur wieder zu einem neuen &#8211; und meist noch größeren &#8211; Rückschlag, was das Buch zu einer sehr schmerzhaften Lektüre macht. Trotzdem oder gerade deshalb halte ich &#8222;Früchte des Zorns&#8220; für einen Roman, den jede und jeder lesen sollte. Viele der darin geschilderten Mechanismen wie Lohndumping durch ein Überangebot an Arbeitskräften und Migration aufgrund struktureller Ungleichheit sind leider heute noch immer relevant. Gleichzeitig verleiten die mittlerweile besseren Arbeitsverhältnisse zu dem Gedanken, dass Gewerkschaften und Arbeiterbewegungen inzwischen überflüssig geworden sind. Aber John Steinbeck zeigt eindrücklich, dass soziale Gerechtigkeit keine Selbstverständlichkeit ist und wie fragil letztendlich auch alle Errungenschaften in diesem Bereich sind.</p>



<p>Fazit: Ein großartiges und wichtiges Buch, das ich allen nur ans Herz legen kann. Es ist nicht immer eine angenehme Lektüre, aber es gibt auch viele warmherzige Szenen der Menschlichkeit und der Hilfsbereitschaft, die umso stärker zur Geltung kommen und auch jetzt, fast ein Jahr später, noch immer in mir nachwirken.</p>



<p></p>



<p></p>



<p></p>
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		<title>Marianne Philips &#8211; Hochzeit in Wien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Neyasha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Feb 2024 12:52:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[erschienen bei Urachhaus Wien 1933: In der Luftbadgasse im 6. Bezirk feiern der Hausbesitzer Hodl und seine Frau goldene Hochzeit. Rund um dieses Ereignis bekommen wir einen Einblick in das Leben der sehr unterschiedlichen Menschen, die hier unter einem Dach wohnen: eine Kassierin, die unvermittelt wieder auf ihre Jugendliebe trifft, eine alternde Operndiva, die einen&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img decoding="async" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2024/02/hochzeitinwien.png" alt="" class="wp-image-12454" width="188" height="288" srcset="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2024/02/hochzeitinwien.png 353w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2024/02/hochzeitinwien-196x300.png 196w" sizes="(max-width: 188px) 100vw, 188px" /></figure></div>


<p><em>erschienen bei <a href="https://www.urachhaus.de/Fuer-die-Gluecksmomente-des-Lebens/Romane-Erzaehlungen/Hochzeit-in-Wien.html?listtype=search&amp;searchparam=philips">Urachhaus</a></em></p>



<p>Wien 1933: In der Luftbadgasse im 6. Bezirk feiern der Hausbesitzer Hodl und seine Frau goldene Hochzeit. Rund um dieses Ereignis bekommen wir einen Einblick in das Leben der sehr unterschiedlichen Menschen, die hier unter einem Dach wohnen: eine Kassierin, die unvermittelt wieder auf ihre Jugendliebe trifft, eine alternde Operndiva, die einen begabten Geiger unter ihre Fittiche nehmen möchte, zwei verarmte ehemalige Gräfinnen, die sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlagen und ein jüdischer Tempelschreiber, dessen Enkel sich in Schwierigkeiten gebracht hat.</p>



<p>Die niederländische Autorin und Politikerin Marianne Philips (1886-1951) zog 1919 als eine der ersten Frauen für die Sozialdemokratische Arbeiterpartei in einen Gemeinderat ein. 1929 und 1930 erschienen ihre ersten beiden Romane &#8222;De wonderbare genezing&#8220; und &#8222;De biecht&#8220; (&#8222;Die Beichte einer Nacht&#8220;). 1935 folgte schließlich &#8222;Bruiloft in Europa&#8220;, das damals unter dem Titel &#8222;Hochzeit in Europa&#8220; auch auf Deutsch übersetzt wurde. Zum 70jährigen Jubiläum ihres Todes erschien bei Diogenes &#8222;Die Beichte einer Nacht&#8220; in einer Übersetzung von Eva Schweikart, die 2023 auch &#8222;Hochzeit in Wien&#8220; neu übersetzte.</p>



<p>Solche Wiederentdeckungen sind immer erfreulich &#8211; und im Fall dieses Romans ganz besonders. Ich habe ja ein gewisses Faible für episodenhafte Romane und mag das oft etwas behäbigere Erzähltempo von Klassikern. Die goldene Hochzeit des Ehepaars Hodl bildet hier die Rahmenhandlung, auch wenn die Feierlichkeiten selbst eher eine Nebenrolle spielen. Vielmehr wird dadurch lediglich ein Tag festgelegt, der einen schnappschussartigen Einblick in das Leben ganz unterschiedlicher Menschen bietet. Zusammengehalten werden sie alle durch das Zinshaus in der Luftbadgasse, wobei nur ein Teil der Handlung tatsächlich in diesem Haus stattfindet. Oft heften wir uns an die Fersen einzelner Figuren und folgen ihnen auf ihrem Weg durch Wien und darüber hinaus: Wenn etwa der Jude Meyer Jonathan zum Tempel unterwegs ist oder Fräulein Goldös als Hauptkassierin in einem traditionsreichen Kaufhaus arbeitet.</p>



<p>Anhand der einzelnen Handlungsstränge gibt die Geschichte interessante Einblicke in das Wien der dreißiger Jahre und bietet durch die so unterschiedlichen Figuren auch einen gewissen Querschnitt durch die Bevölkerung der Stadt. Am stärksten in der Zeit verankert ist die Episode rund um David, den Enkel von Meyer Jonathan, der er sich zusammen mit anderen Mitgliedern einer antifaschistischen Vereinigung in eine schwierige Situation bringt. Dieser Handlungsstrang enthält die meiste äußere Spannung, er beinhaltet eine ständige düstere Vorahnung und wirft als einziger auch die Schatten der Zeit voraus. Die weiteren Episoden sind eher leichtfüßig, mitunter humorvoll, was dem Roman auch einen gewissen Wohlfühlcharakter verleiht. </p>



<p>Zu den einzelnen Figuren fand ich schnell Zugang und so hätte ich von ihnen allen gerne noch mehr erfahren. Die Geschichten von David und von Rosita Goldös kommen noch am ehesten zu einem Abschluss, während sonst manches offen bleibt. Es handelt sich eben um eine Momentaufnahme und Ende des Tages verlassen wir die Figuren ebenso mitten in ihrem Leben, wie wir am Morgen darin eingetaucht sind. Das bedeutet nicht, dass das Ende unbefriedigend ist &#8211; ich fand es auch passend für den Roman. Aber ich hätte doch von vielen Schicksalen gerne mehr erfahren und konnte so am Ende von einigen nur schwer Abschied nehmen.</p>



<p>Fazit: Ein sehr ruhig erzählter Roman, der anhand einer Reihe von Einzelschicksalen einen guten Einblick in das Leben in Wien in den 30er Jahren gibt und mich in mancher Hinsicht an &#8222;Menschen im Hotel&#8220; von Vicki Baum erinnert. Unbedingt zu empfehlen, wenn man sich an einem etwas antiquierten Schreibstil nicht stört.</p>
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		<title>Thomas Hardy &#8211; Am grünen Rand der Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Neyasha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Nov 2023 20:50:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[erschienen bei dtv Als die junge Bathsheba Everdene die Farm ihres Onkels erbt, beschließt sie diese selbst zu führen, ohne Hilfe eines Verwalters. Während sie diese Aufgabe besser meistert als alle ihr zugetraut hätten, läuft es für sie in Liebesangelegenheiten nicht so gut. Nicht weniger als drei Männer buhlen um ihre Gunst (der Schäfer Gabriel&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img decoding="async" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2023/11/gruenenrand.jpg" alt="" class="wp-image-12320" width="146" height="232" srcset="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2023/11/gruenenrand.jpg 500w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2023/11/gruenenrand-188x300.jpg 188w" sizes="(max-width: 146px) 100vw, 146px" /></figure></div>


<p><em>erschienen bei <a href="https://us06web.zoom.us/j/83775101596?pwd=rr52BZEA4aIIIcUhxPsvzfBAS6DdzP.1  Meeting-ID: 837 7510 1596 Kenncode: 885912">dtv</a></em></p>



<p>Als die junge Bathsheba Everdene die Farm ihres Onkels erbt, beschließt sie diese selbst zu führen, ohne Hilfe eines Verwalters. Während sie diese Aufgabe besser meistert als alle ihr zugetraut hätten, läuft es für sie in Liebesangelegenheiten nicht so gut. Nicht weniger als drei Männer buhlen um ihre Gunst (der Schäfer Gabriel Oak, der wohlhabende Farmer Boldwood und der verwegene Soldat Troy) und lassen sie so einige Fehlentscheidungen treffen.</p>



<p>Der britische Schriftsteller Thomas Hardy (1840-1928) siedelte eine ganze Reihe von Romanen in der fiktiven Region Wessex an, die er an seine Heimat Dorset anlehnte. Einer dieser Romane ist &#8222;Far from the Madding Crowd&#8220; von 1874, der ursprünglich als Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitung erschien. Da ich sehr gerne Klassiker aus dem 19. Jahrhundert lese, waren meine Erwartungen hoch, wurden aber nur zum Teil erfüllt.</p>



<p>Sprachlich fand ich &#8222;Am grünen Rand der Welt&#8220; sehr schön. Thomas Hardy beschreibt Landschaften und Situationen ausführlich und mit viel Beobachtungsgabe. Seine feine Ironie brachte mich oft zum Schmunzeln und verhalf der Geschichte zu einer gewissen Leichtigkeit, auch wenn die Handlungsentwicklung über weite Strecken nicht gerade optimistisch ist. Es gefiel mir auch gut, wie der Autor das Leben auf der Farm schildert. Das Erzähltempo ist ruhig, was manche vielleicht als langweilig empfinden könnten, was für mich aber eine der großen Stärken von Klassikern ist. Man kann hier so richtig schön in die Atmosphäre des ländlichen England eintauchen.</p>



<p>Womit ich bei diesem Roman aber Probleme hatte, waren die Figuren. Zu Beginn fand ich sowohl den ruhigen, pflichtbewussten Gabriel, als auch die unabhängige Bathsheba sehr sympathisch, aber im Laufe der Geschichte fand ich es immer schwieriger Bathsheba zu verstehen. Sie handelt sprunghaft und irrational, sobald es um ihre Gefühle geht, und legt dabei auch immer wieder eine Naivität an den Tag, die ich angesichts dessen, wie sie anfangs dargestellt wird, nur schwer nachvollziehen konnte. Ihr Charakter ergab für mich keinen Sinn und kam mir oft so vor, als würde Hardy einfach ein sehr verallgemeinerndes Frauenbild hineinprojizieren &#8211; nach dem Motto &#8222;die Frau, das unbekannte Wesen&#8220;. Ein paar Aussagen in dem Roman (nicht nur von Männern, sondern auch von Bathsheba selbst) gehen auch in die Richtung, dass die weibliche Seele unmöglich zu verstehen wäre. Die übrigen Frauen scheinen überhaupt kaum einen eigenen Charakter zu haben, sondern lediglich Typen zu verkörpern.</p>



<p>Und falls mir nun jemand mit dem zeitlichen Kontext kommt: <a href="https://neyasha.at/2018/06/09/lew-tolstoi-anna-karenina/">&#8222;Anna Karenina&#8220;</a> erschien 1877, also etwa zur selben Zeit, und hat vielschichtige und interessante Frauenfiguren.</p>



<p>Fairerweise muss man sagen, dass bei Hardy auch die männlichen Figuren nicht sehr viel Entwicklung durchmachen, aber sie sind doch deutlich differenzierter gezeichnet. Gabriel Oak ist der klare Sympathieträger des Romans, aber ich fand besonders Boldwood und dessen tragische Entwicklung interessant zu lesen.</p>



<p>Alles in allem habe ich &#8222;Am grünen Rand der Welt&#8220; zwar gern gelesen, hätte mir aber eine durchdachtere Charakterentwicklung von Bathsheba und weniger Generalisierungen gewünscht. Ich habe mir dann auch die Verfilmung von 2015 angeschaut und auch wenn vieles aus Zeitgründen vereinfacht und gekürzt werden musste, finde ich doch, dass in dieser Bathsheba als Person stimmiger wirkt.</p>
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		<title>Mary Shelley &#8211; Frankenstein oder Der moderne Prometheus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Neyasha]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Apr 2022 19:08:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Phantastisch]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[erscheinen beim Aureon Verlag ungekürzt; gelesen von Philipp Engelhardt Robert Walton ist auf einem Schiff in die Arktis unterwegs, als er auf einen kranken und gebrochenen Mann trifft, der auf der Suche nach jemandem ist. Auf dem Schiff erzählt der Fremde namens Viktor Frankenstein seine unglaubliche Geschichte: Wie er aus toten Körpern eine Kreatur erschuf,&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-9867 alignleft" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2022/03/frankenstein-300x300.jpg" alt="" width="191" height="191" srcset="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2022/03/frankenstein-300x300.jpg 300w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2022/03/frankenstein-150x150.jpg 150w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2022/03/frankenstein-70x70.jpg 70w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2022/03/frankenstein.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px" /><em>erscheinen beim <a href="https://aureon-verlag.de/">Aureon Verlag</a></em><br />
<em>ungekürzt; gelesen von Philipp Engelhardt</em></p>
<p>Robert Walton ist auf einem Schiff in die Arktis unterwegs, als er auf einen kranken und gebrochenen Mann trifft, der auf der Suche nach jemandem ist. Auf dem Schiff erzählt der Fremde namens Viktor Frankenstein seine unglaubliche Geschichte: Wie er aus toten Körpern eine Kreatur erschuf, die überall Abscheu erzeugte und daraufhin an ihrem Schöpfer Rache nehmen wollte.</p>
<p>&#8222;Frankenstein&#8220; ist das bekannteste Werk der englischen Schriftstellerin Mary Shelley (1797-1851). Es entstand 1816 während eines Aufenthalts am Genfer See und wurde 1818 veröffentlicht.</p>
<p><span class="cr-widget-FocalReviews" data-hook="cr-widget-FocalReviews"><span class="a-size-base review-text" data-hook="review-body">Dafür, dass ich sehr gerne Klassiker lese, hinke ich bei einigen weltberühmten Werken hoffnungslos hinterher: Obwohl mir die Geschichte von Frankenstein in ihren Grundzügen natürlich ein Begriff ist, habe ich bisher nicht nur das Buch nicht gelesen, sondern kenne auch keine einzige der vielen Filmadaptionen. Das hatte für mich den Vorteil, dass ich nicht wusste, wie sich die Handlung genau entwickeln würde.<br />
</span></span></p>
<p>Die Struktur des Romans ist ein wenig verschachtelt, da es sich um eine Erzählung in der Erzählung handelt: Robert Walton schreibt seiner Schwester einen Brief und fügt in diesen die Erzählung von Viktor Frankenstein ein, der wiederum einen Bericht aus der Perspektive der Kreatur enthält.</p>
<p>Nach dem spannungsgeladenen Beginn in der Arktis nimmt der Roman zunächst einmal das Tempo zurück, als Frankenstein von seiner Kindheit bis hin zu seiner Studienzeit erzählt. Hier wird allerdings sein Forschungsdrang schnell zur Besessenheit und führt dazu, dass er mit Toten experimentiert, bis es ihm schließlich gelingt, ein menschliches Wesen zu erschaffen. Allerdings stößt ihn die Kreatur selbst so sehr ab, dass er entsetzt aus seinem Labor flieht. Als er später wieder zurückkehrt, ist sie verschwunden und Frankenstein versucht das Erlebnis zu vergessen. Doch nach einem Todesfall in seiner Familie wird er wieder davon eingeholt. Als er die Kreatur ein weiteres Mal im Stich lässt, hat diese nur noch Rache im Sinn.</p>
<p>Ich hatte &#8222;Frankenstein&#8220; immer als Horror- oder Schauerroman im Kopf, aber obwohl er zweifellos entsprechende Züge aufweist, ist er auch erstaunlich philosophisch und gesellschaftskritisch. Die Kreatur ist nicht von Vornherein böse. Erst Viktor Frankenstein und die Gesellschaft machen sie zum Monster, indem sie sie aufgrund des abscheulichen Aussehens ausstoßen und in die Einsamkeit treiben. Trotz der Gewalttaten, die sie in der Folge begeht, hatte ich daher Mitleid mit der Kreatur, die von Anfang an nie eine Chance bekommt. Die noch verwerflichere Tat begeht Viktor Frankenstein, der sich zuerst zum Schöpfer macht und dann keinerlei Verantwortung für seine eigene Kreatur übernimmt. Robert Walton hegt zwar schnell eine tiefe Zuneigung zu Frankenstein, aber ich fand ihn mit seinem Selbstmitleid und Egoismus sehr unsympathisch. Tragischerweise sind es die Menschen in seiner Umgebung, die letztendlich für seine Tat büßen müssen.</p>
<p>Mit seinen nachdenklichen Tönen und moralischen Fragen hat mich &#8222;Frankenstein&#8220; überrascht und auch begeistert. Zwar ist manches langatmig und blumig, um nicht zu sagen schwülstig erzählt, aber dennoch hat mich der Roman sehr gefesselt. Einzig die Lesung von Philipp Engelhardt hat mich nicht ganz überzeugt; ich fand sie teilweise abgehackt und wenig nuanciert.</p>
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		<title>[Kurzrezensionen] Drei Klassiker</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Neyasha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Dec 2021 19:02:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[Leo Tolstoi &#8211; Familienglück Nach dem Tod ihrer Eltern führt Marja Alksandrovna, genannt Masa, ein langweiliges Leben auf dem Land, mit ihrer Gouvernante als einzige Gesprächspartnerin. Ihr Vormund Sergej Michajlyc bringt die sehnsüchtig erhoffte Abwechslung und allmählich entdecken die beiden ihre Gefühle füreinander. Masa gibt sich ganz ihrer Schwärmerei für Sergej hin und freut sich&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3>Leo Tolstoi &#8211; Familienglück</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-8618 alignleft" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2021/07/familienglück-201x300.jpg" alt="" width="134" height="200" srcset="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2021/07/familienglück-201x300.jpg 201w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2021/07/familienglück.jpg 335w" sizes="auto, (max-width: 134px) 100vw, 134px" />Nach dem Tod ihrer Eltern führt Marja Alksandrovna, genannt Masa, ein langweiliges Leben auf dem Land, mit ihrer Gouvernante als einzige Gesprächspartnerin. Ihr Vormund Sergej Michajlyc bringt die sehnsüchtig erhoffte Abwechslung und allmählich entdecken die beiden ihre Gefühle füreinander. <span class="cr-widget-FocalReviews" data-hook="cr-widget-FocalReviews"><span class="a-size-base review-text" data-hook="review-body">Masa gibt sich ganz ihrer Schwärmerei für Sergej hin und freut sich darauf mit der Hochzeit ihrem öden Leben zu entkommen. Doch die Ehe erweist sich als weniger aufregend als gehofft und so stürzt sie sich in Petersburg ins gesellschaftliche Leben.</span></span></p>
<p>Da mich &#8222;Anna Karenina&#8220; so begeistert hat, wollte ich unbedingt mehr von Tolstoi lesen und dieses Frühwerk von ihm klang nach einer sehr schönen Lektüre. Und das war sie auch, obwohl mir hat die kurze Erzählung nicht uneingeschränkt gefallen hat. Zunächst wird ganz wunderbar die Atmosphäre der Sommer auf dem Land eingefangen und Tolstoi beschreibt einfühlsam, wie die anfängliche Leidenschaft und Schwärmerei von Masa zunehmend Ernüchterung Platz macht. Gerade zum Ende hin war mir aber dieser Roman doch zu moralisierend. Die Beziehung zwischen einer jungen Frau und ihrem Vormund könnte man ohnehin als problematisch betrachten, aber zu Beginn scheint die Beziehung sogar noch mehr auf Augenhöhe zu sein als am Ende, wenn Masa nahezu von Sergej erwartet, dass er sie lenkt und leitet. Die Zeitlosigkeit und fast schon Aktualität, die mich an &#8222;Anna Karenina&#8220; so begeistert hat, ist hier jedenfalls nicht zu spüren. Trotzdem ein schöner, sehr stiller Klassiker.</p>
<h3>Stefan Zweig &#8211; Schachnovelle</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-9043 alignleft" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2021/10/schachnovelle-194x300.jpg" alt="" width="130" height="201" srcset="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2021/10/schachnovelle-194x300.jpg 194w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2021/10/schachnovelle.jpg 250w" sizes="auto, (max-width: 130px) 100vw, 130px" /> Über zehn Jahre nach Abschluss meines Germanistik-Studiums habe ich nun endlich ein Werk von Stefan Zweig gelesen &#8211; das war aber auch an der Zeit! Für den Zweig-Einstieg habe ich mit der &#8222;Schachnovelle&#8220; gleich sein bekanntestes Buch gewählt, das nun auch aktuell verfilmt wurde. Es handelt sich dabei um Zweigs letztes Werk, das er zwischen 1938 und 1941 im brasilianischen Exil geschrieben hat.</p>
<p>In dieser kurzen Novelle trifft der Ich-Erzähler während einer Schiffreise auf den Schachweltmeister Czentovic, der von anderen Passagieren herausgefordert wird. Während einer der Partien mischt sich ein weiterer Passagier in das Geschehen ein, der alle Züge von Czentovic vorauszusehen scheint. <span class="cr-widget-FocalReviews" data-hook="cr-widget-FocalReviews"><span class="a-size-base review-text" data-hook="review-body">Später erfährt der Ich-Erzähler, unter welchen Umständen der Fremde sich das Schachspielen beigebracht hat. </span></span>In dieser Binnenhandlung, die den eigentlich Kern der Erzählung darstellt, wird die erschütternde Geschichte einer politischen Gefangenschaft während des Zweiten Weltkriegs geschildert, bei der der Gefangene auf unmenschliche Weise zum Reden gebracht werden soll.</p>
<p>Eine sehr eindringliche und einfühlsame Geschichte, knapp und präzise erzählt. Ich bin auch neugierig auf die filmische Umsetzung, zumal ich mir kaum vorstellen kann, wie sie als Film funktionieren soll.</p>
<h3>Daphne du Maurier &#8211; Jamaica Inn</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-9317 alignleft" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2021/12/jamaicainn-186x300.jpg" alt="" width="130" height="210" srcset="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2021/12/jamaicainn-186x300.jpg 186w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2021/12/jamaicainn.jpg 338w" sizes="auto, (max-width: 130px) 100vw, 130px" /> Nach dem Tod ihrer Mutter zieht Mary Yellan von der heimatlichen Farm in das unwirtliche Moor von Cornwall. Ihre Tante Patience und ihr Onkel Joss leben hier im Jamaica Inn, das einst ein angesehenes Gasthaus war, um das aber nun alle einen weiten Bogen machen. In manchen Nächten tummeln sich hier zwielichtige Gestalten, die dunklen Geschäften nachgehen &#8211; und gegen ihren Willen wird Mary mehr und mehr in diese verstrickt.</p>
<p>&#8222;Jamaica Inn&#8220; ist ein sehr atmosphärischer Roman mit einer sympathischen und tatkräftigen Heldin. Obwohl von Anfang an ein starkes Gefühl der Bedrohung über dem Gasthaus liegt und die Stimmung teilweise sehr bedrückend ist, vermittelt die Geschichte auch viel Ruhe und Schönheit. Das liegt unter anderem auch an den wundervollen Beschreibungen des winterlichen Moores, das zwar düster und unwirtlich ist, Mary aber dennoch ans Herz wächst. Zum Ende hin wird es dann richtig actionreich und dank Jem, dem jüngeren Bruder von Joss, kommt auch ein wenig Romantik mit ins Spiel.</p>
<p>Für mich kann &#8222;Jamaica Inn&#8220; zwar nicht ganz mit &#8222;Rebecca&#8220; und &#8222;Meine Cousine Rachel&#8220; mithalten, aber ich finde es dennoch sehr empfehlenswert &#8211; und genau das richtige für den Spätherbst oder Winter.</p>
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		<title>Tarjei Vesaas &#8211; Das Eis-Schloss</title>
		<link>https://neyasha.at/2021/04/16/tarjei-vesaas-das-eis-schloss/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Neyasha]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Apr 2021 16:45:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[erschienen bei Guggolz Die elfjährige Siss wohnt in einem kleinen norwegischen Dorf und ist in ihrer Klasse die Anführerin, zu der die anderen aufschauen. Nur Unn, die nach dem Tod ihrer Eltern ins Dorf gekommen ist, um bei ihrer Tante zu leben, hat kein Interesse an Siss und den anderen Mädchen. Bis sie schließlich Siss&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-8173 alignleft" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2021/03/eisschloss-184x300.jpg" alt="" width="141" height="230" srcset="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2021/03/eisschloss-184x300.jpg 184w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2021/03/eisschloss.jpg 471w" sizes="auto, (max-width: 141px) 100vw, 141px" /> <em>erschienen bei <a href="https://www.guggolz-verlag.de/das-eis-schloss">Guggolz</a></em></p>
<p>Die elfjährige Siss wohnt in einem kleinen norwegischen Dorf und ist in ihrer Klasse die Anführerin, zu der die anderen aufschauen. Nur Unn, die nach dem Tod ihrer Eltern ins Dorf gekommen ist, um bei ihrer Tante zu leben, hat kein Interesse an Siss und den anderen Mädchen. Bis sie schließlich Siss zu sich einlädt und sich eine erste zarte Freundschaft entwickelt. Doch unmittelbar darauf verschwindet Unn spurlos und Siss muss versuchen, mit diesem Verlust klarzukommen.</p>
<p>Tarjei Vesaas, 1897 in der Telemark geboren, war einer der bekanntesten norwegischen Schriftsteller und wurde mehrmals für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Diesen hat er zwar nie erhalten, dafür aber 1964 den Preis des Nordischen Rats, den wichtigsten Literaturpreis Skandinaviens, für &#8222;Das Eis-Schloss&#8220;. In Norwegen gehört dieser Roman zur Schullektüre, aber bei uns war er nahezu vergessen, bis 2019 eine Neuübersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel erschien.</p>
<p>Bei dem titelgebenden Eis-Schloss handelt es sich um einen gefrorenen Wasserfall, der ein faszinierendes Gebilde aus Türmen, Gängen und Kammern bildet und Unn in seinen Bann zieht. Alle ahnen, dass Unn irgendwo beim Eis-Schloss verschwunden ist, aber weshalb sie hier war und was genau passiert ist, weiß niemand. Siss, die am Abend zuvor bei ihr war und dabei von Unn die Andeutung eines Geheimnisses erfahren hat, steht auf einmal im Zentrum der Aufmerksamkeit: Weiß sie etwas? Was hat Unn ihr erzählt?</p>
<p>Die drängenden Fragen, die Trauer um den Verlust, aber auch das Gefühl, sie müsste ein Geheimnis bewahren &#8211; das alles wird für Siss zuviel und sie isoliert sich von den anderen Kindern, verliert sich ganz in der Erinnerung an Unn.</p>
<p>Tarjei Vesaas bleibt in seiner Erzählung die meiste Zeit ganz dicht an Siss und taucht tief in ihre Gefühle und ihre Gedankenwelt ein. Daneben beschreibt er auch, wie die Dorfgemeinschaft mit dem Verlust und mit Siss&#8216; Trauer umgeht. Das sehr anschaulich beschriebene Eis-Schloss dient dabei natürlich auch als Metapher für die Isolation und innere Kälte von Siss, in der sie sich gefangen fühlt. Dementsprechend kann sie auch erst dann allmählich wieder in ihr Leben zurückfinden, als im Frühling das Eis-Schloss zu schmelzen beginnt und einstürzt.</p>
<p>Ich fand &#8222;Das Eis-Schloss&#8220; sehr interessant zu lesen. Es ist eine sehr symbolreiche Geschichte in einer klaren Sprache, die sowohl die eisige Kälte des Winters als auch die innere Kälte in Siss perfekt einfängt. Obwohl der Schreibstil so schnörkellos und präzise ist, wirkt er wie Poesie und schlichte Handlung erlaubt es auch, dass man sich beim Lesen ganz auf die Sprache einlässt. Womit ich nicht sagen möchte, dass die eigentliche Handlung uninteressant wäre, denn das ist sie ganz und gar nicht. Ich fand es sehr spanennd, von der beginnenden Freundschaft der Mädchen, dem Verschwinden von Unn und dem Umgang von Siss mit dem Verlust zu lesen. Dass dieser Roman in Norwegen als Klassiker gilt, wundert mich keineswegs. Schön, dass er jetzt auch auf Deutsch in einer neuen Ausgabe vorliegt!</p>
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		<title>Sigrid Undset &#8211; Viga-Ljot und Vigdis</title>
		<link>https://neyasha.at/2019/11/19/sigrid-undset-viga-ljot-und-vigdis/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Neyasha]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Nov 2019 20:01:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturnobelpreis]]></category>
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					<description><![CDATA[erschienen bei Hoffmann und Campe &#160; Als der junge Isländer Ljot mit seinem Ziehvater nach Norwegen reist, lernt er dort Vigdis, die Tochter eines reichen und angesehenen Bauern kennen. Die beiden verlieben sich ineinander, aber Vigdis schreckt zugleich vor Ljots unbeherrschter Art zurück. Doch Ljot will nicht länger auf sie warten und vergewaltigt sie &#8211;&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6293 alignleft" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/11/viga-ljot-184x300.jpg" alt="" width="147" height="240" srcset="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/11/viga-ljot-184x300.jpg 184w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/11/viga-ljot.jpg 306w" sizes="auto, (max-width: 147px) 100vw, 147px" /> <em>erschienen bei <a href="http://www.hoffmann-und-campe.de/buch-info/viga-ljot-und-vigdis-buch-11899/">Hoffmann und Campe</a></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Als der junge Isländer Ljot mit seinem Ziehvater nach Norwegen reist, lernt er dort Vigdis, die Tochter eines reichen und angesehenen Bauern kennen. Die beiden verlieben sich ineinander, aber Vigdis schreckt zugleich vor Ljots unbeherrschter Art zurück. Doch Ljot will nicht länger auf sie warten und vergewaltigt sie &#8211; eine Tat, die fortan ihrer beider Leben beeinflusst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sigrid Undset, die 1882 geborene norwegische Schriftstellerin, ist vor allem durch ihren dreibändigen Roman <i>Kristin Lavranstochter</i> bekannt, für den sie 1928 den Literaturnobelpreis erhielt. Da Norwegen dieses Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse war, wurde nun ihr Erstlingswerk <em>Viga-Ljot und Vigdis</em> von Gabriele Haefs neu übersetzt.</p>
<p>Es handelt sich bei diesem Roman, der wohl um das 10. Jh. herum angesiedelt ist, nicht um einen gängigen historischen Roman, denn die Autorin hat diesen im Stil einer altisländischen Saga verfasst. Wer schon länger auf meinem Blog mitliest, kann sich vielleicht noch daran erinnern, dass ich vor Jahren für meine (mittlerweile abgebrochene) Dissertation Unmengen von <a href="https://neyasha.at/2013/02/05/islandersagas-bauern-prugeln-sic/">Isländersagas gelesen habe</a>. Ich bin mit dem Genre also ganz gut vertraut und fand es beeindruckend, wie gut Sigrid Undset den Stil der Sagas einfängt. Die Erzählweise ist schlicht und nüchtern, aber dennoch sehr bildreich; die Figuren werden vor allem durch Handlungen und Dialoge charakterisiert. Auch die Themen rund um Handelsreisen, Familienfehden und Racheschwüre sind sehr typisch für Sagas.</p>
<p>Ganz im Mittelpunkt der Handlung stehen Ljot und Vigdis, deren Geschichte zunächst romantisch beginnt, dann aber schnell ins Gegenteil umschlägt. Vigdis, die sich zu dem gutaussehenden jungen Mann hingezogen fühlt, wird unsicher, als Ljot sich bei einem Vorfall sehr jähzornig und arrogant verhält. Ljot wiederum, der sich ihrer schon sicher war, will ihre Ablehnung nicht akzeptieren und glaubt, dass er sie durch die Vergewaltigung zu einer Heirat zwingen kann. Aber Vigdis nimmt lieber die Folgen einer unehelichen Schwangerschaft auf sich und schwört Ljot Rache.</p>
<p>Sigrid Undset spricht in diesem Roman sehr moderne Themen an &#8211; es geht um Selbstbestimmung, um einen Mann, der die Zurückweisung einer Frau nicht akzeptieren will und auch um die persönlichen und gesellschaftlichen Folgen einer Vergewaltigung. Interessant finde ich die doppelt historische Ebene: Undset verlegt die Geschichte ins frühe Mittelalter, schreibt selbst aus der Sicht vom Beginn des 20. Jahrhunderts und dennoch behandelt sie darin Fragen, die heute noch relevant sind.</p>
<p>Zudem schildert die Autorin sehr eindrucksvoll, wie Ljot mit seiner Tat ihrer beider Leben zerstört. Vigdis ist fortan von Hass und den Gedanken nach Rache erfüllt, lehnt zunächst ihren Sohn ab und legt dann ihm die Bürde der Rache auf. Ljots Leben ist hingegen von Schuldgefühlen und Gedanken an Vigdis bestimmt; er findet in Island in seiner Ehe kein Glück und lässt sich immer wieder von seinem gekränkten Ego zu unbedachten Taten verleiten, die zu seinem sozialen Abstieg führen.</p>
<p>Ich fand &#8222;Viga-Ljot und Vigdis&#8220; sehr faszinierend zu lesen. Es ist eine düstere und traurige Geschichte, die sich stimmig in die erzählte Zeit einfügt, aber dennoch in vielen Aspekten zeitlos wirkt. Mich hat außerdem sehr beeindruckt, wie gut Sigrid Undset den Stil der Sagas einfängt. Einen modern erzählten Roman darf man daher nicht erwarten, aber gerade das macht den Reiz dieses Buches aus und ich bin froh, dass es im Zuge des Gastlandauftrittes nun wieder entdeckt wurde.</p>
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		<title>Iain Crichton Smith &#8211; Consider the Lilies</title>
		<link>https://neyasha.at/2019/08/10/iain-crichton-smith-consider-the-lilies/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Neyasha]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Aug 2019 16:46:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[erschienen bei Orion Publishing &#160; Schottland im frühen 19. Jh.: Nachdem ihr Mann gestorben und ihr Sohn nach Kanada ausgewandert ist, führt die 70jährige Mrs Scott ein ruhiges, aber einsames Leben in den Highlands. Bis eines Tages ein Mann vor ihrer Tür steht, der ihr erklärt, dass ihr Haus, in dem sie ihr ganzes Leben&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/08/schottland_sub3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6024 alignleft" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/08/schottland_sub3-227x300.jpg" alt="" width="151" height="200" srcset="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/08/schottland_sub3-227x300.jpg 227w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/08/schottland_sub3.jpg 605w" sizes="auto, (max-width: 151px) 100vw, 151px" /></a> <em>erschienen bei <a href="https://www.orionbooks.co.uk/titles/iain-crichton-smith/consider-the-lilies/9781474611824/">Orion Publishing</a></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Schottland im frühen 19. Jh.: Nachdem ihr Mann gestorben und ihr Sohn nach Kanada ausgewandert ist, führt die 70jährige Mrs Scott ein ruhiges, aber einsames Leben in den Highlands. Bis eines Tages ein Mann vor ihrer Tür steht, der ihr erklärt, dass ihr Haus, in dem sie ihr ganzes Leben verbracht hat, abgerissen wird, um Platz für Schafweiden zu schaffen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Iain Crichton Smith, 1928 in Glasgow geboren, ist vor allem für seine englische und gälische Lyrik bekannt. 1968 veröffentlichte er die Novelle &#8222;Consider the Lilies&#8220;, die mittlerweile als schottischer Klassiker gilt. Hintergrund der Geschichte sind die Highland Clearances, bei denen vom späten 18. Jh. bis zum Ende des 19. Jh.s die ansässige Bevölkerung aus den schottischen Highlands vertrieben wurde, um Gusherren aus England und den schottischen Lowlands hier die Schafzucht zu ermöglichen.</p>
<p>Bei Smith geht es aber nicht vordergründig um die Clearances an sich, sondern vor allem um die Geschichte und Charakterentwicklung von Mrs Scott. Als alte und nicht sehr gebildete Frau, die sich ihr ganzes Leben lang (religiösen) Autoritäten unterordnete, ist sie eine etwas sperrige Protagonistin. Ich fand es beeindruckend, wie anschaulich Smith ihre Gefühlswelt darstellt. Gleich das erste Kapitel, als sie erfährt, dass sie ihr Haus verlassen muss, ist in der Hinsicht sehr faszinierend: Auf der einen Seite ist da der ungeduldige Patrick Sellar, der möglichst schnell die unliebsame Angelegenheit hinter sich bringen möchte, auf der anderen Seite ist da Mrs Scott, die von der Situation völlig überfordert ist und gar nicht versteht, wovon er spricht.</p>
<p>Dieses Machtgefälle sorgte dafür, dass ich sofort Sympathie und Verständnis für Mrs Scott hatte, obwohl man dann sowohl in Rückblicken als auch der gegenwärtigen Handlung merkt, dass es sich bei ihr um keine sehr liebenswerte Person handelt. Sie ist schnell dabei, die Menschen um sie herum zu be- und verurteilen (auch jene, die ihr nahestehen) und sie ist auf eine engstirnige Weise gläubig und unterwürfig. Als ihr klar wird, dass sie gerade von denen, zu denen sie bisher so ehrfürchtig aufgeschaut hat, keine Unterstützung zu erwarten hat und sie stattdessen Hilfe von unerwarteter Seite bekommt, führt sie das in eine Glaubenskrise. Sie wird gezwungen, nicht nur ihren Glauben, sondern auch ihre Moralvorstellungen und Vorurteile zu überdenken &#8211; und entwickelt sich dabei persönlich weiter. Es mag vielleicht nicht ganz realistisch sein, in was für einem kurzen Zeitraum das geschieht, aber alles andere hätte nicht zur Struktur dieser Geschichte gepasst.</p>
<p>Mrs Scotts Entwicklung führt dazu, dass das Buch mit einer positiven Note endet und man es mit einem guten Gefühl zuklappt. Nichtsdestotrotz wird deutlich,wie ungerecht die Clearances großteils verliefen und welch verheerende Auswirkungen sie auf die Menschen der Highlands hatten.</p>
<p>Ich kann &#8222;Consider the Lilies&#8220; sehr empfehlen. Es ist eine schlichte Erzählung mit mehr innerer als äußerer Handlung, aber ich fand sie gut zu lesen und sowohl im Hinblick auf die Clearances als auch als Charakterstudie sehr interessant.</p>
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		<title>[Kurzrezensionen] Von Italien, Norwegen und der Antarktis</title>
		<link>https://neyasha.at/2019/06/23/kurzrezensionen-von-italien-norwegen-und-der-antarktis/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Neyasha]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Jun 2019 19:33:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gegenwartsliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[#WirLesenFrauen]]></category>
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					<description><![CDATA[Elizabeth von Arnim &#8211; The Enchanted April Der Roman &#8222;The Enchanted April&#8220; der britischen Schriftstellerin Elizabeth von Arnim erschien 1922 und wurde 1991 verfilmt. Es geht darin um vier Londoner Frauen, die Anfang der 1920er Jahre eine Villa am Golf von Genua mieten, um der grauen englischen Tristesse zu entkommen und jede auf ihre Weise&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3>Elizabeth von Arnim &#8211; The Enchanted April</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-5979 alignleft" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/06/april.jpg" alt="" width="156" height="250"></p>
<p>Der Roman &#8222;The Enchanted April&#8220; der britischen Schriftstellerin Elizabeth von Arnim erschien 1922 und wurde 1991 verfilmt. Es geht darin um vier Londoner Frauen, die Anfang der 1920er Jahre eine Villa am Golf von Genua mieten, um <span class="cr-widget-FocalReviews" data-hook="cr-widget-FocalReviews"><span class="a-size-base review-text" data-hook="review-body"><span class="">der grauen englischen Tristesse</span></span></span> zu entkommen und jede auf ihre Weise Abstand von den (Ehe-)Männern zu bekommen.</p>
<p>Ich bin dieses Jahr bei der Suche nach passender &#8222;Frühlingslektüre&#8220; zufällig auf diesen Klassiker gestoßen, von dem ich ehrlich gesagt noch nie zuvor gehört hatte. Umso mehr freut es mich, dass ich ihn nun entdeckt habe, denn es handelt es sich um einen ganz wunderbaren humorvollen, warmherzigen und leichtfüßigen Roman. Im Mittelpunkt stehen die vier so unterschiedlichen Frauen, die anfangs nichts außer der gemeinsamen Unterkunft verbindet. Und es scheint zunächst auch, als könnte die Zweckgemeinschaft nicht funktionieren &#8211; zu viele Reibungspunkte gibt es zwischen den vieren und den Männern, die nicht lange fern bleiben. Aber dank der ganz besonderen Atmosphäre der italienischen Villa und den Bemühungen der naiven, aber liebenswerten Lotty Wilkins entwickeln sich allmählich Freundschaften. Witzige Situationen, der gemächliche Erzählton und das Happy End machen das Buch zu einer echten Wohlfühllektüre. Der Realismus mag vielleicht manches Mal etwas auf der Strecke bleiben, aber ich hatte meine wahre Freude mit dem Roman.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Julia Fellinger &#8211; Ein Jahr in Norwegen</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-5980 alignleft" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/06/einjahrinnorwegen.jpg" alt="" width="159" height="250"></p>
<p>Nach Norwegen auszuwandern, stand eigentlich nicht auf Julia Fellingers Plan. Aber als ihrem Lebenspartner zunächst für ein Jahr eine Stelle als Landarzt in einer kleinen Ortschaft am Sognefjord (Südwestnorwegen) angeboten wird, bricht sie gemeinsam mit ihm in den Norden auf.</p>
<p>In diesem recht kurzen Buch schildert sie ihre positiven und negativen Erfahrungen mit Norwegen, vermittelt einen guten Eindruck vom dortigen Lebensgefühl und zieht Vergleiche zu Deutschland. Vieles hat mich an mein eigenes Auslandssemester in Norwegen erinnert, auch wenn natürlich zwischen einem kleinen Dorf am Fjord und Oslo Welten liegen. Ich fand das Buch sehr nett zu lesen &#8211; es liest sich quasi wie im Flug weg, ist unterhaltsam geschrieben und enthält auch einiges an Selbstreflexion. Aufgrund der Kürze bleibt es aber doch sehr an der Oberfläche und wirkt stellenweise etwas sprunghaft. Ich hätte mir manchmal tiefere Einblicke und einen weniger episodenhaften Aufbau gewünscht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Anne von Canal &#8211; Whiteout</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" wp-image-5981 alignleft" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/06/whiteout-183x300.jpg" alt="" width="153" height="251" srcset="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/06/whiteout-183x300.jpg 183w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/06/whiteout.jpg 305w" sizes="auto, (max-width: 153px) 100vw, 153px" /> Die Klimaforscherin Hanna befindet sich gerade in der Antarktis, als sie von ihrem Bruder die kurze Nachricht &#8222;Lieber Amundsen, Scott ist tot. Melde dich, Wilson&#8220; erhält. Mit einem Schlag wird sie zurück katapultiert in die Vergangenheit, als sie und ihr Bruder gemeinsam mit ihrer besten Freundin Fido Polarexpeditionen nachspielten und die ganze Freizeit miteinander verbrachten &#8211; bis ganz plötzlich der Kontakt abbrach. Während Hanna von ihren Erinnerungen eingeholt wird, hat sie in der Gegenwart mit Spannungen im Forscherteam und Schneestürmen zu kämpfen.</p>
<p>Antarktis, Polarforschung, die Geschichte einer Freundschaft &#8211; es klang, als wäre dieser Roman wie für mich geschrieben. Leider konnte er mich aber nicht überzeugen. Ich fand ihn zwar streckenweise sehr fesselnd und den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart reizvoll, aber mir war nicht ganz klar, worauf der Roman überhaupt hinauswollte. Ich konnte auch das Verhalten der Figuren oft nicht nachvollziehen und fand besonders Hanna in der Gegenwart sehr anstrengend; manchmal sogar hochgradig unprofessionell. Am Ende wird man dann mehr oder weniger in der Luft hängengelassen. Ich habe an sich nichts gegen offene Enden, aber hier habe ich das Buch sehr ratlos und unbefriedigt zugeklappt. Schade, denn von den Themen her fand ich den Roman sehr interessant &#8211; aber die Umsetzung war leider nicht mein Fall.</p>
]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Nevil Shute &#8211; A Town Like Alice</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Neyasha]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 May 2019 12:46:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Klassiker]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[erschienen bei Penguin Random House (andere Ausgabe als meine) &#160; Jean Paget ist eine junge Engländerin, die während der japanischen Besetzung in British Malaya arbeitet. Zusammen mit einer Gruppe von Frauen und Kindern wird sie zu einem kilometerlangem Marsch gezwungen, um ein Gefangenenlager zu erreichen, das sie aufnehmen kann. Als sie einige Jahre später in&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-5894 alignleft" src="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/05/townalice-211x300.jpg" alt="" width="175" height="249" srcset="https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/05/townalice-211x300.jpg 211w, https://neyasha.at/wp-content/uploads/2019/05/townalice.jpg 281w" sizes="auto, (max-width: 175px) 100vw, 175px" /> <em>erschienen bei <a href="https://www.penguinrandomhouse.com/books/166585/a-town-like-alice-by-nevil-shute/9780307474001">Penguin Random House</a><br />
(andere Ausgabe als meine)</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<section class="overview">Jean Paget ist eine junge Engländerin, die während der japanischen Besetzung in British Malaya arbeitet. Zusammen mit einer Gruppe von Frauen und Kindern wird sie zu einem kilometerlangem Marsch gezwungen, um ein Gefangenenlager zu erreichen, das sie aufnehmen kann. Als sie einige Jahre später in London als Sekretärin arbeitet, erbt sie überraschend eine hohe Summe Geld. Sie beschließt, das Geld dafür zu nutzen, um einem malayischen Dorf zu helfen, das sie damals während der Gefangenschaft unterstützt hat. Von dort führt sie ihr Weg nach Australien, wo sie sich auf die Suche nach einem australischen Soldaten macht, der ihr während des Kriegs geholfen hat &#8211; und wo sie aus einer trostlosen Ortschaft im Outback eine blühende Stadt wie Alice Springs machen möchte.</p>
<p>&#8222;A Town Like Alice&#8220; ist 1950 erschienen und wurde schnell zu einem Bestseller; der Roman befand sich auch 2003 noch auf Platz 37 der <a href="https://neyasha.at/2011/11/11/100-books/">BBC 100 Books Liste</a>. Das war auch der Grund, weshalb ich vor beinahe zwei Jahren zugegriffen habe, als ich das Buch in einem Antiquariat in Hay-on-Wye entdeckt habe, allerdings hatte ich dann keine rechte Lust es auch tatsächlich zu lesen. Völlig zu Unrecht, wie ich feststellen musste, als ich es in diesem Jahr endlich von seinem SuB-Dasein befreite, denn es ist ein sehr lesenswerter Roman.</p>
<p>Er ist insofern interessant und auch ungewöhnlich aufgebaut, weil er großteils aus der Sicht von Jeans Treuhänder Noel Strachnan erzählt wird, der sie zu Beginn des Romans von der Erbschaft informiert. Ihm erzählt Jean dann in Rückblicken von ihrer Zeit in Malaya. Zu diesem Handlungsstrang wurde Nevil Shute von einer wahren Geschichte inspiriert, und zwar von einem Bericht über eine Gruppe von niederländischen Frauen und Kindern, die im zweiten Weltkrieg in Sumatra über 1000 Meilen von Ort zu Ort getrieben wurden. Später stellte sich heraus, dass er diese Geschichte falsch verstanden hatte, weil die Frauen in Wahrheit nicht gehen mussten, sondern von den Japanern transportiert wurden. Das ändert aber nichts daran, dass Shute den Marsch von Jean und den anderen Frauen sehr eindringlich beschreibt. Obwohl klar ist, dass Jean alles überlebt und nach England zurückkehren wird, hat mich dieser Part sehr gefesselt.<span id="reviewTextContainer556217239" class="readable"><span id="freeText9916458293876902528"></span></span></p>
<p>Dennoch hat mir persönlich der letzte Teil am besten gefallen, als Jean es sich in den Kopf setzt, aus dem kleinen Willstown ein zweites Alice Springs zu machen. Shute beschreibt das Leben im australischen Outback so anschaulich und es ist faszinierend zu beobachten, wie eins zum anderen führt und immer mehr Leute in die Stadt kommen.</p>
<p>Die beiden Teile mögen vielleicht inhaltlich seltsam voneinander getrennt erscheinen, aber der Marsch durch Malaya nimmt bereits vorweg, was Jean später in Willstown so erfolgreich macht: ihre Anpassungsfähigkeit, ihr Optimismus, ihr innerer Antrieb etwas &#8222;zu tun&#8220;, anzupacken. Und obwohl ich Jean sehr mochte, liegt hierin doch meiner Ansicht nach eins der Probleme des Romans. Sie ist ein wenig zu perfekt, ihr scheint alles zu gelingen und ein paar Schwächen hätten sie zu einer deutlich runderen Figur gemacht.</p>
<p>Mein zweiter Kritikpunkt ist, dass der Roman doch recht klar ein Kind seiner Zeit ist, wenn es um Kolonialismus, Frauenbild und Verhalten gegenüber Aborigines geht. Zwar wird damit stellenweise auch ironisch gespielt und durch Jeans sehr offenen und &#8222;modernen&#8220; Charakter klingt auch öfter eine leise Kritik durch, aber gleichzeitig ist sie, die Engländerin, die einen Brunnen in einem malayischen Dorf baut und eine australische Ortschaft zum Aufblühen bringt, selbst eine Vertreterin des Kolonialismus. Und ja, was sie schafft und aufbaut ist positiv, nichtsdestotrotz aber etwas herablassend.</p>
<p>Ich würde auch den Erzählstil des Romans eher als altmodisch bezeichnen &#8211; es wird viel beschrieben und erzählt, oft sorgt Strachnans Perspektive für eine gewisse Distanz und das Tempo ist streckenweise gemächlich. Mich persönlich hat das überhaupt nicht gestört, ich fand den Roman sehr schön zu lesen, aber ich kann mir vorstellen, dass das nicht jedermanns Fall ist.</p>
<p>Ich kann aber &#8222;A Town Like Alice&#8220; trotz seiner Schwachstellen sehr empfehlen, besonders aufgrund der historischen und geografischen Beschreibungen, die sowohl British Malaya in den 40er als auch Australien in den 50er Jahren zum Leben erwecken. Und auch wenn es Jean an charakterlicher Tiefe und Entwicklungspotenzial fehlen mag, ist sie eine so positive Figur, dass es einfach guttut über sie zu lesen.</p>
</section>
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