
erschienen bei Penguin Random House
Tao ist eine Wahrsagerin, die mit ihrem Maultier von Dorf zu Dorf zieht, um kleine Zukunftsereignisse vorherzusagen. Große Visionen meidet sie, seit eine solche ihr eigenes Leben nachhaltig verändert hat. Als sie den ehemaligen Söldner Mash kennenlernt, der nach seiner verschwundenen Tochter sucht, ändert sich ihr einsames Leben. Gemeinsam mit Mash und seinem Freund Silt, einem ehemaligen Dieb, begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise.
Mir ist dieser Roman bei Soleil von Verlorene Werke untergekommen, wo mich vor allem das zauberhafte Cover angesprochen hat. Und da cozy fantasy nach etwas klang, das absolut mein Beuteschema sein müsste, habe ich gleich darauf in der Bibliothek „zugeschlagen“.
„The Teller of Small Fortunes“ ist so charmant, wie es bereits auf dem ersten Blick wirkt. Es geht nicht um große Schlachten oder epische Magie, sondern vor allem um die Beziehungen zwischen den Figuren. Ich mag ja „found family“ Geschichten ohnehin sehr gern und Julie Leong setzt das hier richtig schön um. Für Tao ist es nicht so leicht, andere Menschen in ihr Leben zu lassen, aber gerade deshalb fand ich das Wachsen der Freundschaften und die Entwicklung der Gruppe so schön.
Ich mochte die gemütliche Atmosphäre, den Humor und all die kleinen Details rund ums Wahrsagen, Reisen und Backen sehr gern. Julie Leong behandelt aber auch ernstere Themen wie Verlust, Ausgrenzung und Selbstfindung und die Gruppe wird schließlich in größere Ereignisse wie etwa einen drohenden Krieg mit Taos Heimatland hineingezogen. Und hier liegt nun auch mein Kritikpunkt an dem Roman. Denn diese größeren Konflikte, die aufgeworfen werden, werden meiner Meinung nach zu schnell und einfach gelöst. An diesen Stellen wirkt der sonst ruhige Roman fast schon gehetzt. Mir hätte es besser gefallen, wenn Julie Leong mehr bei den Figuren und ihren persönlichen Problemen geblieben wäre. Die großen Plotpunkte, die sie vor allem im letzten Drittel aufbringt, passen eigentlich gar nicht zur gemütlichen Atmosphäre und vielleicht stellt sie diese deshalb so oberflächlich dar. Aber für mich ergibt sich dadurch eine gewisse Diskrepanz, die mich aus der Geschichte gerissen hat. Besser hätte ich es gefunden, wenn sie sich eher auf die kleinen Momente und persönlichen Probleme konzentriert und diese dafür mit mehr Tiefe behandelt hätte.
Alles in allem eine warmherzige Geschichte rund um Freundschaft und Zusammenhalt, die sich gut und leicht lesen lässt. Die größeren Konflikte, die vor allem zum Ende hin hinzukommen, haben für mich aber nicht recht hineingepasst und wurden mir zu schnell abgehandelt. Ich weiß nicht, ob das etwas ist, was in diesem Subgenre typisch ist, aber ich möchte nun gern noch mehr cozy fantasy lesen, um das herauszufinden.