In letzter Zeit hatte ich wieder nicht die beste Lesekonzentration, was dazu geführt hat, dass ich einige Krimis und Thriller gelesen habe. Spannungsromane funktionieren für mich oft am besten, wenn in meinem Kopf Unruhe herrscht.
Lenz Koppelstätter – Das Schimmern am Berg

Nachdem mir der vorige Grauner-Krimi sehr gut gefallen hat, hat mich der 10. Band aus der Reihe nun eher enttäuscht. Dabei ist der Schauplatz sehr interessant: Es geht um einen Leichenfund im Marmorsteinbruch von Laas. Grauner muss dieses Mal mit Staatsanwalt Belli ermitteln, da Saltapepe und Tappeiner zusammen in den USA im Urlaub sind. Das Gespann Grauner und Belli fand ich dabei ganz amüsant, zumal Belli noch ein bisschen Charakterentwicklung bekommt. Grauner tritt hingegen seit etlichen Bänden auf der Stelle und seine Liebe zu seinen Kühen und zur Musik von Mahler werden mittlerweile schon ermüdend oft betont.
Der Fall selbst hat einige spannende Aspekte zu bieten, stellt allerdings auf eine etwas plumpe Art und Weise Verknüpfungen nach New York her, wo Saltapepe und Tappeiner nun zu ermitteln beginnen. Dabei entwickelt sich ein gefährliches Gangsterspiel, das ich aber auch eher mühsam fand. Wenn eine Krimireihe permanent ihre Ermittler in Lebensgefahr bringen muss, um die Spannung zu halten, ist das für mich kein gutes Zeichen. Meiner Meinung nach leider einer der schwächsten Bände der Reihe.
Ulf Kvensler – Der Ausflug

Diesen Thriller des schwedischen Schriftstellers Ulf Kvensler habe ich beim letzten gemeinsamen Lesetag mit meiner Nichte in einem Zug ausgelesen. Die Anwältin Anna, ihr Verlobter Henrik und ihre beste Freundin Milena planen schon seit längerem eine mehrtägige Wandertour. Erst im letzten Moment stößt noch Jakob zur Gruppe und überredet alle zu einer Änderung der Route. Statt auf den gut ausgebauten Kungsleden geht es nun in den einsamen Nationalpark Sarek. Hier stoßen nicht nur ein paar aus der Gruppe an ihre körperlichen Grenzen, sondern es kommt auch zu Unstimmigkeiten zwischen den Freunden.
Der Roman beginnt damit, dass Anna verletzt und unterkühlt gefunden wird. Die Ereignisse werden nun aus der Ich-Perspektive von Anna rückblickend erzählt; immer wieder unterbrochen durch ihre Zeugenvernehmung im Krankenhaus. Das baut natürlich viel Spannung auf, da man sich die ganze Zeit fragt, was genau zu so einem Ausgang geführt hat und was mit den anderen passiert ist.
Ich fand besonders die Beschreibung der Wanderung und des Sarek faszinierend und auch beklemmend. Die geschilderten Situationen konnte ich mir einerseits gut vorstellen, andererseits gab es aber auch einige Entscheidungen, die ich nicht so gut nachvollziehen konnte. Trotzdem ein sehr fesselnder Thriller mit einem etwas kontroversen Ende, das mir persönlich aber gut gefallen hat.
Christoffer Carlsson – Unter dem Sturm

Und noch einmal Schweden: In dem kleinen Ort Marbäck wird 1994 die junge Lovisa ermordet und das Haus anschließend niedergebrannt. Mit ihrem Freund Edvard ist schnell ein Schuldiger gefunden, und obwohl einige Fragen offen bleiben, kommt es zur Verurteilung. Für Edvards siebenjährigen Neffen Isak bricht daraufhin eine Welt zusammen und er und seine Familie werden von nun an mit Misstrauen beäugt. Jahre später werden die Erinnerungen an den Fall wieder wachgerüttelt und in dem Polizisten Vidar wachsen Zweifel, ob damals die Ermittlungen mit der notwendigen Sorgfältigkeit durchgeführt wurden.
„Unter dem Sturm“ ist kein klassischer Krimi, sondern eher ein Sozialdrama und eine Charakterstudie. Es geht weniger um die Ermittlungen als um die Auswirkungen auf die Menschen in Marbäck, die auch Jahre später noch spürbar sind. Vor allem Isak tut sich schwer damit die Ereignisse zur verarbeiten und er fragt sich, ob auch in ihm etwas Böses steckt.
Krimis, in denen ein alter Fall noch einmal aufgerollt wird, mag ich immer sehr gern und so hat mir auch dieser Roman gut gefallen. Carlsson beleuchtet sehr eindringlich die Strukturen in einem kleinen Dorf und welche Auswirkungen vorgefasste Meinungen haben können. Leider fand ich die Handlung oft sehr sprunghaft und hatte daher mitunter Schwierigkeiten in neue Szenen oder Kapitel hineinzufinden. Ein interessanter Roman, dessen Umsetzung mich aber nicht ganz überzeugt hat.
Peter Grandl – Reset. Die Wahrheit stirbt zuerst

Der dramatische Ausgangspunkt in diesem Zukunftsthriller sind seltsame Vorgänge um ein entführtes Flugzeug. Von da an häufen sich gefakete Anrufe und Videobotschaften und schnell wird klar, dass hochentwickelte Deepfakes und KI-Manipulationen dahinter stecken. Bald wird klar, dass jegliche digitale Kommunikation gefälscht sein könnte und ein internationales Team arbeitet verzweifelt daran die Verursacher des Chaos ausfindig zu machen.
„Reset“ ist ein düsteres Gedankenspiel über unsere digitale Welt, das erschreckend realistisch wirkt. Zwar baut der Autor kräftig Science Fiction mit ein, aber das Grundszenario rund um KI, Fake News und digitale Abhängigkeit ist hochaktuell und regt zum Nachdenken an. Sehr spannend fand ich auch die Überlegungen, wie überhaupt noch Kommunikation und die Verbreitung von Nachrichten ohne digitale Kanäle möglich sein können.
Leider fand ich aber das Ausgangsszenario gelungener als die tatsächliche Umsetzung des Romans. Es werden anfangs viel zu viele Figuren und Perspektiven eingeführt, was verwirrend ist. Noch dazu packt Peter Grandl zu viel persönliches Drama mit hinein, was am Ende in einem völlig absurden Showdown gipfelt. Die ganzen Liebes- und Familiengeschichten und deren Zusammenhänge mit dem Hauptplot wirken fehlplatziert und sehr konstruiert. Wenn ich den Roman nicht als Hörbuch beim Puzzeln gehört hätte, hätte ich ihn vermutlich abgebrochen.