Phantastisch Rezensionen

R.F. Kuang – The Poppy War

erschienen bei Harper Voyager

Rin, eine Kriegswaise, die in der verarmten Provinz Rooster lebt, sieht nur eine Möglichkeit, um ihrem harten Leben zu entkommen: in Sinegard, der Militärakademie in der Hauptstadt, aufgenommen zu werden. Entgegen allen Erwartungen besteht sie tatsächlich die Prüfung, hat aber in Sinegard mit Vorurteilen und Ablehnung zu kämpfen. Doch als der fragile Frieden mit dem Nachbarreich Mugen zu zerbrechen droht, scheinen die Konflikte in der Akademie mit einemmal nichtig. Und Rin entdeckt in sich Kräfte, die bislang tief in ihr verborgen waren.

Da mir wieder einmal nach epischer Fantasy war, habe ich mir aufgrund von Empfehlungen eine Reihe von Titeln notiert. Einer davon war „The Poppy War“, der Auftakt einer Trilogie rund um die junge Kriegerin und Schamanin Rin.

Im ersten Band lernen wir vor allem Rin und im Zuge ihrer Ausbildung an der Akademie auch die Geschichte und Politik von Nikan kennen. Rin ist eine ungewöhnliche Heldin – um ihre Ziele zu erreichen, schreckt sie auch vor drastischen Schritten nicht zurück und schon früh wird klar, dass ihre Absichten keineswegs selbstlos sind. Ihr ganzes bisheriges Leben war davon geprägt, dass niemand ihr etwas zutrauen wollte und sie über ihr Schicksal kaum selbst bestimmen konnte. Nun strebt sie nicht nur nach Selbstbestimmung, sondern auch nach Macht. Diese Entwicklung von Rin ist nachvollziehbar, stellenweise aber frustrierend zu lesen. Ich finde ambivalente Hauptfiguren zwar spannend, aber wenn es die einzige Perspektive des Buches ist, fehlt mir ein bisschen ein positives Gegengewicht.

Dazu kommt, dass die Handlung an sich auch recht düster ist und Kuang nicht davor zurückschreckt, die Grausamkeiten des Krieges anschaulich darzustellen. Mir waren die Gewaltdarstellungen manches mal zu detailliert. Ich denke zwar nicht, dass sie übertrieben sind (trauriges Vorbild für einige Schilderungen war wohl das Massaker von Nanking im zweiten chinesisch-japanischen Krieg) – aber genau deshalb möchte ich darüber in dieser Ausführlichkeit nicht lesen.

Mir war auch nicht klar, dass der Krieg in diesem ersten Band bereits eine so große Rolle spielen würde. Ich dachte, dass es vor allem um das Leben in der Akademie gehen würde. Das fand ich übrigens recht gelungen beschrieben, auch wenn es in einigen Punkten etwas klischeehaft ausfällt. Der exzentrische Lehrer Jiang erinnerte mich zudem frappant an Meister Elodin in „The Name of the Wind“. Viele Verhaltensweisen von Jiang wollen zudem gar nicht zu seiner Charakterzeichnung passen. Das ist bei Elodin besser gelöst und schien mir hier nur dazu dienen, um ein gewisses Rätsel rund um Jiang aufzubauen.

Alles in allem finde ich, dass „The Poppy War“ ein interessanter Auftakt ist und einige neue Wege im Fantasygenre einschlägt. Es hat mir gut gefallen, dass die Figuren einen so großen Raum einnehmen und es gibt eine Reihe von Nebenfiguren, über die ich gern mehr lesen würde. Trotzdem hat das Buch mit seinen detaillierten Schilderungen von Krieg und Gewalt nicht wirklich meinen Nerv getroffen. Ob ich die Trilogie noch weiterlesen werde, weiß ich noch nicht. Angesichts von Rins bisheriger Charakterentwicklung befürchte ich, dass es im weiteren Verlauf noch düsterer werden könnte. Mal sehen, ob die anderen Empfehlungen eher meinen Lesevorlieben entsprechen.

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