Rezensionen

Peter Heller – Der Fluss

erschienen bei Audible
ungekürztes Hörbuch, gelesen von Uve Teschner

Wynn und Jack, zwei leidenschaftliche Paddler und Angler, die seit Studienbeginn befreundet sind, wollen mit einem Kanu den Maskwa River bis zur Hudson Bay befahren. Doch ihre ruhige Zeit in der kanadischen Wildnis wird bald gestört: In der Luft liegt ein Geruch von Rauch, sie begegnen einer Gruppe von betrunkenen Männern und irgendwo streitet ein Paar heftig miteinander. Diese vermeintlichen Kleinigkeiten stellen schließlich nicht nur ihr gemeinsames Abenteuer, sondern auch ihre Freundschaft auf eine harte Probe.

Dieser Roman war ein reiner Zufallsfund. Ich hatte weder von dem Autor noch von dem Titel jemals gehört und bin auf der Suche nach einem passenden Hörbuch darübergestolpert, da die knappe Inhaltsangabe interessant klang. Ich wusste nicht, was mich genau erwarten würde, aber gerade das machte das Buch so spannend – deshalb möchte ich hier über die Handlung auch nicht zuviel verraten.

Peter Heller baut gleich zu Beginn eine tolle Atmosphäre auf. Noch ehe man Wynn und Jack richtig kennengelernt hat, werden sie schon von dem Rauchgeruch und ihren zwei Begegnungen beunruhigt. Erst danach nimmt der Autor sich Zeit, um seine beiden Figuren vorzustellen, zu erzählen, wie sie sich kennengelernt haben und ihre Routine auf dem Fluss zu beschreiben. Obwohl erst einmal wieder alles in Ordnung zu sein scheint, liegt die ganze Zeit das Gefühl einer unklaren Bedrohung in der Luft. Als den beiden Freunden schließlich klar wird, woher der Brandgeruch kommt, wird aus der unterschwelligen Bedrohung eine sehr reale und gleich darauf überschlagen sich die Ereignisse.

Besonders hat mich an „Der Fluss“ fasziniert, dass der Roman zwar sehr spannend und actiongeladen ist, aber dennoch den Schwerpunkt auf die Figuren und ihre Beziehung zueinander legt. Die Freundschaft zwischen Jack und Wynn wird sofort spürbar, obwohl die beiden ganz unterschiedlich sind. Jack ist vorsichtig, misstrauisch, ein Anpacker, Wynn dagegen offen und arglos und lässt die Dinge eher auf sich zukommen. Ihre Liebe zu Büchern und zur Natur schweißt sie zusammen, aber in der Krise prallen ihre Gegensätze aufeinander und es ist für beide nicht einfach, weiterhin aufeinander zu vertrauen. Ich fand beide für sich und ihre Freundschaft so interessant beschrieben, dass ich mich auch nicht gelangweilt hätte, wenn es in dem Buch tatsächlich nur um eine idyllische Kanufahrt durch die Wildnis gegangen wäre.

Ich denke, das ist auch mit ein Grund, weshalb das Buch so spannend ist: Nicht nur die Ereignisse wissen zu fesseln, sondern die zwei haben mich auch emotional so gepackt, dass ich unglaublich um sie (und ihre Freundschaft) gebangt habe.

Neben der spannenden Handlung, die einige überraschende Wendungen nimmt, und den interessanten Figuren hat mir auch die Beschreibung der Natur sehr gut gefallen. Auf der einen Seite hat man die Idylle einer einsamen Landschaft voller Flüsse, Seen und Wälder; auf der anderen Seite wird die Gewalt und Gefahr dieser wilden Landschaft sehr deutlich.

„Der Fluss“ ist ein Abenteuerroman, der langsam, aber umso eindringlicher die Spannung aufbaut – und dabei die innere Entwicklung der Figuren ebenso wichtig nimmt wie die äußere Handlung. Ein Zufallsfund, der sich wirklich gelohnt hat! Lediglich das Ende hat mich nicht ganz überzeugt – nicht, dass ich es schlecht gefunden hätte, aber es hat mich nicht ganz zufrieden gestellt. Abgesehen davon ein ganz toller Roman, den ich wärmstes weiterempfehlen kann.

2 thoughts on “Peter Heller – Der Fluss

  1. Nach dem ersten Absatz habe ich gedacht, dass das wohl eher weniger ein Buch für mich wäre, nach dem letzten Absatz habe ich das Buch dann mal auf die Merkliste der Bibliothek gesetzt. Ganz sich bin ich noch nicht, ob und wann ich es lesen werde, aber es klingt ein bisschen nach einer guten Sommer-Lektüre für mich! 🙂

    1. Ich finde es auch relativ schwer das Buch zu beschreiben, da es auf der Plotebene so actiongeladen ist, aufgrund der Erzählweise aber doch auch sehr ruhig und figurenzentriert. Meiner Mutter habe ich es nun zum Muttertag geschenkt – mal sehen, wie es ihr gefällt.

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