Streifzüge

Via Sacra, 5. Etappe: Von Türnitz nach Mariazell

Hier kommt ihr zur ersten, zweiten, dritten und vierten Etappe.

Das war vielleicht ein Finale am letzten Tag! Die letzte Etappe war nicht nur landschaftlich ein absolutes Highlight, sondern auch richtig anstrengend mit 24 Kilometern und insgesamt 800 Höhenmetern. Da ich auf dieser Strecke die meiste Zeit überhaupt keinen Handy-Empfang hatte, war das außerdem der herausforderndste Tag, was das alleine Wandern anging. Trotzdem kann ich die Variante durch die Falkenschlucht sehr empfehlen!

An diesem Morgen wurde ich erneut sehr früh wach – und entdeckte eine Zecke am unteren Rücken, was insofern fast ironisch war, da ich am Vortag das einzige Mal eine lange Hose getragen hatte und das einzige Mal nicht zu irgendeinem Zeitpunkt durch hüfthohes Gras gewandert war. An dieser Stelle konnte ich das Mistvieh noch nicht einmal selbst entfernen, aber meine beiden Mitpilgerinnen waren natürlich gleich mit Hilfe (und Pinzette) zur Stelle, als wir uns beim Frühstück trafen.

Danach hieß es erst einmal Abschied nehmen von den beiden, da sie die Hauptstrecke der Via Sacra über Annaberg in zwei Etappen gingen, während ich mit meiner Variante durch die Falkenschlucht an diesem Tag Mariazell erreichen würde. Unser Gastgeber Herr Karner war so nett mich zum Parkplatz der Falkenschlucht zu fahren, womit ich mir 4 Kilometer Asphaltstrecke ersparte. Als ich dort um etwa 8:15 loswanderte, war es so kalt, dass ich meinen Atem sehen konnte und ich mich in meine Fleecejacke einkuscheln musste.

Der Weg führte erst einmal eine Weile flach am Retzbach entlang, ehe ich nach einer knappen Stunde die eigentliche Falkenschlucht erreichte. Wenn der Steig gesperrt ist, hat man auch die Möglichkeit, die Schlucht auf einer Forststraße zu umgehen, aber das war bei mir zum Glück nicht notwendig.

Durch die Falkenschlucht ging es recht steil bergauf, teilweise auf kleinen, steinigen Pfaden, teilweise auf Holzstegen und ein paarmal musste ich auch den Retzbach auf Steinen oder Baumstämmen queren. Der Weg ist zwar nicht allzu schwierig (auch wenn man trittsicher sein sollte), aber an dieser Stelle muss ich kurz auf die Handy-Situation zu sprechen kommen: Mir war bewusst, dass es in der Falkenschlucht keinen Empfang geben würde. Allerdings dachte ich, dass das nur für die knappe halbe Stunde gilt, die man in der Klamm verbringt. Tatsächlich hatte ich aber schon vom Parkplatz weg bis nach Ulreichsberg (also etwa 10 km später) absolut keinen Empfang und ich begegnete während dieser Zeit nicht einer Menschenseele. Da die Schlucht ein beliebtes Ausflugsziel ist, hatte ich auch damit nicht gerechnet. Ich konzentrierte mich daher in der Klamm sehr auf den Weg und setzte meine Schritte vorsichtig. Obwohl ich die beeindruckende Landschaft genoss und nicht direkt Angst hatte, hätte ich die Falkenschlucht vermutlich mehr genossen, wenn ich nicht alleine gewesen wäre. Man sollte sich also gut überlegen, ob man diese Variante wählen will, wenn man alleine und unter der Woche unterwegs ist (am Wochenende dürfte in der Schlucht mehr los sein).

Hier aber nun endlich ein paar bildliche Eindrücke von dieser wunderschönen Schlucht:

Eine der vielen Bachquerungen

  

Nach dem Ende der Schlucht ging es nun auf einem breiten Weg weiterhin bergauf. Mit 500 Höhenmetern war das bei dieser Wanderung mein längster durchgängiger Aufstieg. Aber obwohl ich an den beiden Tagen zuvor ein wenig Probleme mit den Füßen gehabt hatte, ging es mir nun fantastisch und ich war deutlich schneller unterwegs als sonst. Ich weiß nicht, ob es an den anfangs recht kühlen Temperaturen lag oder daran, dass die Etappe gestern recht kurz gewesen war oder ob mich schlichtweg die traumhaft schöne Umgebung (samt bunter Flora und Fauna) beflügelte.

Als ich schließlich Ulreichsberg erreichte, hatte ich nicht nur den Anstieg geschafft, sondern endlich auch Empfang. Ich machte eine kleines Päuschen auf einer Bank, um meinen Freundinnen und meinen Mitpilgerinnen zu schreiben, dass ich gut durch die Schlucht gekommen war und unterhielt mich ein wenig mit zwei Radfahrern, die hier ebenfalls eine Pause machten. Kurze Zeit später stieß ich auf den Wiener Wallfahrerweg und wurde von einem Schild im Mariazeller Land willkommen geheißen.

Pünktlich zur Mittagszeit erreichte ich die legendäre Wuchtlwirtin, bei der ich unbedingt einkehren wollte. Leider war es draußen extrem voll und drinnen wollte ich bei dem schönen Wetter und im Hinblick auf die neuen Corona-Cluster nicht unbedingt sitzen. Ich war schon kurz davor aufzugeben, als mir ein älteres Ehepaar einen Platz bei ihnen am Tisch anbot. Obwohl ich mich mit ihnen nett unterhielt und eine opulente Hubertuswuchtl genoss, war ich mir nicht sicher, ob ich nicht doch besser weitergegangen wäre und einfach anderswo meine Müsliriegel gegessen hätte. Da so viel los war, musste ich sehr lange auf die Bestellung warten und die ganze Zeit saß ich in der prallen Sonne (die inzwischen wieder kräftig vom Himmel brannte).

Meine Pause wurde daher viel länger als mir lieb gewesen wäre und es war schon gegen halb zwei, als ich endlich weiterging. Der Weg führte mich nun zum Hubertussee, der ein weiteres landschaftliches Highlight darstellte.

Ja, und dann trennte mich von Mariazell „nur“ noch der Habertheuersattel, der es aber ordentlich in sich hatte. Erneut ging es steil bergauf und das die ganze Zeit in der prallen Sonne.

Wieso schauen steile Wege auf Fotos immer so flach aus?!

Ich hatte nur gut 200 Höhenmeter zu bewältigen, also viel weniger als bei meinem Anstieg am Vormittag, aber sie kamen mir weitaus schlimmer vor. Und als ich dann mit hängender Zunge endlich den Sattel erreichte, war ich einigermaßen enttäuscht. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte – ein Gipfelkreuz oder eine Hütte oder zumindest einen netten Rastplatz -, aber mehr als ein Schild gab es nicht. Kennt ihr diese „Ich habe xy gemacht und alles, was ich bekommen habe, ist dieses lausige T-Shirt“-Sprüche? Ja, so kam mir das vor …

Seit der Wuchtlwirtin hatte ich außerdem schon wieder die ganze Zeit keinen Empfang – und keine einzige Menschenseele außer mir war bei diesen Temperaturen am Habertheuersattel unterwegs (vielleicht wissen die anderen Leute einfach, dass es dort oben nichts gibt).

Zu dem Zeitpunkt hatte ich also ein kleines Motivationstief, umso mehr, da auch der Weg hinunter überhaupt keinen Schatten bot. Dafür wurde ich aber mit einem tollen Ausblick belohnt:

Ich ging unter dem Sessellift hindurch, der mich vor ein paar Jahren noch auf die Bürgeralpe gebracht hatte, der jetzt aber nicht mehr in Betrieb war, und erreichte den Sebastianiweg, dessen Rosenkranzstationen mich nun geradewegs nach Mariazell führten.

 

Nach dem Habertheuersattel hatte mir mein rechter Fuß wieder ziemlich wehgetan, aber jetzt, mit dem Ziel vor den Augen, ließen die Schmerzen wieder nach. Und etwa einen Kilometer vor der Ankunft bekam ich auch einen ersten, fantastischen Blick auf die Basilika von Mariazell.

Kurz danach hatte ich es schließlich geschafft.

  

In der Kerzengrotte

Es war schon ein tolles Gefühl, dass ich nun nach fünf Tagen angekommen war, aber gleichzeitig war ich auch ein wenig traurig, dass die Wanderung schon vorbei war.

Daher war ich auch froh, dass ich in Mariazell noch eine Übernachtung eingeplant hatte, um am letzten Wandertag keinen Stress zu haben. Ich genoss also einen ruhigen Abend in Mariazell und begegnete zufällig (und gänzlich unerwartet) sogar dem Pilgerpärchen mit den Hunden noch einmal. Darüber freute ich mich besonders, da ich mich bei meiner Ankunft in Mariazell noch gefragt hatte, wie es ihnen wohl ergangen war.

Am nächsten Tag nutzte ich das schöne Wetter und fuhr mit der Seilbahn auf die Bürgeralpe, um oben eine kurze Rundwanderung zu machen. Danach beschloss ich spontan, nicht wie geplant die Seilbahn zurück nach unten zu nehmen, sondern zu Fuß hinunterzugehen – ich konnte das Wandern offensichtlich noch nicht loslassen. Tatsächlich wäre ich an diesem Tag in der Früh am liebsten einfach zu meiner nächsten Etappe aufgebrochen.

Blick von der Bürgeralpe auf den Erlaufsee und die Gemeindealpe

 

Als ich wieder unten angekommen war, setzte ich mich vor der Basilika in den Schatten und wartete mit einem Lebkuchenherz (in Mariazell gibt es eine bekannte Lebzelterei) auf meine zwei Mitpilgerinnen von der 4. Etappe. Als auch sie glücklich die Basilika erreicht hatten, konnten wir noch kurz gemeinsam Kaffee trinken und uns über unsere letzten Tage austauschen, ehe ich schließlich in den Zug zurück nach Wien steigen musste.

2 thoughts on “Via Sacra, 5. Etappe: Von Türnitz nach Mariazell

  1. Wow, cool! Herzlichen Glückwunsch zur geglückten Wanderung und Respekt – ich hätte irgendwo auf dem Weg sicher längst schlapp gemacht 😀 Und schön, dass dir der ganze Trip letztlich soviel Spaß gemacht hat, dass du am nächsten Tag einfach direkt hättest weiterlaufen können. Jetzt ist dann wohl erstmal gute Erholung angesagt, vor allem deinen Füßen.
    Eine Sache muss ich (als Deutsche) an dieser Stelle aber doch nochmal genauer nachfragen: Was genau ist denn ein Hubertuswuchtl? Das sieht ja unglaublich lecker aus, und der Name ist auch ein Hit! 😀

    1. Inzwischen bin ich ja schon wieder eine Weile zuhause und habe schon weitere Wanderungen unternommen und geplant. 🙂
      Vielleicht kennst du Wuchteln bzw. Buchteln als Rohrnudeln. Das sind Germtaschen, die meist mit Marillenmarmelade gefüllt sind und im Ofen gebacken werden. Die Hubertuswuchtl war nur eine der dortigen Varianten mit Schoko- und Vanillesoße (sonst ist eine Wuchtel klassisch nur mit Zucker oder Vanillesoße).

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