
erschienen bei Scholastic
Dieses Prequel zur Hunger Games-Reihe beleuchtet die 50. Hunger Games, als anlässlich des Jubiläums doppelt so viele Tribute gegeneinander antreten müssen. Zusammen mit drei weiteren Jugendlichen aus dem 12. Distrikt muss Haymitch Abernathy seine Heimat verlassen. Schon bevor die Spiele beginnen, wird ihm die ganze Brutalität des Capitol vor Augen geführt und dass für Präsident Snow die politische Inszenierung über allem anderen steht. Und Haymitch wird klar, dass er kämpfen muss – nicht um den Sieg, sondern um jede noch so kleine Chance, dem Regime etwas entgegenzusetzen.
Ich habe die „Hunger Games“-Trilogie geliebt, war aber sehr skeptisch, als Suzanne Collins zwei neue Romane in diesem Universum geschrieben hat. Ich finde, dass Panem genug Potenzial hätte, um aus neuen Blickwinkeln betrachtet zu werden – aber weitere Bücher rund um die Spiele und mit Tributen aus dem 12. Distrikt? Ist das wirklich notwendig? Trotz meiner Skepsis hat meine Neugierde gesiegt und ich habe „Sunrise on the Reaping“ aus der Bücherei ausgeliehen. Und was soll ich sagen? Alle meine Befürchtungen haben sich bewahrheitet.
Für mich wirkt dieser Roman wie reiner „Fan Service“. Wir bekommen mit Haymitch eine bekannte Figur, wir bekommen mit den 50. Hunger Games das zweite Jubiläum, das bereits zu Kurzfilmen von Fans geführt hat, und wir bekommen erzwungene Verbindungen zur Originalreihe. Am laufenden Band werden bekannte Namen und Figuren mit ins Spiel gebracht, ungeachtet dessen, dass sich dadurch sogar logische Brüche zur Originaltrilogie ergeben.
Was wir nicht bekommen, das sind neue interessante Aspekte. Es werden bekannte politische Themen wiederholt und dieselbe Medienkritik angebracht, die die Originaltrilogie so spannend gemacht hat, nun aber wie aufgewärmt wirkt. Auch sonst gibt es viel altbekanntes: die Armut von Distrikt 12, die Ungerechtigkeit, mit der die Tribute behandelt werden, die Medieninszenierung und schließlich die Spiele, dessen Ausgang bereits bekannt ist. Vermutlich um trotzdem so etwas wie Spannung mit hineinzubringen, gibt es eine wenig durchdachte kleine Rebellion, die aber mich persönlich wenig fesseln konnte. Das Problem ist, dass nicht nur klar ist, dass diese scheitern wird, wir wissen sogar, dass für 24 weitere Jahre nichts in die Richtung passieren wird. Das machte es mir unmöglich bei diesem Handlungsstrang wirklich mitzufiebern.
Damit bleibt Haymitch, den ich in der Originaltrilogie eigentlich interessant fand, der aber hier seltsam blass bleibt. Ich konnte keine emotionale Bindung zu ihm herstellen und finde, dass einige Nebenfiguren (vor allem Maysilee) eine deutlich interessantere Entwicklung durchlaufen. Um vielleicht eine stärkere emotionale Bindung zu Haymitch herzustellen, gibt es mit Lenore Dove eine Liebesgeschichte, die zwar als zentrale Motivation für Haymitch dient, mich aber auch eher kalt ließ. Das Problem ist, dass Lenore Dove und ihre Beziehung zu Haymitch nur viel zu kurz eingeführt wird. Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass wir statt der ausführlichen Beschreibung der Vorbereitungen im Capitol mehr Zeit in Distrikt 12 bekommen hätten. Dann hätten wir Haymitch und sein Umfeld und vor allem Lenore Dove besser kennenlernen und die Liebe vielleicht auch spüren können.
Auch wenn das alles sehr negativ klingt, hatte es natürlich schon etwas nostalgisches nach Panem zurückzukehren und manche geliebte Figuren wiederzutreffen. Aber ich hätte mir wirklich etwas neues, frisches gewünscht und hatte bei diesem Roman oft eher das Gefühl eine Fanfiction zu lesen. Ist es wirklich das, was Suzanne Collins erzählen möchte oder fühlt sie sich gezwungen in so ausgetretenen Pfaden zu bleiben?