Streifzüge

[Streifzüge] Von der Gemeindealpe durch die Ötschergräben

Start: Gemeindealpe Mitterbach
Ziel: Bahnhof Wienerbruck
Länge: ca. 15 km
Höhenmeter: 409 hm Aufstieg, 1.243 hm Abstieg

Nach meiner Pilgerreise auf dem Wiener Wallfahrerweg hatte ich in Mariazell noch einen Tag Urlaub. Da ich noch immer wandermotiviert war und ich derzeit eine Niederösterreich-Card habe, bei der der Sessellift auf die Gemeindealpe inkludiert ist, suchte ich mir eine schöne Tour aus, die von der Gemeindealpe startet und hinunter in die Ötschergräben führt. Als ich in der Früh mit dem Zug nach Mitterbach fuhr, war es zwar noch recht kühl, aber die Sonne blinzelte schon durch die Wolken. Bei meiner Sessellift-Fahrt hinauf zur Gemeindealpe ließ mein Blick zur Bergstation allerdings die Hoffnung auf einen schönen Ausblick schwinden.

Tatsächlich tauchte ich auf den letzten Metern in eine dichte Wolkendecke ein und oben auf der Gemeindealpe war nicht nur keine Spur von einem Ausblick, sondern es war auch eisig kalt. Da ich nicht recht wusste, ob ich bei diesem Wetter tatsächlich meine Wanderung antreten sollte, kehrte ich erst einmal im Terzerhaus ein und wärmte mich bei einer heißen Schokolade auf.

Als ich nach einer knappen halben Stunde wieder nach draußen ging, befand ich mich zwar immer noch im Nebel, die Wolken gaben aber allmählich den Blick hinunter frei.

Da mich der Wanderweg bergab führte, hoffte ich, dass die Wetterverhältnisse sich bessern würden und machte mich auf den Weg. Nach wenigen Metern kamen mir zwei Wanderinnen entgegen, die mir bestätigten, dass weiter unten gutes Wetter war – und tatsächlich wurde die Sicht immer besser.

Ich konnte mich kaum sattsehen an dem Panorama, das nach und nach unter den Wolken auftauchte. Nach einem ersten steilen Abstieg ging der Weg nun auch sehr angenehm einen Bergrücken entlang und so konnte ich die Ausblicke in Ruhe genießen.

Bei der Halter-Hütte musste ich allerdings meinen gemütlichen Weg wieder verlassen und über den Geißriedel hinuntergehen. Die nächsten drei Kilometer führte der Weg sehr steil bergab, was ordentlich in die Beine ging, aber immerhin gab es weiterhin tolle Blicke in die umliegenden Täler und zum Ötscher.

Am späten Vormittag erreichte ich das Schutzhaus Vorderötscher, wo ich eine kurze Pause machte, ehe ich in die Ötschergräben eintauchte. Ich war vor einigen Jahren schon einmal mit Freundinnen in den Ötschergräben, aber trotzdem war ich erneut überwältigt von der unglaublichen Landschaft hier. Die Ötschergräben werden auch als der „Grand Canyon Österreichs“ bezeichnet und wenn man durch diese Schlucht geht, wird schnell klar, woher dieser Name kommt.

Mein Smartphone war fast dauerhaft im Foto-Einsatz und ich blieb ungefähr alle hundert Meter stehen, um die Landschaft so richtig bewundern zu können. Daher brauchte ich auch etwas länger, um den Ötscherhias, eine Schutzhütte etwa in der Mitte der Ötschergräben, zu erreichen.

Nach einem Kaffee ging es weiter durch die Ötschergräben, die ich jetzt nicht mehr ganz so für mich alleine hatte wie noch zuvor, da in diesem Abschnitt nun doch einige Wanderer unterwegs waren. Es ging über Treppen und durch Höhlen und an Landschaften mit so klingenden Namen wie „Stierwaschboden“ vorbei. Ach ja, und ich habe noch immer kein Talent für Selfies …

Nach einem kleinen Gegenanstieg beim Lassingfall erreichte ich schließlich das Ende der Ötschergräben und stieg in Wienerbruck in die Mariazellerbahn „Himmelstreppe“, die mich nach St. Pölten brachte. Und mit dieser abschließenden, spektakulären Wanderung war meine Pilgerreise auch schon wieder zu Ende.

2 thoughts on “[Streifzüge] Von der Gemeindealpe durch die Ötschergräben

  1. Wow, gerade die letzten Bilder kann ich mir auch sehr gut als Kulisse für Karl-May-Filme vorstellen. Sehr malerisch und bestimmt beeindruckend zu durchwandern. Wobei es dich nicht verwundern wird, dass mein erster Impuls beim Blick auf die Wolkenfotos der Gedanke war, dass ich mich an deiner Stelle gemütlich noch ein paar Stunden mit heißer Schokolade eingeigelt hätte, um dann mit dem Lift den Berg wieder zu verlassen. 😉 Ich bin sehr beeindruckt davon, dass dir das Wandern so viel Freude bereitet, dass du noch einen ungeplanten Tag angehängt hast. 🙂

    1. Die Ötschergräben sind wirklich sehr beeindruckend – man kann das auf Fotos kaum adäquat einfangen. Und ich habe an dem Tag sogar darüber nachgedacht spontan nochmal ein Zimmer in der Umgebung zu buchen, um noch einen weiteren Wandertag dranzuhängen. Davon haben mich letztendlich nur die sehr schlechten Wetteraussichten abgehalten.

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