
erschienen bei Insel/Suhrkamp
Im 15. und 16. Jahrhundert brachen Entdecker wie Magellan und Vasco da Gama im Auftrag Heinrichs des Seefahrers zu neuen Handelsrouten auf. Damit verbanden sie Europa mit der Welt, begründeten erste Kolonien und legten den Grundstein für spätere Überseeimperien. Mancherorts sind die Spuren dieser Epoche nur noch schwach sichtbar, anderswo wirken sie bis heute (oft schmerzhaft) nach. Erika Fatland verknüpft die Zeit der Entdecker mit den politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Folgen, die die Kolonialzeit bis in die Gegenwart prägen.
Nach Reisen durch Zentralasien, Russland und den Himalaya setzt die norwegische Schriftstellerin und Sozialanthropologin Erika Fatland nun ihren Weg auf den Spuren portugiesischer Entdecker fort. Wie ihre bisherigen Sachbücher ist auch dieses eine Mischung aus persönlichem Reisebericht, geschichtlichen Fakten und Interviews, was das Buch sowohl informativ als auch unterhaltsam macht. Denn die Autorin bereiste selbst die ehemaligen Kolonialgebiete wie etwa Kap Verde, Goa, Mosambik, Osttimor, Indien und Brasilien und zog schließlich an Bord eines Frachters auch einen Teil der damaligen Seefahrten nach. Dabei schildert sie, wie ein kleines Randland Europas einst ein globales Imperium aufbaute – und welche Folgen diese koloniale Vergangenheit auch heute noch für die Menschen hat, denen sie unterwegs begegnet.
Gerade am Anfang fand ich die interessanten Fakten und historischen Hintergründe über Gegenden, die mir bisher nur wenig bekannt waren, wie etwa die mittlerweile spanische Exklave Ceuta, Guinea-Bissau und São Tomé und Príncipe sehr spannend. Aber im Laufe der Zeit wurde die Lektüre leider etwas ermüdend. Durch die Vielzahl an Ländern wiederholt sich die Geschichte immer wieder, was natürlich in der Natur der Sache liegt. Kolonialgeschichte verlief nun einmal oft sehr ähnlich – Entdeckung, zunächst Verhandlung mit lokalen Herrschern, bald Unterdrückung und Ausbeutung, bis es schließlich zu Rebellion und Unabhängigkeitsbewegungen kam. Trotzdem begann sich das nach den ersten Ländern etwas zu ziehen. Gleichzeitig fand ich es teilweise schwierig, über die größeren geschichtlichen Zusammenhänge sowie den Verlauf der Entdeckungen den Überblick zu behalten, da es eben bei jedem neuen Land erst einmal wieder von der Vergangenheit bis in die Gegenwart geht.
Trotz dieser Kritikpunkte war es eine sehr interessante und auch keineswegs trockene Lektüre. Gerade die Reisebeschreibungen und Gespräche mit den verschiedenen Menschen haben mir sehr gut gefallen. Es gab ein paar Stellen, an denen ich die Autorin gegenüber Orten oder Menschen als etwas herablassend empfand, auch meistens ist sie um eine möglichst neutrale Sichtweise bemüht. Oft sind die Reisen auch ganz schön strapaziös und nervenaufreibend, was Erika Fatland mit einer gewissen Ironie beschreibt. Dadurch ist das Buch trotz der mitunter brutalen Geschichte und traurigen Schicksale auch recht humorvoll.
Ich muss zugeben, dass ich gar nicht wusste, wieviele Kolonien Portugal hatte – und wie stark in vielen dieser Länder auch heute noch die portugiesische Kultur und Sprache weiterlebt. Bei Angola, Brasilien und Kap Verde war mir das natürlich bekannt, aber ich wusste nicht, dass Portugiesisch etwa in Osttimor und Macau noch immer zweite Amtssprache ist.
Alles in allem ein beeindruckendes und gut geschriebenes Sachbuch, das aber doch etwas Geduld erfordert. Mit „Sowjetistan“ konnte es für mich leider nicht ganz mithalten.