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Lesesonntag im Februar

Endlich schaffe ich es, bei einem von Winterkatzes monatlichen Lesesonntagen (immer der 3. Sonntag im Monat) zumindest ein bisschen mit dabei zu sein, da ich außer Lesen auch noch einiges andere vorhabe.

Ich lese derzeit ein Buch, das im Februar neu bei mir eingezogen ist und zwar Das Leuchten am Rand der Welt von Eowyn Ivey. Ich bin über dieses Buch eher zufällig gestolpert, als ich im Januar mit meiner Nichte gemütlich in einer Buchhandlung gestöbert habe. Mir ist das Cover ins Auge gesprungen und dann der Name der Autorin (von Eowyn Ivey hat mir Das Schneemädchen sehr gut gefallen). Also habe ich das Buch zur Hand genommen, hineingeblättert und dabei ist mir gleich das Herz aufgegangen:

Es geht darin um eine Expedition entlang des Wolverine Rivers in Alaska 1885, die in Briefen, Tagebucheinträgen, Bildern und Zeitungsartikeln erzählt wird. Ich hätte das Buch damals beinahe vom Fleck weg gekauft, mich aber doch noch zurückgehalten, weil ich zu dem Zeitpunkt gerade so viel anderes gelesen habe. Im Februar habe ich es mir nun gegönnt und auch sofort zu lesen begonnen. Bisher gefällt es mir sehr gut und ich hoffe, dass ich heute damit etwas weiterkomme.
Parallel lese ich Gösta Berling von Selma Lagerlöf, das ich als recht skurril empfinde, und Anna Karenina als Hörbuch. Vermutlich werde ich aber auch noch ein ebook beginnen, da ich in den letzten Tagen immer „Gösta Berling“ unterwegs mit dabei hatte und mir dieser Wälzer dafür einfach zu unhandlich und schwer ist. 
Ich werde jetzt dann gleich ins Weltmuseum fahren, wo heute im Rahmen des Welttags der Fremdenführer eine Freundin von mir Sonderführungen anbietet. Leider verlockt das Wetter mich nicht besonders, die Wohnung zu verlassen – es ist mal wieder kalt, grau und nebelig. Immerhin habe ich mir aber inzwischen ein bisschen Frühling in die Wohnung geholt.

Ich mache mich nun auf die Socken und melde mich hier später wieder.

Update um 16:00

Ich bin wieder zurück und bin froh, dass ich mich trotz Sonntagsfaulheit und schlechtem Wetter noch aufgerafft habe, ins Museum zu fahren. Meine Freundin hat eine sehr interessante Führung über die Reisen der Habsburger Franz Ferdinand, Ferdinand Maximilian (der spätere Kaiser von Mexiko) und Kronprinz Rudolf sowie die Geschichte der Sammlungen des Weltmuseums gemacht. Ansonsten habe ich mich nur kurz im Museum umgeschaut, das erst Ende 2017 neueröffnet wurde, da es mir heute zu wuselig dort war. Das hole ich dann lieber an einem „normalen“ Museumstag nach.
Unterwegs habe ich noch mit dem ebook Bücherstadt von Akram El-Bahay begonnen, wobei ich mir nicht sicher bin, wie logisch ich das Setting – eine riesige unterirdische Bibliothek in einer vorindustriellen Gesellschaft – finde. Es gibt einen Grund, weshalb Tiefspeicher erst im 20. Jahrhundert üblich wurden: Die Kombination von gezwungenermaßen vielen Öllampen und Fackeln mit Büchern ist nicht die beste und auch das Klima lässt in Kellerräumen meist eher zu wünschen übrig (wobei Feuchtigkeit in einem eher wüstenhaften Setting vielleicht nicht so sehr das Problem sein dürfte wie hierzulande). 
Aber vielleicht sehe ich das gerade zu kritisch. Sonst kann ich noch nicht sehr viel zum Buch sagen, da ich noch nicht sehr weit bin. Jetzt gibt es bei mir erst einmal ein spätes Mittag- bzw. frühes Abendessen.

Update um 21:00

Ich habe heute Abend noch ein wenig bei Das Leuchte am Rand der Welt weitergelesen. Was mir an dem Buch (unter anderem) so gut gefällt, ist, dass man die Expedition aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Einerseits ist da der Bericht von Allen Forrester, andererseits gibt es auch Tagebucheinträge und Briefe seiner Frau Sophie, die in Vancouver zurückgeblieben ist und schließlich kommt noch eine Ebene in der Gegenwart dazu, da sich ein Erbe Forresters mit dem Kurator des Historischen Museums von Alpine über die Dokumente austauscht. Man vergisst beim Lesen tatsächlich, dass es sich dabei um Fiktion handelt und diese Expedition so nie stattgefunden hat.

Ansonsten habe ich aber den späten Nachmittag und Abend wieder einmal mit meiner Weltkarte verbracht. Ich weiß nicht genau, wie es geschehen ist, aber irgendwie hat eins zum anderen geführt und aus einer Karte der Inseln, auf denen meine Romane spielen, wurde eine Karte der weiteren Umgebung und schließlich eine tatsächliche Weltkarte. Von fertig bin ich noch weit entfernt und ich bastle auch weiterhin halbherzig an der Plattentektonik herum – einerseits finde ich so etwas sehr spannend und hätte gern eine bessere Vorstellung davon, welche Gebirge wie entstanden sind, aber andererseits scheitere ich daran, selbst eine plausible Kontinentaldrift zu entwerfen. Meine Tektonik ist also bislang eine Mischung aus Recherche und Handgewedel.
Wenn ich dann irgendwann mal die Gebirge habe, werde ich mich als nächstes dem Klima zuwenden.
Und klar, natürlich habe ich mir das im Kleinen schon für die besagten Inseln überlegt (sonst hätte ich dort schwerlich Geschichten ansiedeln können), aber ich habe einfach Lust darauf, das in größere Zusammenhänge einzubetten.

Ich weiß, dass die meisten Menschen so etwas für ein sehr seltsames Hobby halten, aber für mich war das Weltenbasteln immer schon der Teil des Schreibens, der mir fast am meisten Spaß gemacht hat. Und damit meine ich nicht nur Fantasy. Auch bei meinen Pferdegeschichten früher konnte ich mich stundenlang damit beschäftigen, Parcourspläne für Springturniere zu entwerfen, mir die Abstammung der Pferde zu überlegen (ja, ein ganzes Zuchtbuch zu führen) und Umgebungskarten des Reitstalls zu zeichnen.

Ich glaube, bei mir ist dieses Entwerfen von Welten der eigentliche Auslöser des Schreibens, meine Form der Inspiration – insofern ist es wohl kein Wunder, dass es mit dem Schreiben nicht mehr geklappt hat, als ich mich ganz und gar darauf konzentrieren und meine knapp bemessene Freizeit nicht mit Weltenbasteln „verschwenden“ wollte. Auch dem Malen und Zeichnen habe ich mich in erster Linie immer deshalb gewidmet, um auf diese Weise meine Welt illustrieren zu können.
Gut, dass ich das nun auch endlich erkannt habe, nachdem ich einige Jahre so darunter gelitten habe, dass mir meine Kreativität abhanden gekommen war. Dabei hatte ich nur den Schwerpunkt auf die falschen Dinge gelegt bzw. die Inspiration an den falschen Stellen gesucht.

Nach diesen vielen Worten lasse ich euch noch ein Bild der Welt in Hammer-Aitoff-Projektion da – es handelt sich dabei aber noch um ein work-in-progress.

Und damit verabschiede ich mich für heute, bedanke mich für den gemeinsamen Lesetag und wünsche euch noch einen schönen Sonntagabend!

23 thoughts on “Lesesonntag im Februar

  1. Das ist eine interessante Art der Geschichtenerzählung und das Buch scheint auch sehr liebevoll aufgemacht.

    Viel Spass im Museum und später kann es ja zum Ausgleich für das grau-nasskalte Wetter eine schöne Teezeit geben?

    1. Es gab dann gleich im Museum noch eine Kaffeezeit mit meiner Freundin, da sie eine Pause zwischen den Führungen hatte. 🙂 Jetzt finde ich es aber auch ganz angenehm, wieder in meiner kuschlig-warmen Wohnung zu sein.

  2. Der kleine Frühling sieht sehr hübsch aus! 🙂 Bei uns strahlt schon den ganzen Tag die Sonne, dich hätte das Wetter vermutlich sofort rausgelockt. Ich hoffe aber, dass dich die Führung deiner Freundin für den Weg zum Museum mehr als entschädigt! Und ich bin gespannt, ob du heute wirklich noch zum eBook greifest und welches das wird oder ob du später lieber bei den angefangenen Titeln bleibst – gerade der erste sieht sehr interessant aus!

    1. Natürlich – und in der Mittagspause hattest du vermutlich auch keine Zeit, um die Sonne zu genießen.

      Mit Akram El-Bahay habe ich auch immer so meine Probleme. Die Grundideen finde ich oft toll, aber so richtig packen mich die Geschichten nicht oder ich stolpere – wie du gerade – über Elemente, die ich nicht stimmig finde. Und wenn es in einer Wüste Feuchtigkeit gibt, dann tief unter der Erde …

    2. Ich habe bislang noch nichts von dem Autor gelesen, wurde aber schon öfter mal enttäuscht von Büchern, in denen es um Bücher geht. Mal sehen, wie es weiter damit läuft.

    3. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß damit! 🙂

      Dein Expeditionsbuch klingt wirklich cool! Ich mag es auch immer, wenn ein Autor bei so etwas mehrere Perspektiven einsetzt, da so eine Reise schließlich weite Auswirkungen hat. Ich glaube, das ist mein größter Kritikpunkt an den Lady-Trent-Romanen, denn auch wenn da aufgrund der Erzählweise mehr Perspektiven gar nicht möglich sind und sie es aus der Rückschau erzählt, würde ich mir manchmal wünschen, dass man mehr darüber erfährt, welche Auswirkungen ihre Reisen und Entdeckungen auf die anderen Beteiligten hatten. Man kann es zwar hier und da erahnen, weil sie auf "bekannte Entwicklungen" hinweist oder auf aktuellen Wissenstand, aber trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, es entgeht mir etwas. *g*

      Ich finde es schön, dass dir das Weltenbasteln so wichtig ist und dass du dich inzwischen wieder mehr darauf konzentrierst! Möge dich die Lust daran nie wieder verlassen! 🙂

    4. Jetzt, da du es ansprichst – stimmt, bei den Lady-Trent-Romanen fehlt manchmal die Einbettung quasi in ein größeres Bild. Und die anderen Beteiligten werden meiner Meinung nach sträflich vernachlässigt, sobald sie nicht Teil der Reisen selbst sind. So finde ich es unendlich schade, dass Natalie so schnell wieder nahezu in der Versenkung verschwindet.

  3. "Das Leuchten am Rand der Welt" klingt gut, und du hast wieder so ein schön gestaltetes Buch gefunden (in letzter Zeit habe ich davon einige bei dir entdeckt!).
    Viel Spaß heute beim Lesen und bei der Führung!

    1. Ja, bei mir sind in der letzten Zeit vermehrt schön gestaltete Bücher eingezogen. Einerseits halte ich mehr nach solchen Ausschau, andererseits habe ich das Gefühl, dass seit einer Weile auch mehr Wert auf die Buchgestaltung gelegt wird.

    2. Stimmt, teilweise scheinen sich die Verlage fast dabei überbieten zu wollen – aber das soll mich nicht stören… Und verständlich ist es auch: viele Käufer entscheiden nach Optik. Jedenfalls freue ich mich, wenn du solche schönen Bücher auch ein wenig ausführlicher zeigst 🙂

      Hoffentlich kannst du später noch etwas mehr zu "Bücherstadt" sagen. Mich interessiert das Buch, aber irgendetwas hat mich bisher immer abgehalten.

    3. Das Kartenbasteln und Weltbauen finde ich übrigens toll! Ich schreibe nicht so viel wie du, aber wenn, mag ich das auch – allerdings lenkt mich der Hintergrund gerne vom eigentlichen Schreiben ab, weswegen ich versuche, das etwas im Zaum zu halten *g*

    4. Mich lenkt das definitiv auch vom Schreiben ab bzw. nutze ich dann eben meine Zeit mehr zum Weltenbauen als zum Schreiben. Aber mein Versuch, das im Zaum zu halten, um mich ganz aufs Schreiben konzentrieren zu können, ist eben ziemlich nach hinten losgegangen.

  4. Mae govannen, Neyasha.
    Auch wenn ich von der Autorin noch nichts gelesen habe, so wäre auch mir der Vorname "Eowyn" sofort ins Auge gesprungen.
    Eine weitere Expedition, zu Wasser & im hohen Norden, also. Sowas wie eine kleine Winterreihe von Dir. 🙂

    Hier am oberen Verlauf der Donau hat es innerhalb von nicht einmal 24 Stunden satte 20cm Nass-Schnee hingeschüttet. Allerdings ist es auch bei mir eine Melange aus neblig & grau.
    Chrysantheme. Gerbera, Nelke, Rose & Schleierkraut deuten aber schonmal auf die wärmere Jahreszeit. Selbst die Eule scheint sich in Richtung der Frühlingsecke zu neigen.

    bonté

    1. In Büchern reise ich immer gern in den hohen Norden und in frostige Eislandschaften. Im richtigen Leben bevorzuge ich dann aber doch mildere Temperaturen. 😉
      In Wien hat es vor ein paar Tagen auch noch mal kräftig geschneit – liegen geblieben ist aber nichts.

  5. Jetzt beneide ich dich fast ein bisschen – ich würde so gerne mal wieder richtig weltenbasteln, aber ich komme irgendwie nicht mehr rein.
    Aber ich freue mich natürlich weiterhin total, dass du wieder kreativ sein kannst! 😀

    1. Zugegeben, ich habe auch schon ewig keine Weltentexte mehr geschrieben und schrecke davor noch immer zurück. Vielleicht kommt das im Zuge der Kartenbastelei auch wieder.

      Ich hoffe, dass, es auch bei dir vielleicht bald wieder mit dem Weltenbasteln klappt. Aber dafür hast du in den letzten Jahren so eifrig geschrieben!

    2. Nachtrag: Noila ist übrigens eine Welt, in die ich noch immer regelmäßig zurückkehre. Ich finde es mittlerweile schwierig, in neue Welten hineinzufinden, aber in deine Beschreibungstexte tauche ich immer wieder gern ein!

  6. Hey,
    Ewowyn Ivey möchte ich auch unbedingt noch lesen, weil mir "Das Schneemädchen" so gut gefallen hat.

    Wie witzig, dass du Parcourspläne und Zuchtbücher gestaltet hast 🙂 Ich hatte das ja alles in Real Life und habe trotzdem gemeinsam mit meiner Freundin so etwas ähnliches entworfen. Wir hatten Bücher, in die wir Pferdebilder aus Zeitschriften einklebten, ihnen neue Namen gaben und ebenfalls Abstammung dazu schrieben. Und natürlich in welcher Sparte auf unserem hundert millionen Boxen großen Reiterhof sie eingesetzt wurden 😀 Dazu natürlich Reitstundenbücher, in die wir unsere Reitschüler + die Pferde, die sie reiten sollten eintrugen 😀 😀 😀

    Liebe Grüße,
    Nanni

    1. Ach wie schön, das habe ich auch alles gemacht früher! Einerseits mit meiner Freundin, als wir noch mit Playmobil gespielt und dann in Pferdezeitschriften passende Bilder für die Pferde gesucht haben, andererseits eben für meine Pferdegeschichten. Solche Reitstundenbücher hatten wir dann für unseren Playmobil-Reiterhof auch. 🙂

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