Graphic Novel Rezensionen

Kristina Gehrmann – Im Eisland 1. Die Franklin-Expedition

erschienen bei Hinstorff

 

Am 19. Mai 1845 brachen die beiden Expeditionsschiffe Erebus und Terror unter dem Kommando von Sir John Franklin in die Arktis auf, um die Nordwestpassage zu durchsegeln. Die Schiffe waren auf dem neuesten Stand der Technik, der Vorrat sollte die Mannschaft für mindestens drei Jahre versorgen können, die Männer waren voller Zuversicht und das Interesse der Öffentlichkeit enorm. 
Dennoch scheiterte die Expedition katastrophal – die Schiffe verschwanden im Eis und trotz groß angelegter Such-Expeditionen konnte niemand aus der Mannschaft gerettet werden. Es dauerte Jahre, ehe Spuren der Expedition entdeckt wurden und die Gründe für das Scheitern sind bis jetzt nicht restlos geklärt. 
 
Die Illustratorin Kristina Gehrmann erzählt die Geschichte dieser berühmten Tragödie als Graphic Novel bzw. Comic in drei Bänden, wobei der erste Band die Zeit vom Aufbruch bis zur ersten Überwinterung vor der Beechey- Insel schildert. „Im Eisland Band 1“ hat 2016 den deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Sachbuch erhalten, wobei man über die Einordnung sowohl unter Jugendliteratur als auch unter Sachbuch diskutieren kann.
 
Ich habe bekanntermaßen ein Faible für Polarforschung und kenne dementsprechend die Geschichte der Franklin-Expedition sehr gut, aber ich habe trotzdem Kristina Gehrmanns Umsetzung extrem spannend gefunden. Zunächst war ich skeptisch, ob die Geschichte als Comic funktionieren kann, aber das tut sie – und wie!
In vielen kleinen Szenen und detailreichen Zeichnungen wird der Alltag auf den beiden Schiffen beschrieben und man lernt auch rasch einige Mannschaftsmitglieder genauer kennen, wie etwa Commander James Fitzjames, Francis Crozier, Kapitän der Terror und den Schiffsjungen Tommy Evans. Die Autorin versteht es, mit ihren Zeichnungen sowohl die Gefühle der Männer als auch zwischenmenschliche Szenen einzufangen. Mir sind die Expeditionsteilnehmer sehr schnell ans Herz gewachsen und ich habe mich dabei ertappt, wie ich richtig mit ihnen mitgefiebert habe, obwohl mir ja das weitere Schicksal bekannt ist. 
 
 
Vom Zeichenstil her sind die Figuren eher simpel gehalten und manche von ihnen wirken zu kindlich, aber sie sind doch gut voneinander zu unterscheiden und man kann die verschiedenen Personen bald problemlos auseinanderhalten. Die polaren Landschaften sind toll gelungen – man kann die klirrende Kälte fast durch die Seiten spüren. 
 
Ich kann den Auftakt zu Gehrmanns Trilogie allen wärmstens empfehlen! Das Comic ist historisch gut recherchiert, bietet viel Hintergrundwissen und bringt einem die verschiedenen Expeditionsteilnehmer rasch näher. Die Geschichte ist spannend erzählt und hält eine sehr gut Balance zwischen Abenteuer, Humor, Trauer und drohender Gefahr. Ich kann es kaum erwarten, die nächsten beiden Bände zu lesen.

7 thoughts on “Kristina Gehrmann – Im Eisland 1. Die Franklin-Expedition

  1. Danke Neyasha, dass Du mir den Hinstorff Verlag in Erinnerung rufst und diesen Eisland-Comic. Ich hatte ihn auf der Verlagswebseite gesehen, aber er ist mir aus dem Blick geraten. Hm, ob ich auch "Der Unterwassertaucher" mitnehme?

    1. Bin gespannt, wie es dir dann gefällt.
      Bei uns gäbs die Bücher auch in der Bibliothek, aber da ich den ersten Band zu Weihnachten bekommen hab, hätte ich nun gern auch die weiteren Bände, um die Trilogie komplett zu haben.

  2. Ahoi, Neyasha.
    Wird im Bezug auf die verheerende Franklin-Expedition nicht vermutet, dass die Mannschaft auch unter schwerer Bleivergiftung gelitten haben muss, weil die mitgeführten Konserven mit Blei versiegelt waren?
    Oder bringe ich ein, zwei Forschungsreisen durcheinander!? 🙂

    "Wärmste Empfehlungen" sind für eine Geschichte im polaren Eis wohl sehr angebracht – denke ich. 🙂

    bonté

    1. Ja, Bleivergiftung ist eine der Annahmen, die vor ein paar Jahren als gesichert angesehen, in der neueren Forschung aber doch wieder bezweifelt wurde. Vermutlich war es eine Kombination aus mehreren Faktoren – und darunter auch Bleivergiftung (aber ev. nicht aufgrund der Konserven, sondern des Wassersystems auf dem Schiff).

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