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[Kurzrezensionen] Von Liebe, Tod und Einsamkeit

Claire Kann – Let’s Talk About Love

Alice hat das Gefühl, dass in ihrem Leben gerade alles schiefgeht: Ihre Freundin hat sich von ihr getrennt, weil Alice asexuell ist, ihre besten Freunde finden immer weniger Zeit für sie und ihre Eltern wollen ihr eine Karriere aufdrängen, an der Alice kein Interesse hat. Und gerade jetzt, da sie von der Liebe nichts mehr wissen will, lernt sie Takumi kennen, der sie völlig durcheinander bringt.

Es ist interessant, einmal ein romantisches Jugendbuch zu lesen, in dem die Heldin asexuell (und bi-romantisch) ist. Ich fand die Gefühle und Zweifel von Alice auch sehr nachvollziehbar beschrieben, aber trotzdem konnte mich der Roman nicht überzeugen. Denn auf allen anderen Ebenen fand ich das Verhalten von Alice ziemlich anstrengend. Sie meidet alle schwierigen Gespräche und Situationen so sehr, dass sie sogar tagelang Anrufe von ihrer Familie ignoriert, scheint völlig abhängig von ihren Freunden zu sein (bis zu einem Grad, dass mir die Freundschaften in diesem Buch extrem problematisch vorkamen) und bringt bei den ersten Begegnungen mit Takumi keinen einzigen geraden Satz mehr zustande. Oft hatte ich das Gefühl, als würde die Handlung komplett auf der Stelle treten und Takumi war mir viel zu perfekt, um ihn auch nur ansatzweise interessant zu finden. Alles in allem war das Buch einfach nicht das richtige für mich.

 

Frida Nilsson – Sasja und das Reich jenseits des Meeres

Da mich Siri und die Eismeerpiraten vor ein paar Jahren so begeistert hat, war ich sehr interessiert an Frida Nilssons neuem Buch – umso mehr, da sie hier erneut ein ernstes Thema in einem abenteuerlichen Kinderbuch aufgreift: Sasjas Mutter ist schwer krank und als sie eines Nachts verschwindet, ist ihm klar, dass der Tod sie entführt haben muss. Er folgt ihm bis in sein Reich jenseits des Meeres, um seine Mutter zurückzuholen.

Irgendwie wollte aber bei diesem Buch der Funke nicht überspringen. Die Autorin verknüpft hier die reale Welt mit einer Fantasiewelt, aber obwohl sich in den tierartigen Wesen, die diese besiedeln, Sasjas eigene Erfahrungen (etwa mit dem Hund des Nachbarn) widerspiegeln, kamen mir diese beiden Welten seltsam getrennt voneinander vor. Und obwohl Frida Nilsson wieder große Themen wie Tod, Freundschaft, Überwindung von Ängsten und Umgang mit Vorurteilen anspricht, mochte ich dieses Mal ihren Umgang mit diesen Themen nicht. Ich finde es schwer zu beschreiben, aber ich fühlte mich in dem Buch nicht gut aufgehoben, hatte Probleme damit, wie sie mit diesen Themen umgeht (für mein Dafürhalten teilweise zu phantastisch-skurril, teilweise zu brutal) und wusste am Ende nicht recht, was ich eigentlich aus diesem Buch für mich mitnehmen sollte. Trotz einer schön entworfenen Fantasiewelt und einigen spannenden Passagen war dieser Roman für mich eine Enttäuschung.

 

Doris Knecht – Wald

Es ist schon witzig: Während ich die beiden anderen Bücher dieser Kurzrezensionen so bewusst ausgesucht hatte, ist dieses mir zufällig in die Hände gefallen (eine Freundin hat es aussortiert) – und es hat mir als einziges von den drei hier besprochenen Büchern richtig gut gefallen.

Es geht darin um eine Frau, die einst ein erfolgreiches Leben als Designerin in der Stadt geführt hat und dann alles verloren hat. In ihrer Verzweiflung flieht Marian schließlich in ein altes, abgelegenes Haus, das ihre Tante ihr vererbt hat, und versucht sich hier selbst zu versorgen.

Doris Knecht stellt hier zwei gegensätzliche Lebensentwürfe einander gegenüber, die sie beide sehr kritisch beleuchtet. Sie stellt unsere Konsumgesellschaft an den Pranger, zeichnet aber zugleich auch kein Aussteigeridylle, denn Marian kämpft um ihr Überleben und wäre wohl ohne die (keinesfalls selbstlose) Hilfe des Großgrundbesitzers Franz schon verhungert oder erfroren. Ich habe es sehr spannend gefunden, wie präzise die Autorin die alltäglichen Kleinigkeiten schildert, die Marian anfangs beinahe das Genick brechen, die sie allmählich auch meistert. Ebenso präzise beschreibt sie das moderne Leben der gehobenen Mittelschicht, das Marian vorher in der Stadt geführt hat. Ganz ohne Klischees kommt der Roman nicht aus, aber da Doris Knecht diese ironisch, manchmal auch bewusst überzeichnet darstellt, haben mich diese nicht so sehr gestört.

2 thoughts on “[Kurzrezensionen] Von Liebe, Tod und Einsamkeit

  1. Obwohl dich „Sasja“ nicht so begeistern konnte, hört es sich für mich wirklich spannend an. Der Gerstenberg Verlag bietet ja oft besonders gestaltete Bücher. Ist das mit diesem hier auch so?

    Ich glaube, „Sasja“ und „Siri“ landen beide erstmal auf meiner Wunschliste!

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