Phantastisch Rezensionen

T.J. Klune – The House in the Cerulean Sea

erschienen bei Macmillan Audio
ungekürzte Lesung; gelesen von Daniel Henning

Seit Jahren arbeitet Linus Baker bei DICOMY, dem „Department in Charge of Magical Youth“ und überprüft Waisenhäuser für magische Kinder. Doch dann wird er jäh aus seinem Alltagstrott gerissen, als er auf eine Insel geschickt wird, um dort das Waisenhaus von Arthur Parnassus genauer unter die Lupe zu nehmen – und die sehr ungewöhnlichen Kinder, die dort leben.

„The House in the Cerulean Sea“ hat sich ein bisschen angefühlt wie Heiße Schokolade in Romanform. Es ist eine unglaublich süße, warmherzige Geschichte – und ja, die enthaltene Botschaft ist relativ simpel und der Plot nicht allzu raffiniert, aber das hat mich überhaupt nicht gestört, weil ich einfach eine so schöne Zeit mit dem Hörbuch hatte.

Linus ist ein ganz wunderbarer und eher untypischer Protagonist. Er ist etwa 40 Jahre alt und fügt sich schon fast sein halbes Leben lang pflichtbewusst in die bürokratischen Strukturen von DICOMY ein. Trotz seines Pflichtbewusstseins ist er aber auch selbst überzeugt von seiner Arbeit und sorgt sich wirklich um das Wohlergehen der magischen Kinder. Linus kämpft außerdem mit leichtem Übergewicht und es war interessant einmal eine männliche Figur zu haben, die mit ihrem Körperbild hadert – sonst ist das ja fast immer nur bei Frauen Thema.

Als Linus auf der Insel mit dem Waisenhaus von Arthur Parnassus ankommt, ist er zunächst nicht nur skeptisch, ob es sich hier wirklich um ein gutes Zuhause für die Kinder handelt, sondern er ist auch ein wenig überfordert von den äußert ungewöhnlichen Kindern. Es gibt hier nicht nur einen Gartenzwerg, ein Tentakelwesen und einen Wer-Spitz, sondern auch noch Lucifer höchstpersönlich. Und mit Regeln nimmt es hier niemand recht genau.

Nach und nach färbt die familiäre und freundliche Atmosphäre des Hauses auf Linus ab und es fällt ihm zunehmend schwer der objektive Beobachter zu bleiben. Dass er auch noch Gefühle für Arthur entwickelt, hilft da auch nicht eben. Klune nimmt sich sehr viel Zeit, den Alltag der Kinder zu beschreiben und obwohl da auf der Handlungsebene nicht wahnsinnig viel passieren mag, fand ich das sehr wichtig. Dadurch erlebt man nicht nur mit, wie Linus sich allmählich verändert und selbst offener und lockerer wird, sondern man lernt auch die Kinder (die absolut herrlich sind) in Ruhe kennen. Auch die sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Linus und Arthur wird sehr warmherzig und einfühlsam beschrieben.

Natürlich können die paradiesischen Zustände auf der Insel nicht anhalten und es ergeben sich bald Konflikte mit den Bewohnern des nahen Dorfes und mit DICOMY, aber der Roman behält dennoch die ganze Zeit seinen Wohlfühlcharakter, was ich sehr angenehm fand. Gut gefallen haben mir auch die Themen rund um Akzeptanz, Aufgeschlossenheit gegenüber dem Fremden und der Frage, was ein Zuhause ausmacht. Wie anfangs schon geschrieben, werden diese Botschaften recht simpel (und auch nicht allzu subtil) untergebracht, aber das passte auch zur Art der Geschichte.

Fazit: Ein ganz entzückender phantastischer Roman. Ich könnte nicht die ganze Zeit nur solche Bücher lesen, aber Heiße Schokoloade kann man auch nicht jeden Tag trinken und trotzdem ist sie in manchen Situationen genau das perfekte Getränk.

3 thoughts on “T.J. Klune – The House in the Cerulean Sea

  1. Oh, wie schön zu lesen, dass dir die Geschichte so gut gefallen hat! Ich schleiche um das Buch herum, seitdem das Hardcover angekündigt wurde. Aber ich wollte auf jeden Fall auf das Taschenbuch warten – und als das Ende letzten Jahres erschien, war es so teuer, dass ich mich nicht zum Kaufen durchringen konnte. Ich bin gar nicht darauf gekommen, dass ich mal nach einem Hörbuch schauen könnte, aber das werde ich gleich mal ändern und schauen, ob mir der Sprecher zusagt! 🙂

    Und natürlich bin ich gleich losgelaufen und habe mir die Hörprobe angehört, statt diesen Kommentar auch noch nach dem Schreiben abzuschicken. Immerhin kann ich nun vermelden: Hörbuch ist gekauft! 😉

      1. Danke. 🙂 Ich habe noch ein paar Stunden in meinem aktuellen Hörbuch und gerade relativ wenig Zeit zum Hören, aber ich freue mich schon auf die Geschichte.

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