
Margaret Atwood erzählt in zwölf Kurzgeschichten von Familien, Erinnerungen, Liebe, Ehe, Macht und (Selbst-)Täuschung. Die meisten der Geschichten schildern ganz alltägliche Situationen und werfen Blicke darauf, wie komplex und widersprüchlich menschliche Beziehungen sein können.
Spätestens seit der Verfilmung von „Der Report der Magd“ ist die kanadische Autorin Margaret Atwood in aller Munde. Ich habe von ihr bereits einige Romane gelesen, die mir alle sehr gut gefallen haben, und so wollte ich es nun einmal mit einer ihrer Kurzgeschichtensammlungen probieren. „Der Salzgarten“ ist bereits 1983 erschienen, wurde aber erst 1994 auf Deutsch übersetzt.
Die Einstiegsgeschichte, in der die Ich-Erzählerin einzelne Anekdoten aus dem Leben ihrer Mutter erzählt, fand ich gleich sehr stark. Weitere Höhepunkte waren für mich „Hurrikan Hazel“ über Jugenderinnerungen an einen Sommer und die erste Liebe sowie „Scharlachroter Ibis“, wo eine nicht ganz so glückliche Familie bei einem Urlaub in Trinidad einen desaströsten Bootsausflug unternimmt, um einen seltenen Vogel zu sehen.
Leider haben nicht alle Geschichten so gut für mich funktioniert. Manche fand ich zäh und ein paar über alle Maßen deprimierend, da die Beziehungen darin dermaßen zerrüttet sind und die Figuren so gefangen in ihrem Unglück und ihrem engen Leben. Fast alle erforschen aber sehr interessante (wenn auch nicht immer sympathische) Figuren und geben Stoff zum Nachdenken. Ich mag die präzise und schlichte Sprache der Autorin und den mitunter etwas bissigen Humor, der in vielen der Geschichten steckt. Da manche ein recht offenes Ende haben, muss man selbst Antworten auf die darin aufgeworfenen Fragen finden.
Alles in allem war es für mich ein sehr gemischtes Leseerlebnis, wie es bei Kurzgeschichtensammlungen natürlich gerne mal der Fall sein kann. Die Romane von Margaret Atwood haben mir durch die Bank besser gefallen, daher bleibe ich in ihrem Fall wohl lieber bei der Langform.