Jugendbuch Phantastisch Rezensionen

Cassandra Clare – City of Bones

Genre: Urban Fantasy
Verlag: Simon & Schuster Audio
Dauer: 14 Stunden 30 Minuten (ungekürzte Lesung)
gelesen von: Ari Graynor
ISBN: 978-0743566575
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

The Mortal Instruments 1

Die 15jährige Clary führt das ganz normale Leben eines Teenagers in New York, als sie plötzlich in einer Nacht mit Dämonen und Schattenjägern konfrontiert wird. Ihr eröffnet sich eine ganz neue Welt voller gefährlicher und seltsamer Wesen und unerschrockener Jäger, die diese bekämpfen – und ehe sie sich versieht, findet sie sich selbst mittendrin in einem Kampf, in dem sie und ihre Mutter eine maßgebliche Rolle spielen.
Ich hatte eigentlich nie vor, diese Serie zu lesen und bin eher durch Zufall in der Bücherei über die englischen Hörbücher gestolpert. Zum Glück, denn zumindest der erste Band hat mir besser gefallen als erwartet.
Ein bisschen Buffy, ein bisschen Harry Potter, ein bisschen auch Star Wars (in den Themen und Handlungsstrukturen) – Cassandra Clare hat mit ihren Mortal Instruments das Rad bestimmt nicht neu erfunden, aber es ist nicht die schlechteste Mischung aus Einflüssen, die man in ihrer phantastischen Welt findet. Große Überraschungen gibt es im Plot zwar nicht, aber es gab doch die eine oder andere interessante Wendung und eine Handlung, die gerade noch eigenständig genug ist, um neugierig zu machen.
Hatte ich hier eher Romantasy ala „Twilight“ erwartet, war ich völlig auf dem Holzweg. Stattdessen ist viel Action und ein teilweise recht hohes Tempo angesagt, während die spät beginnende Liebesgeschichte eher nur am Rand eine Rolle spielt. Und da, wo sie kurzfristig in den Mittelpunkt tritt, funktioniert sie sehr gut. Die Chemie zwischen Clary und Jace stimmt, die langsam wachsenden Gefühle sind nachvollziehbar beschrieben.
Das liegt maßgeblich daran, dass die Figuren klar und lebendig charakterisiert sind, nicht besonders vielschichtig, trotzdem aber stimmig und mit Entwicklungspotenzial. Mit Clary als schlagfertige und beherzte Heldin, die trotz ihrer Unerfahrenheit in dämonischen Angelegenheiten nur selten hilflos wirkt, ist Cassandra Clare kein großes Risiko eingegangen. Man kann fast nicht anders als sie zu mögen. Und Jace, dem ich zunächst als Inbegriff des düsteren Love Interest nicht allzu positiv gegenübergestanden bin, ist überraschend gut gelungen. Seine Unnahbarkeit und die ständige nach außen getragene Coolness sind angesichts seiner Vergangenheit nachvollziehbar, und die Fassade beginnt auch genau an den richtigen Stellen zu bröckeln.
Auch die Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet und bekommen genug Raum, um eine gewisse Persönlichkeit zu entwickeln.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen; er ist (wie so einiges) ein bisschen mit Harry Potter zu vergleichen – eine personale Perspektive mit einer gewissen Distanz. Zwar erlebt man alles aus der Sicht von Clary, aber man ist nicht immer ganz nah an ihr, was gerade in den actionreichen Szenen ganz gut funktioniert.
Den gesamten Roman durchzieht ein trockener Humor, der mich oft zum Schmunzeln gebracht hat (was mich bei der Autorin der Secret Diaries nicht überraschen sollte), auch wenn er für mich manches mal ein wenig aufgesetzt gewirkt hat. Es wirkt stellenweise so als wolle die Autorin jetzt besonders cool sein und nicht als wäre das in den Figuren motiviert. Man muss nicht jeder Gefahr mit einem markigen Spruch begegnen – zu Jace passt es, zu den anderen nicht immer.
Fazit: Insgesamt hat mir dieser rasante Serienauftakt gut gefallen. Er enthält so einige altbekannte Elemente, die aber auf eine sehr erfrischende Weise miteinander kombiniert werden. Trotzdem könnte er für meinen Geschmack etwas mutiger sein, etwas weniger „gefällig“. Da ich ja schon die Buffy-Anklänge erwähnt habe: Ein paar der Brüche mit der Erwartungshaltung, die man in Buffy so häufig findet, hätten auch „City of Bones“ gut getan.

10 thoughts on “Cassandra Clare – City of Bones

  1. Ich habe damals die ersten drei Teile für 3 Euro auf dem Flohmarkt gefunden, sie allerdings, nachdem ich kurz die ersten Sätze überfolgen habe, sofort an die kleine Schwester meines Freundes weiter verschenkt. Die war dann allerdings sofort süchtig und hatte schon eine Woche später die anderen Bände bestellt :p

  2. Ich finde die Reihe ja auch toll. Sollte demnächst wirklich mal weiterlesen, obwohl ich mir ja eigentlich vorgenommen hatte, zu warten bis der sechste Band draußen ist. *seufz*

    Jace wollte ich damals hin und wieder auch gern eins überbraten, weil er auch ein klein wenig gefühlskalt wirkte, aber je mehr Zeit er und Clary miteinander verbringen, um so mehr kann er die Leserschaft durch seine beschützerische, wenn auch einsame-Wolf-Art für sich gewinnen und je mehr man über ihn erfährt, umso mehr versteht man ihn auch.

    Eine wirklich schöne Geschichte. Hast du eigentlich vor, die restlichen Bände auch noch zu lesen?

    Liebe Grüße,
    Mandy

    1. Ich hab ja die nächsten beiden Bände auch noch als ungekürzte Hörbücher aus der Bücherei da, die werde ich also bestimmt noch lesen.
      Mal sehen, ob ich danach auch noch die "zweite" Trilogie lesen werde.

      Diese vermeintliche Gefühlskälte von Jace hat mir eigentlich ganz gut gefallen, vor allem, weil sie angesichts seiner Vergangenheit gut nachvollziehbar ist. Es war dadurch auch nicht gleich dieses offensichtliche "harte Schale weicher Kern".

  3. Wusstest du, dass Cassandra Clare zunächst Fan Fiction zu Harry Potter geschrieben hat? Ich finde, dass das insbesondere in einem Charakter deutlich wird, aber ich weiß noch nicht genau, wie weit die Geschichte im ersten Band fortgeschritten ist.
    Nur so viel: Ich habe mich sehr gefreut, eindeutige Parallelen zu lesen.

    1. Hm, ich weiß jetzt nicht, welchen Charakter du meinst, wobei ich in Valentine so gewisse Elemente eines gewissen Evil Overlords wiedererkenne. 😉 Wobei ich grad bei ihm auch recht deutliche Darth Vader-Anklänge gefunden habe.

      Ich weiß nur, dass Cassandra Clare die absolut herrlichen "Secret Diaries" der HdR-Gefährten geschrieben hat und es rund um sie mal eine recht unschöne Plagiatsdebatte gab. Vor allem letztere hat mich länger davon abgehalten, die Mortal Instruments zu lesen. Jetzt wollte ich es aber doch mal ganz unvoreingenommen probieren.

  4. Aber sowieso. 😉

    Jetzt weiß ich übrigens, wo der Kommentar hinverschwunden ist: Er ist beim Spam gelandet, weshalb auch immer. Ich frag mich, ob das passiert, wenn man vielleicht den Code falsch eingibt? In jedem Fall eine seltsame Sache.

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