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Erin Morgenstern – Der Nachtzirkus

Genre: Phantastischer Roman
Seiten: 464
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3550088742
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

Er taucht stets wie aus dem Nichts auf, der geheimnisvolle Nachtzirkus,
der seine Pforten immer erst nach Sonnenuntergang öffnet. Seine Zelten
entführen die Besucher in die unterschiedlichsten Welten, die alle
voller Faszination und Zauber sind. Doch hinter dem Zirkus verbirgt sich
noch deutlich mehr als man denken würde: Er ist Mittelpunkt eines
Duells zweier Magier, die diesen Wettkampf nicht selbst gewählt haben,
sondern von ihren Vätern dazu bestimmt wurden. Und es bleibt ihnen
nichts anderes übrig, als das Spiel mitzuspielen – egal, wie hoch der
Preis auch sein mag.

Manchmal stößt man auf ganz besondere Bücher, die man am liebsten gar
nicht zu Ende lesen würde, nur, damit sie nicht aufhören. Bücher, die
einen tatsächlich in eine eigene Welt eintauchen lassen und einen ganz
und gar verzaubern. „Der Nachtzirkus“ ist so ein Buch.
Beim Lesen habe ich mir sehnlichst gewünscht, ich könnte den Nachtzirkus
selbst betreten, all die Zelte erkunden und mich eine Nacht lang von
all der Magie dort einfangen lassen. Erin Morgenstern beschreibt all die
Wunder so anschaulich und zugleich geheimnisvoll, dass ich mich dem
Zauber dieses besonderen Schauplatzes nicht entziehen konnte.

Und im Grunde ist auch der Zirkus der eigentliche Protagonist des
Romans. Die menschlichen Hauptfiguren verblassen daneben fast ein wenig,
auch wenn ich sowohl Celia mit ihrem erfrischenden, oft unbeschwerten
Wesen als auch den ernsthaften Marco bald in mein Herz geschlossen habe.
Da der Roman aber in permanenten Zeitsprüngen erzählt wird, ist es
schwer, wirklich nahe an die Figuren heranzukommen. Seltsamerweise hat
mich das aber gar nicht gestört. Anfangs muss man sich an diese
Erzählweise zwar erst einmal gewöhnen, aber mit der Zeit verursachen die
raschen Zeit- und Ortswechsel keine Probleme mehr.
Auch wenn man den Figuren eher fern bleibt, fiebert man doch mit ihnen
mit. Es ist spannend zu beobachten, wie unterschiedlich die beiden an
das Duell herangehen. Die Liebesgeschichte, die sich schließlich
entwickelt, nimmt deutlich weniger Raum ein, als der Klappentext
vermuten lässt, ist aber dennoch etwas ganz besonderes. Einen
romantischen Roman in dem Sinn sollte man aber nicht erwarten.

Was die eigentliche Handlung und die Rolle des Nachtzirkus betrifft, so
lässt Erin Morgenstern ihre Leser erst einmal im Dunkeln. In der ersten
Hälfte des Romans kam es mir vor als würde ich ebenso im Dunkeln tappen
wie Celia und Marco. Doch nach und nach wird klar, was das Ziel ist und
wie sich alle Puzzleteile ineinander fügen.
Dadurch liegt auch die Spannung des Romans eher in diesen Rätseln und
weniger in einer actionreichen Handlung. Man muss schon bereit sein,
sich auf die eher leisen Töne dieses Buches einzulassen, um „Der
Nachtzirkus“ wirklich genießen zu können. Und man muss sich auch Zeit
nehmen beim Lesen, da der Roman nicht unbedingt dazu geeignet ist,
schnell „verschlungen“ zu werden.

Mir ging es beim Lesen die meiste Zeit wie den Besuchern: Ich war wie
verzaubert, bestaunte all die Magie und die technischen Wunder und
verspürte eine tiefe Sehnsucht, länger in dem Zirkus verweilen zu
können.
Beim Schreiben dieser Rezension werde ich bereits wieder wehmütig, weil
ich wieder zurückmöchte in jene zauberhafte Welt und den Roman gerne
noch einmal zum ersten Mal erleben würde. Bestimmt werde ich ihn
irgendwann wieder lesen, aber das ist meistens eben doch nicht dasselbe
wie die erste Begegnung, bei der man noch nicht weiß, was einen
erwartet. Und ich beneide alle, die diese erste Begegnung noch vor sich
haben. Genießt sie!

6 thoughts on “Erin Morgenstern – Der Nachtzirkus

  1. Ich habe es mir schon vor einer Weile gekauft, vor allem, weil mich das Cover schon magisch angezogen hat, aber die erste Begegnung steht noch aus. Nach deiner Rezension bin ich nun sehr gespannt, was mich erwartet!

  2. Mir machst du den Mund auch schon ganz wässrig. Das Buch habe ich mir auf englisch vor einigen Monaten schon gekauft, aber bis heute noch nicht reingeguckt. Vielleicht wird´s so langsam wirklich mal Zeit 😉

  3. Also ich persönlich kann den Roman auch nur wärmstens empfehlen. Er ist halt schon recht "speziell" und vielleicht nicht jedermanns Fall. Aber so ist das ja immer mit Büchern. 😉
    Ich hoffe, dass euch der Nachtzirkus gefällt!

    1. Allzu kompliziert finde ich den Roman eigentlich nicht, es könnte nur problematisch sein, den Zeitsprüngen zu folgen. Im Buch hab ich da schon das eine oder andere Mal zurückgeblättert, um nochmal vergleichen zu können, wieviel Zeit da nun seit dem letzten Kapitel vergangen ist.
      Aber andererseits ist es vielleicht auch nicht unbedingt notwendig, dass man das immer so genau weiß. In jedem Fall wünsch ich dir viel Freude mit dem Hörbuch!

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