Historisch Phantastisch Rezensionen

Juliet Marillier – Das Kind der Stürme

Genre: Historische Fantasy
Verlag: Audible
Dauer: 26 h 27 min (ungekürzte Lesung)
gelesen von: Tanja Geke
meine Bewertung: 2,5 von 5 Sternchen


In dem 3. Band der Sevenwaters-Reihe geht es um Fainne, die Tochter von Ciaran und Niamh, die in Kerry beinahe in völliger Abgeschiedenheit aufwächst. Sie wird von ihrem Vater in Zauberei ausgebildet – und von ihrer Großmutter Oonagh, die Fainne als das willkommene Werkzeug betrachtet, um die Familie von Sevenwaters endlich zu vernichten. Damit stürzt sie Fainne in einen fürchterlichen Zwiespalt: Soll sie dem Willen ihrer Großmutter gehorchen oder sich gegen sie stellen und damit den Zorn der Zauberin auf jene ziehen, die Fainne nahestehen?
„Das Kind der Stürme“ ist deutlich mehr ein Fantasyroman als die beiden Vorgänger. Zu Verzauberungen und gewissen magischen Fähigkeiten wie etwa im 2. Band die stumme Verständigung zwischen Liadan und Sean gesellen sich nun tatsächliche Zauberei, Gestaltwandel und die ständige Präsenz alter magischer Völker wie die Fomoraig und die Tuatha de Dannan.
Auf diese stärkere magische Ausrichtung habe ich mich dank einiger Rezensionen bereits vorher eingestellt und doch wurde es mir im Laufe des Romans zuviel, scheint mit Zauberei doch beinahe alles möglich zu sein.
Dabei ist der Anfang, als Fainne von ihrem Vater in der Zauberkunst unterrichtet wird, schön gelungen und fügt sich auch im Kontext der gesamten Trilogie gut ein. Auch sonst fand ich den Anfang deutlich stärker als den Rest des Romans, führt er doch mit Fainne eine sehr vielversprechende Heldin ein, die deutlich ambivalenter erscheint als jene der Vorgängerbände. Leider führt Marillier aber Fainnes Charakter nicht konsequent weiter, als hätte sie letztendlich Angst davor gehabt, ihre Heldin mit wirklichen charakterlichen Makeln zu behaften. Während also Fainne zunächst den Eindruck macht, als hätte sie tatsächlich einen Hang zu Machtmissbrauch und schlimmen Taten, wird sie später zu der üblichen aufopfernden Frau, wie ich sie schon aus den ersten beiden Bänden kannte. Alles, was sie an schlimmen Taten verübt, wird alleine auf den Einfluss ihrer Großmutter und die verzwickte Lage, in die sie ihre Enkelin bringt, zurückgeführt. Wirkt Fianne anfangs in mancher Hinsicht recht egoistisch und geltungssüchtig, wird sie später völlig selbstlos. Leider liest sich das nicht wie eine langsame und nachvollziehbare Entwicklung, sondern eher sprunghaft.
Gerade, weil ich Fainne anfangs mit ihren dunklen Seiten so interessant fand, hat es mich genervt, dass aus ihr die gleiche aufopfernde Heldin wurde, wie man es schon von Sorcha und Liadan kennt – sogar in einem noch stärkeren Maße.
Was den Plot um das schon früher erwähnte Kind der Prophezeiung betrifft, fand ich es etwas anstrengend, dass für mich als Leserin gewisse Dinge von Beginn an zu durchschauen waren, während Fainne und auch die anderen bis zum Showdown brauchen, um endlich zu begreifen.
Schön war es dagegen, all den altvertrauten Figuren zu begegnen und zu sehen, was aus ihnen geworden ist. Auch einige neu eingeführte Figuren wie Seans Töchter konnten mich überzeugen, während ich mit Fainnes Love Interest Darragh ebenso meine Probleme hatte wie mit Oonagh, die wie eine klischeehafte böse Hexe aus einem Disneyfilm wirkte. Dass sie dabei auch noch strunzdumm ist und unfähig, irgendwelche Zusammenhänge zu erkennen, macht die Sache nicht gerade besser.
Mein Hauptproblem mit dem Roman waren also die Figuren, allen voran die Ich-Erzählerin Fainne. Auch mit der Sprache hatte ich ab und an zu kämpfen, da die Autorin manche Phrasen unzählige Male wiederholt, so etwa „Ich war die Tochter eines Zauberers“ und „Die von meiner Art können nicht weinen“ in verschiedenen Variationen. Außerdem sind alle Figuren ständig bleich und werden dann in diversen Situationen noch viel bleicher, was ganz besonders beim Showdown auffällt. Wenn dann auch noch bleiche Wangen „zart gerötet“ sind, fragt man sich allerdings, ob der Roman vielleicht einfach nur schlecht übersetzt ist.
Dass ich den Roman dennoch zu Ende gehört habe, liegt in erster Linie daran, dass ich die Familie von Sevenwaters liebgewonnen habe und es einfach schön war, wieder über Liadan, Connor und schließlich auch Finbar zu lesen. Außerdem hat der Roman für mich trotz aller Kritikpunkte einen gewissen Sog entwickelt, dem ich mich nicht gänzlich entziehen konnte.
Leider hat mir das Ende gar nicht gefallen, aber darüber kann ich nun nichts schreiben, ohne nicht massiv zu spoilern.
Mit „Das Kind der Stürme“ hat die erste Trilogie von Sevenwaters einen nicht unbedingt würdigen Abschluss gefunden. Daher stellt sich für mich die Frage, ob ich mich auf die „neue“ Trilogie, in der es um die Töchter von Sean geht, überhaupt noch einlassen soll.
In der Hoffnung, dass darin erneut der Zauber des 1. Bandes entfacht werden kann, werde ich den weiteren Bänden aber vielleicht doch noch eine Chance geben.

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