Entwicklungsroman Rezensionen

Pamela Moore – Cocktails

erschienen bei Piper

 

Pamela Moore war erst achtzehn Jahre alt, als sie den Coming-of-Age-Roman „Cocktails“ schrieb und dieser daraufhin in den USA ein Kultbuch der Jugendlichen in den 50er Jahren wurde. Ihre nachfolgenden Romane blieben allerdings erfolglos und mit nur sechsundzwanzig Jahren beging die Autorin Selbstmord. 
Hierzulande geriet sie daraufhin in Vergessenheit, bis Piper das Buch in neuer Übersetzung von Tanja Handels herausbrachte. 
 
Der Roman erzählt von der fünfzehnjährigen Courtney, die ein Internat an der Ostküste besucht, während ihre Mutter in Hollywood damit beschäftigt ist, sich eine Schauspielkarriere aufzubauen. Als Courtney nach Problemen in der Schule das Internet verlässt und zu ihrer Mutter zieht, wird sie mit hineingezogen in eine Welt voller Parties und Alkohol.
Courtney, die schon im Internat zu Depressionen neigte, verliert in dieser Scheinwelt ganz den Halt. Sie will einerseits Kind sein und leidet darunter, dass ihre Mutter keine wirkliche Verantwortung übernehmen will; andererseits versucht sie Teil der Erwachsenenwelt zu sein und stürzt sich nicht nur in das Partyleben voller Cocktails, sondern lässt sich auch auf eine Affäre mit einem Schauspieler ein.
 
Courtney
zieht schließlich mit ihrer Mutter nach New York, wo alles in
geregelteren Bahnen verlaufen soll und wo sie stattdessen mit ihrer
früheren Freundin Janet ins New Yorker Nachtleben eintaucht. Sie ist einerseits beeindruckt von der vermeintlichen Weltgewandtheit von Janets älteren Freunden und empfindet andererseits an der Langeweile und Sinnlosigkeit angesichts der gleichförmigen Parties und Alkoholexzesse. Erneut also fühlt sie sich zerrissen und weiß nicht, wie sie ihren Platz im Leben finden soll.
 
Dieses Zerrissensein beschreibt Pamela Moore sehr eindringlich und wenn man sich die Biografie der Autorin genauer ansieht, liegt die Vermutung nahe, dass der Roman auch starke autobiografische Züge aufweist.
Den Schreibstil habe ich nicht als kindlich empfunden, aber die Art und Weise, wie die Autorin Courtneys Gefühle und Gedanken beschreibt, wirkt so unmittelbar und ungefiltert, dass hier doch das jugendliche Alter durchschimmert. Auf der einen Seite stehen die Unbekümmertheit und kindliche Denkweise von Courtney, auf der anderen Seite Weltschmerz, Melancholie und die Ängste eines heranwachsenden Mädchens.
Courtneys Entwicklungsgeschichte selbst ist durch die Schilderung all dieser Gefühle und Probleme gewissermaßen zeitlos, obwohl der Roman klar in seiner Epoche verankert ist.
 
Ich fand den Roman interessant zu lesen und als Debüt einer Achtzehnjährigen auf jeden Fall beeindruckend, auch wenn ich mit Courtneys Lebensstil (all die Parties und der Alkohol) nicht viel anfangen konnte. Eine lohnenswerte Coming-of-Age-Geschichte, bei der ich mir allerdings nicht sicher bin, ob sie auch heutzutage noch Jugendliche ansprechen würde.

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