Krimi/Thriller Rezensionen

[Kurzrezensionen] Vom Abstellgleis nach Alaska

Sophie Hénaff – Kommando Abstellgleis

Anne Capestan, die vom Dienst suspendiert wurde, nachdem sie einen Verdächtigen erschossen hat, soll eine neue Brigade leiten. In dieser landen alle unliebsamen Mitarbeiter, die nicht gekündigt werden können – und hier landen alle ungelösten Fälle der letzten Jahre, um die Statistiken der anderen Brigaden aufzupolieren.

Sophie Hénaffs erster Band einer französischen Krimiserie lebt von seiner skurrilen Ermittlertruppe. Die Mitarbeiter der neuen Brigade landen hier alle aus ganz unterschiedlichen Gründen und haben auch alle ihr eigenes Päckchen zu tragen. Im Laufe des Romans lernt man ihre Hintergründe nach und nach kennen und ich habe fast alle von ihnen ins Herz geschlossen. Unter der Leitung der resoluten Anne Capestan, die sich von den widrigen Umständen nicht unterkriegen lassen will, rollen sie einen recht brisanten Fall auf, der sie schließlich bei den Ermittlungen bis in die eigenen Reihen führt.

Ich hatte meine Freude mit diesem humorvollen und warmherzigen Krimi. Der Fall selbst hat mich nicht immer überzeugt, aber die Figuren konnten alle Unstimmigkeiten wieder wettmachen.

 

Sophie Hénaff – Das Revier der schrägen Vögel

Im zweiten Band rund um die Sonderbrigade unter der Leitung von Anne Capestan geht es erneut um einen brisanten Fall, der die bunte Truppe nicht nur in ein wahres Wespennest stechen lässt, sondern für Anne auch in ihre eigene private Vergangenheit führt.

Die Autorin konzentriert sich hier noch stärker als im ersten Band auf ihre Figuren und verliert dabei leider mitunter fast die Handlung aus den Augen. Obwohl ich mit den illustren Ermittlern wieder meine Freude hatte, war mir hier die Handlung doch etwas zu dünn und ich fand auch den Kriminalfall nur mäßig spannend. Mir hat der Roman zwar gefallen (besonders das Weihnachtskapitel), aber mit dem ersten Band konnte er nicht ganz mithalten. Falls die Reihe fortgesetzt wird, würde ich zwar weiterlesen, beim nächsten Band aber doch einen etwas komplexeren Krimiplot erwarten.

 

Rosamund Lupton – Lautlose Nacht

Die Britin Yasmin reist mit ihrer zehnjährigen Tochter Ruby nach Alaska, wo ihr Mann Matt beruflich tätig ist. Aber in Alaska angekommen, erfährt sie, dass Matt bei einem Brand in einem Dorf hoch im Norden ums Leben gekommen ist. Aber Yasmin zweifelt an der Geschichte und bricht mit Ruby in den Norden auf.

Das Setting hat mich zu diesem Roman gelockt, der mir aber leider nur mittelmäßig gut gefallen hat. Die Reise durch die Polarnacht in einem Truck, während sich offensichtlich jemand auf Yasmins Fersen geheftet hat, wird atmosphärisch und fesselnd beschrieben. Außerdem ist Ruby, die gehörlos ist, eine sehr interessante Perspektiventrägerin. Dazu wird das Thema „Fracking“ kritisch beleuchtet, was eine zusätzliche spannende Komponente in den Roman bringt.

Leider lässt aber der Realismus in diesem Roman teilweise stark zu wünschen übrig. Dass Yasmin sich auf eigene Faust auf die Suche nach Matt macht und dabei ihre Tochter in Lebensgefahr bringt, ist ebenso unglaubwürdig wie die Tatsache, dass sie problemlos einen Vierzigtonner (samt Fracht) über eine eisige Piste steuert. Auch der Showdown war nicht wirklich nachvollziehbar, obwohl die Auflösung an sich stimmig ist. Alles in allem ist mein Eindruck von dem Roman recht durchwachsen und ich kann ihn nur bedingt weiterempfehlen.

1 thought on “[Kurzrezensionen] Vom Abstellgleis nach Alaska

  1. Servus, Neyasha.
    Vom letzten Titel ist eher anzunehmen, dass es sich um einen Thriller, denn um ein Drama, handelt. Zu erfahren, dass der eigene Mann tödlich verunglückt ist, sollte der Protagonistin heftig zusetzen. Es sei denn sie hätte ernsthafte Zweifel daran. Und selbst dann…
    Stimmt – ein wenig übers Knie gebrochen!
    Solange Yasmin den Lastzug lediglich geradeaus, bei ebener Fahrbahn steuern muss, wäre es machbar. So wie Du es anmerkst scheint es allerdings mehr eine typische Action-Einlage zu sein. 🙂
    bonté

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