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[Kurzrezensionen] Drei frostig-verschneite Romane

Philip Pullman – Once Upon a Time in the North


Bei diesem Kurzroman handelt sich sich um eine Art Vorgeschichte zu „His Dark Materials“. Der Aeronaut Lee Scoresby reist hier erstmals nach Novy Odense, eine Hafenstadt in der Barentsee, und ehe er sich versieht, verstrickt er sich in einen lokalen Konflikt, bei dem ihm der Eisbär Iorek Byrnison zu Hilfe kommt.

Es ist Jahre her, seit ich „His Dark Materials“ gelesen habe und so war ich etwas skeptisch, ob ich gut in diese Geschichte hineinfinden würde. Tatsächlich ist aber keinerlei Vorwissen notwendig, da es abgesehen von den bekannten Figuren keinen direkten Zusammenhang zu den Trilogie gibt. Ich hatte sehr viel Freude mit dem arktischen Setting, da ich für so etwas einfach eine Schwäche habe – und ich finde, dass Pullman Novy Odense auch sehr überzeugend zum Leben erweckt. Der Plot selbst ist auch interessant, wobei es mir zum Ende hin etwas zu actionlastig wurde. Hierzu muss ich sagen, dass ich nicht der größte Fan von Action- bzw. Kampfszenen bin, da ich bei diesen gerne den Überblick verliere und dementsprechend Schwierigkeiten habe hineinzufinden. Daher hat mir die erste Hälfte des Buches deutlich besser gefallen als die zweite, aber das liegt ganz an meinen persönlichen Vorlieben.

Erwähnenswert ist auch noch die wundervolle Ausstattung dieser Ausgabe des Buches. Es ist fadengebunden, enthält eine ganze Reihe von Illustrationen und das Spiel „The Peril of the Pole“, das ich zwar noch nicht ausprobiert habe (es handelt sich um eine Variante des Gänsespiels), das aber rein von der Gestaltung her eine echte Augenweide ist.

 

Sarah Morgan – Die Zeit der Weihnachtsschwestern

Suzanne McBride kann es kaum glauben: Zum ersten Mal seit langem werden alle drei Töchter Weihnachten bei ihr in den schottischen Highlands verbringen. Nichts wünscht sie sich so sehnlich als mit ihnen das perfekte Weihnachtsfest zu verbringen – aber die drei Schwestern haben nicht nur mit Konflikten untereinander, sondern auch mit ihren ganz persönlichen Problemen zu kämpfen.

In der Adventszeit war ich auf der Suche nach einer netten Weihnachtslektüre und da kam mir dieser Roman wie gerufen. Und obwohl das sonst nicht so meine Art von Buch ist, habe ich die Lektüre sehr genossen. Die drei Schwestern könnten unterschiedlicher nicht sein und dementsprechend unterschiedlich sind auch die Probleme, mit denen sie sich herumschlagen: Beth fühlt sich nur noch auf ihre Rolle als Mutter reduziert und sehnt sich danach wieder arbeiten zu gehen; Hannah möchte niemanden an sich herankommen lassen und weiß nicht, wie sie damit umgehen soll, dass ihr Arbeitskollege sich in sie verliebt hat; Posy, die ihre Heimat nie verlassen hat, weiß nicht, wie sie ihrer Mutter beibringen soll, dass sie sich zuhause eingeengt und gefangen fühlt.

Natürlich ist „Die Zeit der Weihnachtsschwestern“ ein recht typischer Familienroman, aber ich war doch überrascht, wie einfühlsam und auch ernsthaft Sarah Morgan die Konflikte beschreibt. Obwohl die drei Schwestern so einigen Klischees entsprechend, sind sie trotzdem runde und interessante Figuren, die mir alle auf ihre Weise sehr sympathisch waren. Zwar hat sich dann einiges schneller in Wohlgefallen aufgelöst als ich es realistisch gefunden hätte, aber zur Weihnachtsthematik hat das durchaus gepasst. Trotz einer Portion Kitsch also ein herzerwärmender Roman, der perfekt für lange Winterabende geeignet ist.

 

Lenz Koppelstätter – Der Tote am Gletscher

Noch einmal Weihnachtszeit, aber dieses Mal der Auftakt zu einer Krimiserie: In einer stürmischen Nacht im Dezember stolpert Skipisten-Toni über die Leiche eines Einsiedlers – nicht nur ganz in der Nähe der Stelle, an der Jahre zuvor Ötzi gefunden wurde, sondern noch dazu mit einer Pfeilspitze in der Schulter wie die weltberühmte Mumie. Commissario Grauner und sein junger Kollege Saltapepe reisen aus Bozen an, um den rätselhaften Fall aufzuklären.

Ich habe vor ein paar Jahren diesen Krimi schon einmal abgebrochen. Damals hatte ich das Hörbuch aus der Bücherei ausgeliehen und konnte nicht recht hineinfinden. Als ich nun über Silvester in Bozen war und dort in der Buchhandlung nach zum Urlaub passender Lektüre gestöbert habe, hatte ich Lust, es noch einmal mit diesem Krimi zu versuchen. Und ich weiß nicht, ob es am Sprecher des Hörbuchs lag oder ob damals einfach der falsche Zeitpunkt war, aber dieses Mal hat mich der Roman von Beginn weg gefesselt. Gut, er bedient einige Klischees mit dem mürrischen Grauner und dem aus Süditalien stammenden Saltapepe, der sich in den Südtiroler Bergen völlig fehl am Platz fühlt, aber das Setting war sehr anschaulich beschrieben und der Kriminalfall hat mir richtig gut gefallen. Beide Ermittler tragen zudem Geheimnisse mit sich herum, auf die ein wenig penetrant angespielt wurde, die mich aber doch so neugierig gemacht haben, dass ich die Krimireihe vermutlich weiterlesen werde.

6 thoughts on “[Kurzrezensionen] Drei frostig-verschneite Romane

  1. „Die Zeit der Weihnachtsschwestern“ hört sich wirklich sehr nett an. Ich glaube, das Buch merke ich mir mal für Ende des Jahres.
    Leider komme ich in der Vorweihnachtszeit oft viel seltener zum Lesen als ich gerne würde.

    1. Vielleicht passt es ja in der nächsten Vorweihnachtszeit bzw. im Winter. Auch wenn der Roman zur Weihnachtszeit spielt, denke ich, dass er sich auch ganz allgemein für den Winter eignet (sofern man überhaupt eine „Jahreszeitenleserin“ ist).

      1. Die „Die Zeit der Weihnachtsschwestern“ habe ich mir nach dem Lesen der Rezensionen auch auf meine „Merkliste für Weihnachtsgeschichten“ gesetzt. *g*

        @Tine: Vielleicht sollten wir ein gemeinsames Lesen Anfang Dezember daraus machen, damit wir das auf die Reihe bekommen? 😉

        1. Neyasha: Ich glaube, ich bin nicht zwingend eine Jahreszeitenleserin, aber Weihnachts- oder Winterbücher kann ich vermutlich tatsächlich nur dann lesen – während ein Sommerbuch eher auch mal im Winter oder Herbst gehen würde.

          Konstanze: Oh ja, das hört sich doch nach einem tollen Plan an. Das machen wir. <3

        2. Das ist bei mir ähnlich, Tine. Derzeit lese ich ein Sommerbuch, während ich im Sommer nicht unbedingt Weihnachtsbücher lesen mag.
          Ich bin gespannt, ob ihr es nächsten Advent tatsächlich lesen werdet.

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