Klassiker Rezensionen

Selma Lagerlöf – Die Saga von Gösta Berling

erschienen bei Die Andere Bibliothek

 

Värmland um 1820: Die Majorin beherbergt auf ihrem Gut eine Gruppe von „Kavalieren“ – ehemalige Offiziere, verarmte Adelige und der ehemalige Pfarrer Gösta Berling. Sie verbringen ihre Tage mit Feiern, Musizieren, Kartenspielen und kleinen Liebesabenteuern, bis sie sich vom Teufel verführen lassen und mit ihm für ein Jahr einen Pakt schließen.

Von diesem einen Jahr erzählt das Erstlingswerk von Selma Lagerlöf, das 1891 publiziert wurde. Der Roman ist episodenhaft aufgebaut und erzählt sowohl von den Kavalieren und ihren Schicksalen als auch von den Menschen rund um Ekeby, deren Geschichten mehr oder weniger mit dem Leben der Kavaliere verknüpft sind. Dieses Kaleidoskop an Geschichten gibt einen guten Einblick in das schwedische Landleben im 19. Jahrhundert und auch die Landschaft von Värmland. Neben sehr bodenständigen Ereignissen werden auch schwedische Sagen und abergläubische Vorstellungen mit eingeflochten wodurch einige der Episoden einen märchenhaften oder phantastischen Charakter erhalten.

Obwohl der Roman so viele Geschichten und Figuren vereint, steht im Mittelpunkt doch klar Gösta Berling, ein charmanter Hallodri, der mit seiner Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit einige Menschen ins Unglück stürzt und dem man doch nie so recht böse sein kann. Er wird zum Ende hin natürlich geläutert – aber nicht, ohne dass die Autorin dabei noch den mahnenden Zeigefinger erhebt (wie auch an anderen Stellen mehrmals). Tatsächlich hat mich diese moralisierende, pädagogische Ansatz hier mehr gestört als bei Nils Holgersson.

Auch sonst konnte Gösta Berling mich nicht so begeistern wie die Reise des kleinen Jungen mit den Wildgänsen. Ich habe einige der Episoden sehr gerne gelesen, konnte aber dafür mit anderen gar nichts anfangen und konnte mich manchmal nur schwer zum Weiterlesen aufraffen. Ich will nicht sagen, dass mir der Roman nicht gefallen hat, aber er war doch teilweise etwas zäh zum Lesen und ich hatte den Eindruck, dass die Verflechtung von Einzelschicksalen, Landschaftsbeschreibungen und Volkssagen hier noch nicht so gut gelungen ist.

Trotz der interessanten Einblicke in Sitten und Lebensweise um 1820 in Schweden, kann ich „Gösta Berling“ daher nur bedingt empfehlen.

2 thoughts on “Selma Lagerlöf – Die Saga von Gösta Berling

  1. Vielleicht hat es also doch einen Grund, das Nils Bekanntheitsgrad größer ist als der von Gösta Berling. 😉 Ich finde die Grundidee auf jeden Fall schon seltsam – wobei das ja nichts sagt und grundsätzlich zeitgemäße Beschreibungen vom Leben auf dem Land spannend sein können – und deine Rezension macht mir auch wenig Lust zu dem Titel zu greifen. Hast du dir noch mehr Titel von der Autorin vorgenommen?

    1. Dabei war Gösta Berling nach einer gewissen Anlaufzeit ja sehr erfolgreich und der Grund, weshalb Selma Lagerlöf überhaupt den Auftrag zu Nils Holgersson bekommen hat. Aber ich habe das Gefühl, dass der Roman nicht gut gealtert ist.
      Ob ich noch mehr von der Autorin lesen möchte, weiß ich noch nicht. Gösta Berling und Nils Holgersson sind eigentlich die einzigen Titel, die mir ein Begriff sind, obwohl sie noch eine ganze Reihe weiterer Werke veröffentlicht hat.

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