Entwicklungsroman Rezensionen Sachbuch

[Kurzrezensionen] Von Gabeln, Charley und Kim Novak

Bee Wilson – Am Beispiel der Gabel

erschienen bei Suhrkamp/Insel

Die britische Autorin Bee Wilson beleuchtet in diesem Buch die Geschichte der Koch- und Esswerkzeuge, von Gabeln über Pfannen bis hin zu Kühlschränken. Es handelt sich dabei um ein sehr unterhaltsames Buch, in dem man allerlei Wissenswertes und mitunter auch Kurioses oder Witziges erfährt. Mitunter fand ich das Buch vom Aufbau her ein wenig konfus – es kam immer wieder zu Wiederholungen und teilweise machte die Autorin Sprünge, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Das und die Tatsache, dass die Konzentration doch sehr stark auf dem britischen Raum liegt, fand ich ein wenig schade. Abgesehen davon hat mir das Buch aber gut gefallen und ich habe darin auch so einiges gelernt, wovon ich vorher noch nie gehört hatte, z.B. dass der bei Menschen übliche Überbiss möglicherweise mit dem Aufkommen von Gabeln zusammenhängt.

Eine amüsante und großteils kurzweilige Abhandlung über Utensilien, die wir tagtäglich verwenden und deren Geschichte wir doch oft kaum kennen.

 

John Steinbeck – Die Reise mit Charley. Auf der Suche nach Amerika

erschienen bei dtv

Im Herbst 1960 begab sich der Schriftsteller John Steinbeck mit seinem Pudel Charley in einem umgebauten Pickup-Camper namens „Rosinante“ auf eine Reise durch die Vereinigten Staaten.

In diesem Reisebericht, der stellenweise aber wohl auch fiktional ausgeschmückt sein dürfte, beschreibt Steinbeck die elf Wochen seiner Reise. Diese führte ihn durch Neuengland in den Norden nach Maine und dann an der kanadischen Grenze entlang nach Seattle, von wo er dann die pazifische Küste entlang nach Süden fuhr und schließlich durch die Südstaaten den Kreis schloss. Seine Erzählung beginnt gemächlich, mit kleinen Etappen im Norden, bis seine Etappen allmählich immer länger und sein Erzähltempo auch schneller wird. New Orleans schließlich wurde er Zeuge einer Demonstration weißer Frauen gegen schwarze Schulkinder (die Hintergründe lassen sich hier nachlesen), die ihn so erschütterte, dass er danach die Reise nicht wie geplant fortführte, sondern auf dem kürzesten Weg nach Hause zurückfuhr.

Es ist sehr interessant, von Steinbecks Erlebnissen und seinem Blick auf die USA zu lesen; besonders spannend fand ich seine Begegnung mit seiner alten Heimat Salinas und Monterey, wo er nur schwer mit den Veränderungen umgehen konnte, die es dort in den letzten Jahren gab. Interessant fand ich auch seine oft vergeblichen Versuche, mehr über die (politischen) Ansichten der Menschen, denen er unterwegs begegnete, zu erfahren. Ein lesenswertes, aber eher knappes Porträt der USA, in dem Steinbeck viele Streckenteile überspringt – ich hätte gern mehr erfahren.

 

Håkan Nesser – Kim Novak badete nie im See von Genezareth

erschienen bei btb

Schweden in den 60er Jahren. Der 14jährige Erik, dessen Mutter im Sterben liegt, und sein Freund Edmund verbringen gemeinsam mit Eriks älterem Bruder den Sommer in einem kleinen Ferienhaus, genannt „Genezareth“. Die beiden Jungs schwärmen von der jungen Aushilfslehrerin Ewa, die wie Kim Novak aussieht – und einen ungeahnten Aufruhr in ihren Sommer bringt.

Håkan Nesser, der vor allem für seine Krimireihe rund um Kommissar Van Veeteren bekannt ist, beschwört in diesem Roman das nostalgische Bild eines Sommers herauf. Trotz der Schwierigkeiten, mit denen die beiden Jungs zu kämpfen haben, stellt sich eine gewisse Idylle voll ewiger Sommertage ein. Ein Krimielement schleicht sich dann doch ein, aber es steht nicht im Mittelpunkt und ich würde den Roman auch eher als einen Entwicklungsroman bezeichnen.

Obwohl ich „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ gern gelesen habe, konnte mich das Buch doch nicht ganz überzeugen. Ich habe die Hauptfigur recht farblos gefunden und mochte das Ende nicht (das ich persönlich in der Verfilmung dann besser fand). Trotzdem ein sehr passendes Buch für laue Sommerabende.

2 thoughts on “[Kurzrezensionen] Von Gabeln, Charley und Kim Novak

  1. Den Punkt mit dem Überbiss fand ich auch sehr spannend und so einprägsam, dass ich das bis heute nicht vergessen habe, obwohl ich sonst schrecklich schnell das angelesene Wissen wieder aus der Erinnerung verliere.

    Von der „school desegregation crisis“ hatte ich schon gehört (das Foto mit dem Vater, der seine kleine Tochter zur Schule bringt, ist ja doch sehr beeindruckend), aber es ist bestimmt spannend aus Steinbecks Sicht darüber zu lesen. Kann es sein, dass es in Amerika wie in Neuseeland ist, dass die Menschen zwar politische Ansichten haben (und zwar häufig deutlich konservativer als man ihnen zutraut), aber nicht außerhalb der Familie darüber reden? Zumindest regt sich meine ehemalige Nachbarin, die sehr viele Jahr in Neuseeland lebte, immer darüber auf. 😉

    1. Ich verliere leider meist angelesenes Wissen auch sehr schnell wieder aus der Erinnerung.
      Wäre Steinbeck heutzutage unterwegs, würde wohl mehr über Politik gesprochen werden (vermutlich mehr, als einem lieb ist). Aber ja, in den 60er Jahren war das wohl etwas, worüber man nur im vertrauten Kreis sprach.

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