Jugendbuch Rezensionen

Rainbow Rowell – Fangirl

 

erschienen bei Macmillan

 

Jahrelang waren die Zwillinge Cath und Wren unzertrennlich und haben gemeinsam Fanfictions für die beliebte Buchserie „Simon Snow“ geschrieben. Nun, da sie mit dem College beginnen, möchte Wren endlich unabhängiger sein und ein neues Leben beginnen. Das bedeutet, dass Cath, die mit sozialer Phobie zu kämpfen hat, nun damit klarkommen muss, dass sie auf einmal eine fremde Mitbewohnerin hat und auch sonst auf sich alleine gestellt ist.

Vor kurzem habe ich eine Rezension zu „Carry On“ geschrieben – „Fangirl“ ist praktisch die Vorgeschichte dazu und die Fanfiction „Carry On“ spielt darin eine prominente Rolle.

Wie auch „Carry On“ ist „Fangirl“ ein Roman, der von seinen Figuren lebt. Cath ist nicht immer leicht zugänglich, aber ihre Ängste werden sehr glaubwürdig und einfühlsam geschildert. Viele Situationen, mit denen sie zu kämpfen hat, kenne ich selbst sehr gut. Ihre Schwester Wren ist da ganz anders – selbstbewusst, rebellisch und immer für eine Party zu haben. Die Beziehung der beiden Geschwister spielt eine große Rolle, wobei es sich hier um ein recht klassisches Thema handelt: Zwillinge, die bisher eine Einheit gebildet haben, fangen nun an sich voneinander zu lösen, was zu gewissen Reibereien und Problemen führt.

Neben den beiden Schwestern spielen Caths forsche Mitbewohnerin Reagan und deren Freund Levi eine wichtige Rolle. Es hat mir sehr gut gefallen, wie zwischen ihnen sehr langsam eine Freundschaft entsteht. In letzter Zeit scheinen in Jugendbüchern Freundschaften zwischen zwei Mädchen kaum thematisiert zu werden (außer natürlich sie sind das Hauptthema des Buches) und „Fangirl“ ist hier eine erfreuliche Ausnahme. Bei Levi handelt es sich – man ahnt es beim Lesen schnell – um den Love Interest des Romans, wobei die Liebesgeschichte nicht im Zentrum des Buches steht.

In erster Linie handelt es sich um einen Coming of Age-Roman, bei dem man miterlebt, wie Cath sich ins Studentenleben einfügt und allmählich beginnt, sich weiterzuentwickeln und auch über sich hinauszuwachsen. Dabei sind ihr aber ihre Fanfictions weiterhin sehr wichtig und das ist etwas, das mir an dem Roman sehr gut gefallen hat: Es geht eben nicht darum, dass Cath lernt, im „richtigen“ Leben zu leben und ihre Geschichten hinter sich zu lassen. Ihre Leidenschaft für das Schreiben und für Simon Snow, dem Harry Potter-Pendant von Rainbow Rowell, machen einen Großteil von dem aus, wer sie ist. Daher nehmen die Fanfictions auch einen größeren Raum in dem Roman ein: Es gibt immer wieder kurze Auszüge sowohl aus den Simon Snow-Büchern als auch aus Caths Geschichten und es geht auch viel um den Schreibprozess an sich.

Wie bei „Carry On“ denke ich daher, dass man auch für „Fangirl“ eine gewisse Affinität zu Harry Potter und zum Fandom braucht, um den Roman wirklich genießen zu können.

Mir selbst hat er sehr gut gefallen. Zwar gibt es keinen richtigen Spannungsbogen und mitunter hätte die Handlung etwas straffer sein können, aber Rainbow Rowell thematisiert in dem Roman Probleme des Erwachsenwerdens und ernste Themen wie etwa Phobien sehr einfühlsam und doch mit einer gewissen Leichtigkeit. „Fangirl“ ist daher eine schnell zu lesende Wohlfühllektüre mit liebenswerten Figuren und schönen Einblicken in das Fandom, die bei Harry Potter-Fans wohl auch nostalgische Gefühle auslösen werden.

1 thought on “Rainbow Rowell – Fangirl

  1. Sali, Neyasha.
    „Leben verändert sich rasant schnell, in der kürzen Spanne zwischen Aufschlag & Abgang.“
    (Myrelle Minotier)
    Vermutlich fürchten Menschen deshalb auch Veränderungen, die Ihre Gewöhnheiten stören. Plötzlich den jemand nicht mehr bleibnah zu wissen, wie seit Jahren gewohnt & eingespielt, gehört zu den einschneidenderen Lebenserfahrungen. Selbst ohne Phobie(n). Aber bekanntlich besitzen Menschen einander nicht (sollte so zumindest sein). Was im Umkehrschluß natürlich auch die eigene Freiheit bedeuted.
    Durchaus angenehm, wenn sich wichtigen Entwicklungsthemen auch in ein erzählerisch leichteres Gewand hüllen lassen. Vermutlich sind deshalb coming-of-age Stories ein beliebteres Genre.
    Durchaus thematisch passend ist aktuell wohl der Film ‚On Chesil Beach’…

    bonté

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