Phantastisch Rezensionen

Peter S. Beagle – In Kalabrien

 

erschienen bei Klett-Cotta

 

Claudio Bianchi lebt zurückgezogen auf seinem Hof in den Bergen Kalabriens und kommt besser mit seinen Tieren als mit anderen Menschen zurecht. Lediglich der Postbote, der zweimal pro Woche vorbeikommt, und dessen Schwester Giovanna sorgen für Claudios Kontakt mit der Außenwelt. Dann steht eines Tages ein Einhorn auf dem Hof und stellt Claudios gesamtes Leben auf den Kopf.

 

Ich mag die meisten von Beagles Büchern sehr gern und auch „In Kalabrien“ klang vielversprechend, aber dieses Mal wollte der Funke leider nicht überspringen.

Der Roman beginnt sehr ruhig und poetisch: Claudio, der nichts mehr von der Welt wissen will, findet auf seinem Hof auf einmal ein Einhorn, das ihn tief im Herzen berührt. Beagle beschreibt sehr einfühlsam, wie zwischen Claudio und dem Fabelwesen eine seltsame Bindung entsteht. Trotzdem hat mich der Roman schon an dieser Stelle teilweise verloren. Mir war Claudios Wandlung vom zynischen Sonderling zum warmherzigen Mann, der nun auch bereit ist sein Herz für Giovanna zu öffnen, etwas zu vorhersehbar und plump. Ich will damit nicht sagen, dass das eine Thematik ist, die ich prinzipiell zu abgedroschen finde, aber hier hat sie mir einfach nicht gefallen. Vielleicht lag es auch daran, dass – aufgrund der Kürze des Buches – diese Wandlung einfach zu schnell stattfand.

Beagle bringt dann einen Twist in seine Geschichte, den ich so nicht erwartet hatte: Als sich herumspricht, dass auf Claudios Hof ein Einhorn lebt, ist es mit seiner Ruhe auf einmal vorbei und die dringt in seine abgeschlossene, altmodische Welt ein. Reporter belagern den Hof, Jäger haben es auf das Horn abgesehen, Tierschützer mischen sich ein und schließlich kommt sogar die `Ndrangheta, die kalabrische Mafia, mit ins Spiel.

Daraus hätte man durchaus einiges machen können, aber wie Claudios innere Wandlung fand ich auch diese Thematik zu plump umgesetzt. Beagles Kritik daran, wie die „moderne“ Gesellschaft auf das Wunder reagiert, ist so offenkundig und zugleich aber auch so vereinfacht dargestellt, dass mich das Buch kaum jemals zum Nachdenken oder Innehalten bringen konnte. Alle sind böse, oberflächlich und gierig und nur der schlichte Claudio sowie Giovanna begreifen das wahre Wesen des Einhorns. Auch die Bedrohung durch die `Ndrangheta wird sehr schnell abgehandelt und fügt dem Roman nicht wirklich etwas hinzu. Eher wirkte die Episode für mich wie ein Fremdkörper, der nicht so recht in die Geschichte passen will.

Ich fand es schade, dass mich „In Kalabrien“ so gar nicht erreichen konnte. Sonst sind die Meinungen zu dem Roman fast durchwegs positiv, aber ich persönlich konnte leider nichts damit anfangen und hoffe sehr, dass mir Beagles Kurzgeschichtensammlung „The Overneath“ wieder besser gefällt.

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