Rezensionen Sachbuch

Huw Lewis-Jones (Hrsg.) – The Writer’s Map. An Atlas of Imaginary Lands

erschienen bei Thames & Hudson

 

Es gibt in der Literatur viele bekannte Karten – von jener in der „Schatzinsel“ über die berühmte Karte von Mittelerde bis hin zu den kleinen Ortschaften rund um einen See in der „Swallows and Amazons“-Reihe. Diese und viele andere präsentiert der Historiker Huw Lewis-Jones zusammen mit einer Reihe von Essays, die sich dem Thema von unterschiedlichen Seiten nähern, in seinem äußerst interessanten Buch „The Writer’s Map“.

Das Buch enthält eine Vielzahl von wunderschönen Karten; nicht nur von Fantasywelten, sondern auch viele, die mehr oder weniger stark in unserer Welt verankert sind. Dazu kommen auch historische Karten wie etwa Mercators berühmte Nordpol-Karte oder Karten aus Ortelius’ Theatrum Orbis Terrarum, die zwar existierende Landstriche abbilden, aber mit Geschichten von Reisenden und der eigenen Vorstellungskraft der Kartografen ergänzt werden. Neben diesen prächtigen, oft farbenfrohen Karten finden sich in dem Buch aber auch viele Skizzen und Entwürfe wie etwa Jack Kerouacs grobe Reiseroute für „On the Road“ oder eine erste, einfache Zeichnung von Narnia von C.S.Lewis.

Inhaltlich ist das Buch in vier Teile gegliedert. Nach einer allgemeinen Einführung in das Thema erzählen in „Writing Maps“ SchriftstellerInnen davon, wie Karten ihr Schreiben und das Entstehen der Geschichten beeinflusst haben. Dieser Teil enthält unter anderem Essays von Frances Hardinge, David Mitchell und Helen Moss. Besonders spannend fand ich persönlich den dritten Abschnitt „Creating Maps“, in dem Grafiker und Kartenzeichner darüber schreiben, wie literarische Werke sie inspiriert haben oder wie sie sich Auftragsarbeiten genähert haben. Sehr faszinierend ist hier das Kapitel von Miraphora Mina, die 15 Jahre lang im Kreativteam der Harry Potter-Filme arbeitete und unter anderem für die Gestaltung der Marauder’s Map zuständig war. Der vierte Teil befasst sich schließlich mit ein paar Randthemen wie etwa „Landschaften“ des menschlichen Körpers.

Alle diese Essays erzählen von dem sehr persönlichen Zugang der einzelnen VerfasserInnen zu Karten; ihrer ersten Begegnung (oft schon in der Kindheit), ihrer Faszination und davon, wie die Karten sie inspiriert und ihr Werk geformt haben. Das bedeutet, dass die Essays nicht aufeinander aufbauen und also nicht etwa eine durchgehende Geschichte von Karten in literarischen Werken erzählen. Das bedeutet auch, dass manches sich ein wenig wiederholen kann. Mich persönlich hat das nicht gestört. Ich fand gerade diese sehr individuellen Geschichten interessant und wie bei allen die Begeisterung und Leidenschaft für Karten mitschwingt. Zwar sind meiner Meinung nach nicht alle Essays gleich spannend und nicht gleich gut geschrieben, aber ich habe dennoch alle sehr gern gelesen. Abgesehen davon ist „The Writer’s Map“ einfach ein wunderschönes Buch, das auch schlicht Freude beim Durchblättern und Anschauen der Bilder macht.

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