Krimi/Thriller Rezensionen

Jane Harper – Ins Dunkel

erschienen bei rowohlt

 

Als Teambuilding-Maßnahme begeben sich fünf Mitarbeiterinnen der Gesellschaft BaileyTennants in die Wildnis des australischen Giralang-Massivs. Als sie Tage später völlig aufgelöst und zum Teil verletzt beim Treffpunkt ankommen, sind sie nur noch zu viert. Vermisst wird ausgerechnet Alice Russell, die Aaron Falks Informantin bei BaileyTennants war, das unter dem Verdacht der Geldwäsche steht. Alice war kurz davor, ihm brisante Unterlagen zu übergeben, und so begeben sich Aaron Falk und seine Kollegin Carmen Cooper ins Giralang-Massiv, um die örtliche Polizei bei der Suche zu unterstützen und herauszufinden, was passiert ist.

Im Sommer war The Dry, Jane Harpers erster Band rund um Aaron Falk, eines meiner Lesehighlights. Während der erste Band in der Hitze des australischen Outbacks angesiedelt war, geht es hier nun in undurchdringliches Dickicht. Harper erzählt abwechselnd von den Ermittlungen rund um das Verschwinden von Alice und rückblickend von den Erlebnissen der zurückgekehrten Wanderinnen. Da sie in den Rückblicken zwischen den Perspektiven wechselt, lernt man die vier Frauen rasch kennen und bekommt einen guten Einblick in ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit der Wanderung. Es kommt schnell zu Spannungen in der Gruppe, umso mehr, als die Frauen sich am zweiten Tag verirren und zunehmend Panik aufkommt. Die Autorin erzeugt ein sehr beklemmendes Gefühl und es wird noch dadurch verstärkt, dass das Giralang-Massiv vor 20 Jahren Schauplatz einer Mordserie war. Ich habe daher „Ins Dunkel“ sehr spannend gefunden und konnte das Buch teilweise kaum aus der Hand legen. Es gibt auch eine ganze Reihe von falschen Fährten und Wendungen, die bis zum Ende zu fesseln wissen und für allerlei Überraschungen sorgen. Bei einer kleinen Szene frage ich mich sogar noch immer, ob sie als falsche Fährte gedacht war oder nur ich entsprechend etwas hineingelesen habe.

Auf der Spannungsebene hat dieser Krimi also perfekt für mich funktioniert; auf der emotionalen Ebene konnte er mich aber nicht ganz überzeugen. Zwar sind die Dynamiken zwischen den fünf Frauen sehr interessant, aber anders als beim ersten Band ist Aaron Falk dieses Mal nicht persönlich in den Fall involviert und das spürt man auch insofern, dass er zunächst stark im Hintergrund bleibt. Das habe ich schade gefunden, da ich ihn sehr sympathisch finde und sein Charakter mit ein Grund war, weshalb ich „The Dry“ so mochte. Später bekommen dann er und seine Kollegin etwas mehr Raum und die aktuellen Ereignisse sorgen dafür, dass Falk auch einige Gespenster seiner Vergangenheit aufarbeitet, aber im Grunde hätte dieser Krimi mit irgendeinem anderen Ermittler ebenso funktioniert.

Die Art und Weise, wie Falk und Carmen in den Fall involviert werden, kam mir außerdem etwas erzwungen vor und ich bin gespannt, wie Jane Harper es in Zukunft lösen wird, dass die beiden nicht bei der Kriminalpolizei, sondern der Steuerfahndung arbeiten. Vorausgesetzt natürlich, dass es weitere Fälle mit den beiden geben soll – was ich sehr hoffe. Denn trotz meiner Kritikpunkte hat mir „Ins Dunkel“ sehr gut gefallen und ich würde gern noch mehr über Aaron Falk erfahren.

Übrigens haben Konstanze und ich dieses Buch nahezu gleichzeitig in der Bibliothek ergattert und gelesen – und ich kann euch daher für einen noch etwas ausführlicheren Eindruck ihre Rezension ans Herz legen.

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