Jugendbuch Phantastisch Rezensionen

[Kurzrezensionen] Jugendfantasy

In der letzten Zeit habe ich ein paar Jugendfantasyromane gelesen, die ich großteils nicht schlecht, aber auch nicht sehr gut fand. Da es mir bei solchen mittelmäßigen Leseerlebnissen oft besonders schwerfällt etwas zu den Büchern zu schreiben, fasse ich diese in einem Beitrag zusammen:

N.K. Jemisin – The Hundred Thousand Kingdoms

Bevor Jemisin durch ihre „Broken Earth“-Trilogie in aller Munde war, hat sie bereits die „Inheritance“-Trilogie veröffentlicht. Im ersten Band wird Yeine Darr nach dem Tod ihrer Mutter in die Himmelsfestung geholt, wo ihr Großvater über die Königreiche regiert. Da ihre Mutter sich mit der Familie überworfen hatte, ist Yeine fern des Hofes aufgewachsen und findet sich jetzt unvorbereitet mitten in Intrigen wieder, in die die Götter selbst verstrickt sind. Jemisin entwirft hier eine interessante Fantasywelt, in der nach dem Sieg des Himmelsvaters Itempas die restlichen Götter von den Menschen versklavt werden – unter ihnen der Nachtlord Nahadoth, der in Yeine das geeignete Werkzeug zur Rache sieht. Obwohl ich das Setting sehr spannend fand und die Palastintrigen mochte, hatte ich meine Schwierigkeiten mit „The Hundred Thousand Kingdoms“. Die Figuren, die ich anfangs als sehr interessant empfand, boten weniger Charakterentwicklung als ich erwartet hätte und blieben mir noch dazu sehr fern. Dadurch fiel es mir schwer Anteil an ihrem Schicksal zu nehmen und auch die Liebesgeschichte, die sich zwischen Yeine und Nahadoth entwickelt, fand ich wenig überzeugend. Obwohl es am Ende einige interessante Wendungen gab, die Lust auf die Fortsetzungen machen, bin ich mir nicht sicher, ob ich die Trilogie weiterlesen werde.

Roshani Chokshi – Aru Shah and the End of Time

Bei diesem Roman handelt es sich um den Auftakt einer fünfbändigen Reihe, die sich etwa an dieselbe Zielgruppe wie „Percy Jackson“ richtet. Die zwölfjährige Aru Shah, die es mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt, will ihren Klassenkameraden beweisen, dass die Öllampe im Museum ihrer Mutter tatsächlich verflucht ist und befreit auf diese Weise den Schläfer, der das Ende der Zeit einläutet. Um ihn aufzuhalten, muss Aru drei Schlüssel finden, um mit diesen in das Königreich des Todes zu reisen.

Diese Reihe basiert auf Hindu-Mythen, was eine erfrischende Abwechslung zu den sonst sehr viel verwendeten Motiven aus der griechisch-römischen Mythologie darstellt. Aru und ihre Schwester Mini begegnen Dämonen und Göttern und reisen durch mythische Reiche, die hier eng mit unserer Welt der Gegenwart verwoben sind. Ich hatte Spaß daran diese mir so fremde Welt zu entdecken und fand auch Aru erfrischend anders, da sie mehr Ecken und Kanten hat als Kinderbuchheldinnen sonst. Zwar kamen mir das Erzähltempo und die Szenenübergänge teilweise etwas holprig vor, aber ich hoffe mal, dass das im nächsten Band besser wird. Auf jeden Fall bin ich gespannt, wie es mit Aru weitergeht und werde daher die Reihe weiterlesen.

Sara Holland – Havenfall

In den Rocky Mountains liegt Havenfall, wo Maddie jedes Jahr ihren Sommer bei ihrem Onkel Marcus verbringt. Marcus ist der Wirt eines Gasthofes, der als Knotenpunkt einst viele verschiedene Welten miteinander verband. Mittlerweile gibt es nur noch in drei dieser Welten Tore, von denen eines nach einem gewalttätigen Zwischenfall verschlossen wurde. Als Maddie dieses Jahr nach Havenfall zurückkehrt, geschieht ein Unglück – und das Tor nach Solaria steht plötzlich wieder offen.

Ich hatte dieses Buch als potenziellen Kandidaten für meine Leseliste meines Kurses zur Kinder- und Jugendliteratur ausgewählt, da mein Schwerpunktthema „die Schwelle zwischen den Welten“ lautet. Aber auch wenn verschiedene (leider sehr generische) Welten hier eine große Rolle spielen, ist die gesamte Handlung nur in Havenfall angesiedelt, was die Handlung sehr statisch macht. Auch sonst tritt der Plot ziemlich auf der Stelle, was vor allem daran liegt, dass die meisten Figuren (besonders Maddie) nicht den geringsten Durchblick haben und völlig unsinnige Entscheidungen treffen. Die „Wendungen“ und Auflösungen brüllen einem nahezu ins Gesicht und werden nur durch die Dummheit der Figuren künstlich hinausgezögert. Auch hier handelt es sich um den Auftakt einer Reihe (wieviele Bände geplant sind, weiß ich nicht), die ich aber nicht weiterlesen werde.

3 thoughts on “[Kurzrezensionen] Jugendfantasy

  1. Ich mochte bei „Aru Shah and the End of Time“ die Hindu-Mythen auch sehr gern, hatte aber (zumindest in der ersten Hälfte) ein wirkliches Problem mit der Protagonistin (ebenso wie mit der Darstellung von Mini) und deshalb reizt es mich nicht die Reihe fortzusetzen. Ich bin aber gespannt, wie dir der zweite Teil gefallen wird, wenn du soweit bist, dass du ihn liest.

    1. Ja, Aru ist zunächst nicht gerade sympathisch mit ihren Lügen, aber ich mag es (gerade bei mehrbändigen Werken), wenn es bei den Hauptfiguren ein wirkliches Entwicklungspotenzial gibt.

  2. Ich habe „Aru Sha“ auch noch hier liegen, habe mal das erste Kapitel gelesen, bin aber noch nicht weiter gekommen. Aber ich bin eigentlich schon neugierig auf diese Reihe, denn die „Goldenen Wölfe“-Reihe von Roshani Chokshi mochte ich sehr; ich mag ihre Art zu schreiben. Und in dieser Reihe hat sie auch Charakter mit vielen Kanten und Ecken geschaffen, die es einem nicht leicht machen, sie zu mögen – was ja ok ist, man muss ja nicht jede Figur mögen. „Aru Sha“ wird ja bald auch ins Deutsche übersetzt veröffentlicht, zumindest der erste Teil, mit einem echt hässlichen Cover, wie ich finde. Irgendwann demnächst werde ich mir Aru nochmal schnappen und lesen 😉

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