Kinderbuch Krimi/Thriller Phantastisch Rezensionen

[Kurzrezensionen] Von Geistern, Räubern und Verrat

Kate Milford – Ghosts of Greenglass House

„Ghosts of Greenglass House“ ist der Folgeband zu „Greenglass House“, das ich zu Beginn dieses Jahres gelesen habe. Es ist nun ein Jahr später, wieder steht Weihnachten vor der Tür, wieder freut Milo sich auf ruhige Ferien mit seinen Eltern – und muss sich stattdessen mit allerlei Gästern sowie einem Diebstahl herumschlagen.

Wer den ersten Band mochte, wird vermutlich auch mit dem Folgeband seine Freude haben, da Kate Milford sowohl Themen als auch Struktur stark an den Vorgänger anlehnt. Es gibt wieder eine ganze Reihe von Rätseln, es tauchen sowohl altbekannte als auch neue Gäste auf und es werden erneut sehr behutsam die Themen Adoption und Herkunft aufgegriffen. Ich mochte die Atmosphäre in dem Buch sehr und habe mich über das Wiedersehen mit einigen Figuren gefreut. Was den Plotaufbau betrifft, war mir „Ghosts of Greenglass House“ aber etwas zu stark am ersten Band orientiert, zumal sich das Element des Geschichtenerzählens dieses Mal nicht so schön eingefügt hat. Mir hat der Roman dennoch gefallen, aber falls es weitere Bände gibt, würde ich mir doch mehr Abwechslung wünschen.

 

Eudora Welty – Der Räuberbräutigam

Eudora Welty ist hierzulande zwar nur wenig bekannt, galt in den USA aber als eine der besten Südstaaten-Autorinnen und wurde mit einigen Preisen ausgezeichnet (1973 mit dem Pulitzer-Preis). Ihr Debüt „Der Räuberbräutigam“ ist im Original bereits 1942 erschienen, aber erst 2015 erschien die erste deutsche Übersetzung bei Klett-Cotta. Er basiert lose auf dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm. Der reiche Tabakpflanzer Clement begegnet darin dem Hochstapler Jamie Lockhart und lädt diesen in sein Haus ein. Als Clements schöne Tochter Rosamund von einem Räuber entführt wird, bittet er Jamie um Hilfe – ohne zu wissen, dass es sich bei ihm um eben jenen Räuberhauptmann handelt.

„Der Räuberbräutigam“ ist eine sehr skurrile und rasante kleine Geschichte mit jener Art von absurden Szenen und Plotentwicklungen, die oft für Märchen typisch sind. Der Humor ist manchmal recht derb, manchmal slapstickhaft. Ich fand den Roman zwar amüsant, aber trotzdem wollte der Funke nicht ganz überspringen. Das Setting in den Südstaaten war aber mal was anderes und schuf auch eine ganze eigene Atmosphäre; insofern kann ich den Roman auf jeden Fall empfehlen, wenn man mal eine etwas andere phantastische Geschichte sucht und gern Märchenadaptionen liest.

 

Diana Gabaldon – Die Sünde der Brüder

Da mich der erste Band von Diana Gabaldons Lord John Grey-Krimis so begeistert hat, habe ich schnell zum zweiten Band gegriffen. In „Die Sünde der Brüder“ taucht John tief in seine eigene Familiengeschichte ein und versucht nicht nur einen Verrat aufzudecken, sondern auch die Ehre seines verstorbenen Vaters wiederherzustellen.

Mir hat leider dieser zweite Krimi nicht so gut gefallen wie der erste Band. Der Fall war mir anfangs zu konfus und verworren und ich bin nicht der größte Fan von Fällen innerhalb der Familie in Krimis. Außerdem bringt Gabaldon hier Jamie Fraser auf eine Weise mit ins Spiel, die mir recht gezwungen vorkam. Während „Das Meer der Lügen“ wirklich als Buch für sich stehen kann, hatte ich hier das Gefühl, dass man doch die Outlander-Romane gelesen haben sollte, um manche Lücken füllen zu können.

Dennoch hatte ich mit Lord John Grey als Figur wieder meine Freude und ich fand die Liebesgeschichte, die als Nebenhandlung eine Rolle spielt, sehr gut umgesetzt. Auch die sehr lebendigen Beschreibung eines Feldlagers und der Kampfhandlungen im siebenjährigen Krieg haben mir gut gefallen. Schade, dass mich der Kriminalfall an sich nicht so überzeugen konnte – dadurch fand ich den Roman dann doch nur mittelmäßig.

3 thoughts on “[Kurzrezensionen] Von Geistern, Räubern und Verrat

  1. Hallihallo!
    Ich wusste gar nicht, dass es zu Greenglass House eine Fortsetzung gibt. Die Geschichte mochte ich eigentlich auch ganz gern, weil mir diese heimelige Atmosphäre im Buch zur Weihnachtszeit so gefallen hat. Das hatte was gemütliches beim Lesen. Mal sehen, ob die Fortsetzung auch was für mich ist…
    Noch viel überraschter und erfreuter bin ich allerdings, hier bei dir von „Der Räuberbräutigam“ zu lesen. Über dieses Buch bin ich nämlich neulich auch gestolpert und war total baff, weil ich gelesen habe, dass diese Geschichte so eine Art „lose Vorgeschichte“ zu „Die Brautprinzessin“ von William Goldman sein soll. Kennst du das? Ich LIEBE „Die Brautprinzessin“, dieses Buch ist eins der tollsten, die ich je gelesen habe, und ich will mir diesen Eindruck auch um nichts in der Welt ruinieren lassen. Insofern bin ich zutiefst skeptisch bei allem, was als Vor- oder auch Nachgeschichte dazu angekündigt wird. Und ich habe bei den Rezensionen auch gelesen, dass manche diesen „Räuberbräutigam“ richtig schlecht fanden, so ohne Inhalt, ohne Handlung, nur hanebüchen aneinander geschrieben. Ich weiß nicht, ob ich das wirklich lesen möchte. Aber neugierig bin ich halt andererseits auch… 😮

    Viele Grüße erstmal!

    1. Die Atmosphäre in Greenglass House ist wirklich heimelig und wunderbar passend für die Winterzeit.
      Dass „Der Räuberbräutigam“ eine Vorgeschichte zur Brautprinzessin ist, wäre mir neu. Meines Wissens war es eins der Vorbilder dafür, aber ich glaube nicht, dass Goldmann in der Handlung daran angeknüpft hat. Wo die Gemeinsamkeiten liegen (Stil oder Handlung) bzw. ob es überhaupt welche gibt, kann ich allerdings nicht sagen, da ich „Die Brautprinzessin“ nie gelesen habe.
      Auf jeden Fall hat der Roman eine Handlung, aber sie ist recht schräg. Es ist halt auch das Setting eher fremd (was ich persönlich aber faszinierend fand) und man muss auch einfach bedenken, dass das Buch vor über 70 Jahren geschrieben wurde, also eben auch deutlich älter ist als die Brautprinzessin. Ich würde einfach mal in die Leseprobe reinlesen; das sollte dir schon einen ganz guten Eindruck davon geben.

  2. Ja, ich glaube, ich schau mal in die Leseprobe hinein und mache mir einen Eindruck. Ich weiß nicht mehr, wo ich das gelesen hatte, dass das eine Art „Vorgeschichte“ sein soll oder zumindest ein Aufhänger für „Die Brautprinzessin“ – stimmt ja vielleicht auch gar nicht. Danke dir 🙂

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